Offizier zu werden war für Anna Lena Remmele ursprünglich keine Option. Denn ihr Vater ist Soldat, die Bundeswehr gehörte von klein auf zu ihrem Leben. Eines, das sie anders weiterführen wollte. Doch in der elften Klasse, kurz vor dem Abitur, reifte die Idee, sich mit dem Berufsbild zu befassen. Die junge Frau informierte sich, absolvierte Praktika an verschiedenen Standorten.
Im Juli 2015 wurde sie schließlich Rekrutin im Offizier-Anwärter-Bataillon 2 in Hammelburg. Heute ist die 20-Jährige überzeugt davon, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Trotz der damit verbundenen Umstellungen und Herausforderungen, wie etwa das strikte Ausführen von Befehlen oder die festen, vorgegebenen Strukturen sowohl im Kleiderschrank als auch im Tagesablauf. "Es ist nicht nur ein Bürojob, sondern man hat unwahrscheinlich viel mit Menschen zu tun", schildert sie die Erkenntnisse der vergangenen Monate.


Festakt zum Jubiläum

Das bestätigt auch Hauptmann Peter Kaiser. Der heute 28-Jährige gehörte zu den ersten Offizier-Anwärtern, die 2006 im neu aufgestellten Bataillon ausgebildet wurden. Sehr eindrucksvoll schilderte er am Donnerstagvormittag bei einem Festakt anlässlich des zehnjährigen Jubiläums, wie seine Offizierslaufbahn auf dem Hammelburger Lagerberg begann.
"Es war ein warmer Sommer, und es lief gerade die Fußball-Weltmeisterschaft", erinnert er sich. Seither wurden mehr als 4000 Offizier-Anwärter in dem Bataillon auf dem Lagerberg ausgebildet, haben mehr als 4600 Offiziere parallel dazu Lehrgänge absolviert, berichtete der Kommandeur des OA-Bataillons, Oberstleutnant Simon Leidner, in seinem Vortrag.


Patengemeinden

Vier Kommandeure haben vor ihm die Geschicke der Einheit geleitet, Reinhold Stahl, Stephan Kirchhoff, Frank Moritz und zuletzt Manfred Scholl. Sie alle haben neben der Ausbildung des Führungsnachwuchses auch die Öffentlichkeitsarbeit nicht vernachlässigt. Mittlerweile bestehen mehrere Patenschaften - seit 2008 mit dem Markt Bad Bocklet, seit 2015 mit der Stadt Arnstein und ebenfalls seit 2015 mit der Gemeinde Steinfeld/ Hausen. Entsprechend waren zahlreiche Vertreter der einzelnen Patengemeinden am Donnerstag auf dem Lagerberg, um gemeinsam mit den Soldaten das zehnjährige Bestehen ihres OA-Bataillons zu feiern.


Kletterturm und Seilrutsche

Die hatten sich allerhand einfallen lassen, um ihren zivilen Partnern einen Einblick in das Soldatenleben zu ermöglichen. Die Soldaten des OA-Bataillons hatten unter anderem eine Fahrzeugschau vorbereitet und den Kletterturm reserviert. Hier konnten die Besucher verschiedene Möglichkeiten ausprobieren, das zwölf Meter hohe Hindernis zu bezwingen und später auch die Seilrutsche testen. Beides kostete enorme Überwindung, kam aber an, ebenso wie der offizielle Festakt.
Bei diesem überreichte der Kommandeur des Ausbildungszentrums Infanterie, General Gert-Johannes Hagemann, nicht nur eine Urkunde, sondern gab den Ausbildern des OA-Bataillons einige Denkanstöße mit auf den Weg. "Wer Menschen nicht mag, darf nicht Offizier werden. Wir haben immer mit ihnen zu tun", formulierte Hagemann sein Berufsverständnis. In seiner Rede hob er außerdem hervor, wie wichtig die ersten Monate für die Ausbildung eines Offiziers in Hammelburg seien. Hier würden die angehenden militärischen Führungskräfte, unter denen vermutlich auch ein künftiger Inspekteur des Heeres sein wird, entscheidend geprägt. "Eine gute Ausbildung bedeutet aber nicht, sich auszuruhen, sondern jeden Tag darüber nachzudenken, wie man sie besser machen kann."


Studium folgt

Ob sie eines Tages zu den Ausbildern in Hammelburg gehört, kann Anna Lena Remmele heute noch nicht sagen. Zunächst wird sie ihre Offiziersausbildung, die sie verletzungsbedingt unterbrechen musste, ab Juli im Hammelburger OA-Bataillon fortsetzen, später dann in München Psychologie studieren.
"Ich finde als Führer von Menschen ist das ein gutes Fach", sagt sie. Dass sie später einmal bereit sein muss, in den Auslandseinsatz zu gehen, ist für die junge Frau kein Problem. Auch dass viele verschiedene Standorte und damit verbundene Umzüge auf sie warten, ist ihr bewusst. "Dafür sieht man etwas von der Welt."