Heute, am Samstag, 7. November, feiert Rudolf Winter die Vollendung seines 90. Lebensjahres. Der Träger des Bundesverdienstkreuzes und Ehrenbürger von Wartmannsroth lenkte das Schicksal dieser Gemeinde nach der kommunalen Neugliederung bis 1996 als Bürgermeister. Eine Straße in Völkersleier ist seinem Namen gewidmet. Winter: "Ich fühle mich recht fit für mein Alter und bin gedanklich noch völlig auf der Höhe."

Der gebürtige Völkersleierer vom Jahrgang 1925 besuchte in seinem Heimatdorf die Volksschule und absolvierte anschließend eine Schmiedelehre. Der Krieg forderte auch Winters Einsatz als Soldat an der russischen Front. Sein Bruder Otto war seit einem Rumänien-Einsatz 1944 nicht mehr aufgetaucht und gilt seitdem als vermisst. In Kriegsgefangenschaft geriet Rudolf Winter bei den Amerikanern. Danach war Winter in der heimischen Waldarbeit beim Juliusspital und in der eigenen Landwirtschaft beschäftigt. 1950 heiratete er Antonie Ullrich aus Windheim. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Otto, Hiltrud und Elfriede. Inzwischen gibt es fünf Enkel.


Frühes Engagement

Was Rudolf Winter auszeichne ist der ganze Einsatz seiner Person um die Gemeinde Wartmannsroth. So steht es in der Begründung für die Urkunde über das Ehrenbürgerrecht. Schon in seiner Zeit bei der Feuerwehr als Kommandant (1955 bis 1976) war Winters Engagement für das Gemeinwohl zu erkennen. Weiter ging es für ihn in der Kommunalpolitik, zunächst fünf Jahre als Mitglied im Gemeinderat und dann als 2. Bürgermeister unter Edwin Häusler. Und nach dessen Tod 1978 wurde er 1. Bürgermeister der damals noch selbständigen Gemeinde Völkersleier mit ihren Gemeindeteilen Heckmühle und Heiligkreuz. Dann kamen mit der Gebietsreform noch die ehemals selbständigen Gemeinden Dittlofsroda, Schwärzelbach, Waizenbach, Wartmannsroth und Windheim hinzu. Winter war 19 Jahre lang ehrenamtlicher Bürgermeister der Gesamtgemeinde Wartmannsroth. "Die Glocke hatte ich während der Gemeinderatssitzungen immer auf dem Tisch vor mir stehen", erzählt Winter von gelegentlichen Ordnungsmaßnahmen.

"Um meine Wiederwahlen brauchte ich mir keine Sorgen zu machen", erinnert sich Altbürgermeister Winter an das große Vertrauen, das sich in über 90 Prozent Erfolg in den Wahlergebnissen 1984 und 1990 widerspiegelte. Hinter diesen Ergebnissen steckt eine Menge Pionierarbeit, die sich auf die sieben Ortsteile verteilt. Unter Rudolf Winters Regie wurde das Versorgungsnetz für Kanal und Wasser auf den Weg gebracht. Baugebiete wurden in mehreren Dörfern ausgewiesen (z. B. Bornhecke, Am Häg, Schafberg, Tannenberg), die Kapelle in Heckmühle wurde gebaut. Die Verbindungsstraße zwischen Schwärzelbach und Völkersleier entstand, und die dortige Ortsdurchfahrt wurde ausgebaut. Der Festplatz in Völkersleier, der Bau des Sportplatzes am Lenzenberg und der Umbau des Feuerwehrhauses in Wartmannsroth fielen in Winters Amtszeit wie der Neubau des Kindergartens St. Andreas und der Anbau der Turnhalle an die Schule in Dittlofsroda.

Zahlreich waren die übrigen Ehrenämter und Vorsitze, die Rudolf Winter wahrnahm. Bei den Feldgeschworenen des Altlandkreises Hammelburg war er 21 Jahre lang bis 2008 Kreisobmann. Seit etwa einem halben Jahrhundert ist er in der CSU tätig, wo er mittlerweile die Ehrenmitgliedschaft besitzt. In der Feuerwehr Völkersleier ist er schon lange Ehrenkommandant. Zwei Jahrzehnte lang wirkte Winter im Vorstand der örtlichen Kirchenverwaltung.

Viele Vereine sind stolz, den Namen Rudolf Winter auf ihren Mitgliederlisten zu haben, so zum Beispiel der Obst-und Gartenbauverein, der Sportverein Spielvereinigung Wartmannsroth/ Völkersleier, der Rhönklub Schondrahöhe und die Musikvereinigung Wartmannsroth.

Groß gefeiert wird am Sonntag. Dann holen die Vereine Rudolf Winter um 18 Uhr in Völkersleier in seinem Haus ab und geleiten ihn mit einem Fackelzug zum Schützenhaus. Dort wird es erst offiziell mit Reden und Glückwünschen - und dann wird's gemütlich.