Egal ob XXL-Feuerwerksbatterie, Böller- oder Raketensortiment. Viele Werbeprospekte von Supermärkten und Discountern, die am Wochenende im Landkreis verteilt wurden, bewerben prominent die Feuerwerkskörper für den Jahresabschluss. Aber: Diese dürfen dieses Jahr nicht verkauft werden. Kurz vor Weihnachten hatte die Bundesregierung ein Verkaufsverbot verhängt, um die Krankenhäuser in der Silvesternacht zu entlasten. "Der Verkauf von Feuerwerkskörpern ist verboten. Auch bereits vorher bestellte Ware darf vom Händler nicht den Kunden überlassen werden", stellt Marlene Rathgeber von der Pressestelle der Regierung von Unterfranken klar. Wieso werben dann Aldi, Norma, Lidl und Co. wie immer für das Silvesterfeuerwerk?

Werbung nicht einstampfen

"Die Prospekte waren bereits gedruckt, bevor das Verkaufsverbot verhängt wurde", erklärt Peter Umkehr vom Bad Kissinger Zustellunternehmen Prospega. Werbekampagnen und damit die Prospekte werden von den Auftraggebern in der Regel lange im Voraus geplant und liegen meistens schon Wochen, bevor sie verteilt werden, im Lager. "Aus Kosten- und aus Umweltschutzgründen haben sich diesmal viele entschieden, die Prospekte nicht einzustampfen", berichtet er. Manche hätten die entsprechenden Seiten noch überdrucken lassen. Dort wo die Werbung mit Feuerwerkskörpern zugestellt wurde, werde in den Geschäften auf das Verkaufsverbot hingewiesen.

Klaus Rüttger ist Inhaber des Edeka-Marktes an der Spitzwiese in Bad Kissingen. Vier bis fünf Paletten Ware mit Feuerwerkskörpern hat er zum Jahreswechsel normalerweise im Sortiment, rund 7000 Euro setzt er mit dem Verkauf um. "Normalerweise muss die Ware im Sommer bestellt werden", erklärt er. Die Händler kaufen die Feuerwerkskörper üblicherweise auf Kommission von den Herstellern. Rüttger hat inzwischen die Ware gestoppt, ein Schaden ist ihm dadurch nicht entstanden. "Auch den Handzettel konnten wir gerade noch stoppen", sagt er. Seine aktuelle Edeka-Werbung kommt ohne die Knallkörper aus. "Ich sehe es persönlich als nicht so schlimm an. Wir hatten in diesem Jahr wegen Corona ohnehin überlegt, ob wir es nicht weglassen", sagt er.

Seit März keine Beschäftigung

Für Pyrotechniker Christian Rose aus Motten ist die Situation hingegen bedrohlich. Er führt nebenberuflich die eigene Feuerwerksfirma Saale Pyro Müller. Sein Geld verdient er mit dem Verkauf von Feuerwerkskörpern an Silvester und mit gewerblichen Feuerwerken an Veranstaltungen und Feiern, für die er gebucht wird. "Corona bedeutet für mich quasi ein Berufsverbot. Ich kann meiner Tätigkeit nicht mehr nachgehen", sagt er. Seitdem seit März größere Veranstaltungen untersagt sind, habe er keine Aufträge mehr bekommen. Die Ware, die er für Silvester in seinem Ladengeschäft in Bad Brückenau verkaufen wollte, befindet sich bereits im Lager. Los wird er sie nun nicht. Staatliche Unterstützung gebe es für die pyrotechnische Industrie bisher nicht. "Ich fühle mich da ganz schön allein gelassen", klagt Rose.

Appell: Nicht böllern

Das Verkaufsverbot "hat unseren gesamten Wirtschaftszweig hart getroffen", schreibt der pyrotechnische Branchenverband VPI auf seiner Homepage. Der Schaden bleibe an der pyrotechnischen Industrie hängen, gleichzeitig seien die bisherigen Hilfspakete nicht für die Branche nutzbar. Der VPI fordert finanzielle Unterstützung von der Politik, um die 3000 Einzelexistenzen in dem Wirtschaftszweig zu sichern. 95 Prozent des Jahresumsatzes werden laut VPI im Dezember erwirtschaftet.

Das Verkaufsverbot von Feuerwerkskörpern bedeutet nicht automatisch, dass an Silvester nicht geböllert wird. Wer noch Feuerwerkskörper aus den letzten Jahren zuhause hat, darf diese auch schießen, sagt Marlene Rathgeber von der Regierung von Unterfranken. Es muss natürlich die Ausgangssperre zwischen 21 und 5 Uhr beachtet werden. Daraus ergibt sich, dass das Böllern zum Jahreswechsel nur im eigenen Garten, auf dem Balkon oder der Terrasse erlaubt ist. "Die Frage ist nur, ob man alles, was erlaubt ist, auch machen muss", sagt die Pressesprecherin. Sie appelliert, dieses Jahr auf das Böllern zu verzichten und verweist auf die durch Corona stark belasteten Krankenhäuser. "Böllerunfälle verschärfen die Situation nur noch mehr", sagt sie.

Gewerbliche Feuerwerke seien erlaubt, auch dürfte ein Pyrotechniker das Haus verlassen, um zur Berufsausübung ein Feuerwerk abzubrennen - zumindest in der Theorie. In der Praxis spielt das allerdings so gut wie keine Rolle. Die meisten bei der Gewerbeaufsicht angemeldeten Feuerwerke wurden bereits wieder abgemeldet. "Aktuell sind in ganz Unterfranken noch vier Feuerwerks-Anzeigen offen", berichtet sie. Für den Landkreis Bad Kissingen ist kein gewerbliches Feuerwerk angemeldet.