"Jugend fragt Politik" war das Motto des Online-Wahlforums mit Wahlkreis-Kandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien, zu dem die Kreisjugendringe Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld und Haßberge Jugendliche und Erstwähler aus den drei Landkreisen eingeladen hatten.

Fragen der Gemeldeten waren zuvor gesammelt und nach Themenblöcken geordnet worden. Diese in jeweils nur drei Minuten zu beantworten, war die schwierige Aufgabe für die Bundestagsabgeordneten Dorothee Bär (CSU), Sabine Dittmar (SPD) und Manuela Rottmann (Bündnis 90/Die Grünen) sowie Karl Graf Stauffenberg (FDP) und Claus Scheeres (Die Linke).

In der Begrüßung ging Moderator Ralf Sauer, stellvertretender Leiter der Bildungsstätte Volkersberg, auf Kritik ein, die Freien Wähler und die AfD würden fehlen: Die Freien Wähler seien nicht im Bundestag, war die Antwort. Die AfD habe man wie alle anderen frühzeitig eingeladen, doch die Partei habe sich nicht fristgerecht gemeldet.

"Ich hätte hier nicht teilgenommen, wenn die AfD dabei gewesen wäre", reagierte Dorothee Bär spontan, musste aber nach einer halben Stunde wegen anderer Verpflichtungen ihren CSU-Part an Stefanie Hümpfner (31) aus Königsberg (Haßberge) abgeben, die auf Platz 22 der CSU-Landesliste für den Bundestag kandidiert.

Im zweistündigen Wahlforum ging es um die Themenblöcke Klimapolitik und Mobilität, Zukunft und Digitalisierung, die Zukunft des Gesundheitssystems sowie um Jugendarbeit und Ehrenamt. In der Kürze der jeweils zugestandenen Zeit war es den fünf Politikern kaum möglich, jede Grundsatzfrage, über die man allein einen ganzen Abend hätte diskutieren können, ausreichend zu beantworten und die Position der jeweiligen Partei verständlich darzustellen. So mussten sich die Kandidaten auf Stichworte beschränken.

Unterschiedliche Wege zum Ziel

Der Begriff Nachhaltigkeit, "eine Sau, die ständig durchs Dorf getrieben wird", so der Moderator, müsse bezahlbar sein. In diesem Punkt schienen sich alle Kandidaten einig, wenn sich auch die Wege zum Ziel unterscheiden. Rottmann zitierte aus dem Wahlprogramm der Grünen, die Einnahmen aus der CO2-Steuer "an die Bürger wieder zurückzugeben".

Scheeres (Linke) sieht eine Möglichkeit darin, "Arbeitsplätze statt in den Ballungsräumen im ländlichen Raum am Wohnort der Bürger zu schaffen", um die Emissionswerte durch Wegfall des Pendelverkehrs zu senken. Graf Stauffenberg (FDP) forderte ein Umdenken in der Ernährung, die Abschaffung der Massentierhaltung, aber "Qualität zu humanen Preisen".

Dittmar sah die Notwendigkeit, beim Thema Klimaschutz alle Bürger "mitzunehmen" und dass man sich trotz neuer Technologien "das Auto weiter leisten kann". Auch Bär (CSU) sprach sich für klimafreundliche Technologien aus, meinte aber: "Man muss die Menschen für Klimaschutz begeistern und nicht bestrafen."

Rente und Pflege

Den Mangel an digitaler Versorgung sahen alle, Stauffenberg sogar "unseren Wahlkreis in Bayern ganz hinten". Rottmann forderte einen Rechtsanspruch auf maximale Versorgung. Dittmar und Bär hielten als Abgeordnete der Regierungskoalition dagegen: Es liegt nicht am Geld. Milliarden sind verfügbar, sie müssen nur abgerufen werden.

Besonderes Engagement trotz Unterschiede in der Position zeigte sich bei den Themen Rente und Gesundheit. "Wer lebenslang gearbeitet hat, muss von der Rente leben können", zitierte Hümpfner die Position der CSU. Während Dittmar eine Reform des Rentensystems forderte, widersprach Stauffenberg: "Wir brauchen keine Reförmchen, sondern einen grundsätzlichen Umbau des Systems."

Während Rottmann höhere Löhne in der Pflege für notwendig hielt, verwies Dittmar auf die Zuständigkeit der Tarifparteien. Auch deshalb forderte Stauffenberg mehr Einfluss der öffentlichen Hand.

Ärztemangel

Den Mangel an Landärzten beklagten alle Kandidaten. Ein Grund sei, so Graf Stauffenberg, dass die Behandlung gesetzlich Versicherter nicht ausreichend bezahlt werde. "Ich kenne viele junge Ärzte, die aufs Land gehen würden, aber nicht wissen, wie sie die Praxis bezahlen sollen." Dittmar störte sich an der Trennung zwischen Hausarzt, Facharzt und Krankenhaus: "Ein Patient muss dort behandelt werden, wo er am besten versorgt werden kann."

Doch so einig sich die Politiker mehrheitlich waren, war das Interesse der zur Teilnahme am KJR-Wahlforum aufgeforderten Jugendlichen nur gering: Zieht man von den anfangs 34, später nur 30 Teilnehmern alle Politiker, KJR-Funktionäre und Medienvertreter ab, blieben vielleicht 20 Jugendliche aus drei Landkreisen, die der Debatte am heimischen Monitor folgten.