Dass Forstwirt Herbert Halbig ein Fachmann in Sachen Wald ist, weiß in Oberthulba fast jeder. Doch dass es zu seinen Hobbys gehört, wilde Blumen und andere Pflanzen zu finden und zu erhalten, dürfte vielen neu sein. In der Rhön, und besonders auch um Oberthulba herum, macht er immer wieder schöne Entdeckungen.
Am Höhfeldsberg zwischen Oberthulba und Feuerthal und im Steinbruch findet er Raritäten, darunter herrliche Orchideen. "Vieles Wissenswerte habe ich mir im Laufe der Jahre über Bücher und jetzt auch mit den neuen Medien angeeignet und erarbeitet", erläuterte Halbig.
Jetzt nutzte der Verein für Gartenbau und Landespflege die Kenntnisse des Naturliebhabers, der auch täglich Natur- und Wetteraufzeichnungen vornimmt. Eine Wanderung unter Halbigs Leitung führte zu den Schönheiten in den heimischen Fluren. "Knapp 40 Personen zeigten großes Interesse", freute sich Vorsitzende Margot Schottdorf über die Resonanz.
Vom Eingang des Schotterwerks aus ging es rund um den Höhfeldsberg und auch durch den Bereich, wo der Schotter abgebaut wird. "Die steilen und hohen Kalkabbruchwände bieten den Vögeln bereits Nistmöglichkeiten", erklärte Halbig. Auch der Steinkauz soll schon gesehen worden sein.

Zwei Millionen Jahre alt

Interessant waren auch seltene, wuchtige Felsbrocken, wie das etwa zwei Millionen Jahre alte Kalzitgestein. Dieses kam bei den Sprengungen durch die Abbaufirma zum Vorschein. "Dieses glänzende Gestein ist nicht für Bauzwecke geeignet, kann aber beim Gestalten in öffentlichen Anlagen verwendet werden", so Halbig. Auch auf den rekultivierten Flächen des Steinbruchs wachsen viele blühende Sträucher wie Heckenrosen und Akazienbüsche und vieles andere mehr. "Es macht einfach Spaß zu sehen, wie sich die Natur ihre Flächen wieder zurückholt", unterstrich der Forstwirt.
Seltene Blumen und Pflanzen wachsen auf den kargen Kalkwiesen. Halbig zeigte eine Bocksriemenzunge, eine Wildorchidee mit nicht gerade angenehmen Geruch. Die stattliche Pflanze hat langgestreckte Blüten. Eine besondere Orchidee ist auch die gelblich-braune "Vogel-Nestwurz", die ohne Blattgrün aufwächst und bis zu 30 Zentimeter groß wird. Eine weitere Orchideenart ist die "Waldhyazinthe", die an den Waldrändern des ehemaligen Weinbergs von Oberthulba zu finden ist.
Der Südhang am Kalkstein-Steinbruch war bis 1906 das Weinanbaugebiet des Ortes. Die Oberthulbaer "56er" haben in Erfahrung gebracht, dass der Weinberg bei einem Unwetter abgeschwemmt und dadurch vernichtet wurde. Damit endete auch der Anbau der Weintrauben in Oberthulba. Nur ein einziger Stock steht in diesem Gebiet noch. Dieses Relikt wird als Erinnerung an die alte Zeit von dem Oberthulbaer Senior und Landwirt Karl Schottdorf gepflegt.

Kinder hatten auch ihren Spaß

Beim weiteren Rundgang ging es vorbei am Dreimärker, dem Grenzstein der Gemarkungen Elfershausen, Feuerthal und Oberthulba, zum St. Urban-Bildstock, dem Wein-Heiligen. Es konnten noch weitere seltene Blumen wie Salbei und das Weißes Waldvögelein bewundert werden. Auch ließ der Nachmittag einen herrlichen Blick in die Schwarzen Berge und zum Kreuzberg zu.
Die Kinder hatten ebenfalls ihren Spaß: an den hohen Schotterhaufen, die zum Klettern einluden, und den Riesendiesteln mit ihren weiß leuchtenden Blättern. "Die Informationen waren sehr lehrreich, und eine Wanderung durch den alten Wengert ist immer wertvoll", dankte Vorsitzende Margot Schottdorf für den interessanten Nachmittag.