Bei Fledermäusen denkt man unwillkürlich an alte Burgen und Schlösser, dunkle Höhlen und Gruselmärchen. Dass die Tiere mitten unter uns leben, ist nur wenigen wirklich bewusst. "Sie kommen sowohl im Wald als auch in Siedlungsgebieten vor, beispielsweise in unbewohnten Gebäuden, in Ställen und Scheunen, auch unter Verblendungen und Fassadenverkleidungen", erklärt Dieter Fünfstück, der seit gut 30 Jahren Fledermausexperte im Landkreis Bad Kissingen ist. Die fliegenden Säugetiere galten lange Zeit als Ungeziefer, teilweise auch als gefährliche Flatterlinge, die sich in Haaren verfangen. "Dabei ist mir kein einziger Fall bekannt. Zudem sind Fledermäuse sehr nützliche Tiere, denn sie ernähren sich fast ausschließlich von Insekten", fügt er hinzu. Etwa 25 verschiedene Arten leben in Deutschland, davon kommen allein 17 im Landkreis Bad Kissingen vor.


Quartiere im Kirchturm

Auch im Markt Burkardroth sind verschiedene Arten der fliegenden Säugetiere zu Hause, etwa die Zwerg-, die Bechstein- und die Fransenfledermaus sowie das Braune Langohr. "Im Kirchturm in Burkardroth hat das Große Mausohr eine Wochenstube", weiß Fünfstück. Darin ziehen die Fledermäuse im Frühjahr ihren Nachwuchs auf, ein bis zwei Junge pro Tier und Jahr. Als weitere Standorte nennt er die Gotteshäuser in Stangenroth und Premich. In Wollbach beispielsweise leben die Flatterlinge in der Straße Am Hang im Tierhotel. Dabei handelt es sich um eine alte Trafo-Station des Energie-Versorgers Überlandwerk Unterfranken.

Ursprünglich sollte diese abgerissen werden, erzählt Fünfstück. Doch der Naturschutzbund Bad Kissingen hat sie vor über 20 Jahren entsprechend umgebaut. "Ich gehe davon aus, dass hier unter anderem Zwergfledermäuse leben", sagt der Experte. Schließlich würde ein nur zwei Zentimeter großer Schlitz in den mit Brettern versehenen Fenstern ausreichen, damit das etwa Daumenglied große Tier hindurchkommt.


Auch schon vor Sonnenuntergang

Anwohner bestätigen das Vorkommen der Fledermäuse in Wollbach, wie Margot Wehner, die in der Rhönstraße wohnt. "Ich sehe hier abends öfters welche fliegen", erzählt sie. Dieter Fünfstück schätzt, dass es sich dabei um den Großen Abendsegler handeln könnte, eine etwa 20 Zentimeter große Art. "Die Tiere sind abends sehr zeitig unterwegs, manchmal auch, wenn noch die Sonne scheint", sagt er.

Wer aktive Fledermäuse beobachten kann, sollte sich glücklich schätzen. Denn die Tiere sind mancherorts vom Aussterben bedroht. Deshalb sind sämtliche in Deutschland lebenden Arten in der Roten Liste eingetragen, stehen somit unter besonders strengem Naturschutz - auch und besonders bei Bauarbeiten. "Wer beispielsweise ein altes Anwesen kauft, der muss damit rechnen, dass er Fledermäuse als Untermieter hat", sagt Fünfstück. Im Markt Burkardroth dürfte das schon öfters der Fall gewesen sein, genaue Zahlen liegen aber nicht vor.


Förderprogramm der Allianz

Schließlich gibt es hier, wie in den anderen drei Kommunen der Allianz Kissinger Bogen, Nüdlingen, Bad Bocklet und Oberthulba, ein Förderprogramm für die Renovierung beziehungsweise den Abriss und Neubau alter Gebäude im Ortskern. Mehr als 30 Anwesen in der Großgemeinde wurden über dieses Programm in den vergangenen vier Jahren auf Vordermann gebracht.

Doch was zu tun ist, wenn man beispielsweise in einem solch alten Gemäuer oder bei Renovierungsarbeiten an der Außenfassade von Gebäuden auf Fledermäuse trifft, wissen nur wenige. "Das Beste ist, zunächst die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt zu verständigen", erklärt Fünfstück. Die beauftragt häufig ihn damit, den Fundort zu begutachten und parallel dazu auch auf die gesetzlichen Bestimmungen hinweisen. "Gerade beim Umbau von Altbauten muss geprüft werden, ob sich sogenannte Wochenstuben in den Gebäuden befinden. Es gibt dann Auflagen wie zum Beispiel den Einbau von Lüftungsziegeln, damit die Fledermäuse ihre angestammten Wochenstuben aufsuchen können", beantwortet Lena Pfister, die Sprecherin des Landratsamtes, auf Nachfrage. "Besonders während der Jungenaufzucht sind die Fledermäuse störungsempfindlich", fügt sie hinzu.


Jede Störung vermeiden

Fatal könne sich eine Störung aber auch während des Winterschlafes der Tiere auswirken, die dafür laut Fledermausexperte unter anderem auch alte Rübenkeller aufsuchen. Am wenigsten störungsempfindlich seien Fledermäuse etwa im Oktober, weil da die Jungenaufzucht beendet ist und die Tiere noch nicht in den Winterquartieren sind. Grundsätzlich gelte jedoch, dass Fledermäuse nie gestört werden dürfen. "Wenn es doch notwendig ist, beispielsweise bei dringenden Baumaßnahmen, benötigt man eine Ausnahmegenehmigung der Regierung von Unterfranken", so Lena Pfister.

Aber nicht nur Bauherren können die fliegenden Säuger unterstützen. "Jeder, der einen Garten hat, kann etwas für Fledermäuse tun", ist Dieter Fünfstück überzeugt. Denn dort, wo es viele Blühpflanzen gibt, tummeln sich die Insekten, die wiederum Nahrung der nachtaktiven Flatterlinge sind.

Organisation Die Internationale Fledermausnacht findet Ende August in 35 Ländern statt. In Deutschland wird sie vom Naturschutzbund NABU organisiert. Bei verschiedenen Veranstaltungen wie etwa Führungen können die Tiere aus nächster Nähe bestaunt werden.
Im Landkreis Bad Kissingen ist aktuell nichts geplant. Dieter Fünfstück ist derzeit Einzelkämpfer in Sachen Fledermauskunde und auf der Suche nach weiteren, jungen Mitstreitern. Bei Fragen ist er telefonisch unter Tel.: 09725/ 704 459 erreichbar.