Unglücke nehmen keine Rücksicht auf die Uhrzeit, die Sirene kann jederzeit zum Einsatz rufen. Wenn es brennt oder sich ein Unfall ereignet hat, wird sofort ausgerückt. Was passiert aber, wenn es nicht mehr genügend Rettungskräfte gibt?

Die Frage beschäftigt Christian Horn, der seit 1999 Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Bad Bocklet ist. Abends, an Wochenenden und Feiertagen ist man personell gut aufgestellt.
42 aktive Mitglieder sorgen für den Brandschutz in dem Kurort, acht Jugendliche engagieren sich im Nachwuchsbereich. Horn klagt: "Personalmangel herrscht unter der Woche tagsüber. Da haben wir nur drei Personen gemeldet." Zum Vergleich: Acht Leute passen in ein Einsatzfahrzeug. Im Notfall werden über die Integrierte Leitstelle Schweinfurt zusätzliche Kräfte benachbarter Wehren hinzugezogen.

"Alle unseren Aktiven arbeiten auswärts", sagt Horn. Zum Teil pendeln sie beruflich nach Schweinfurt oder Würzburg. Die Entfernung ist damit zu groß, als dass es sich lohnen würde, sie per Piepser zu alarmieren. Um dem Personalproblem entgegenzuwirken, wird in Bad Bocklet auf Mitgliederwerbung gesetzt. Neues Gerät, wie ein motorisiertes Schlauchboot zur Vermisstensuche auf der Saale, soll neue Feuerwehrleute locken. Jugendsprecher Raphael Langer will mit neuer Homepage und Facebookseite den Nachwuchs ansprechen. "Jeden Mann und jede Frau können wir gebrauchen", meint Horn. Vom zwölfjährigen Jugendlichen bis zur Quereinsteigerin Mitte 40.

"Das Problem ist im Landkreis in unterschiedlichem Ausmaß vorhanden", schildert Kreisbrandrat Benno Metz. Die Situation ist von Ortschaft zu Ortschaft verschieden. "Es gibt beispielsweise Jugendwehren, die hervorragend aufgestellt sind und andere, die sehr zu kämpfen haben." Landkreisweit beobachtet Metz die Mitgliederentwicklung aufmerksam: Derzeit gibt es rund 5300 aktive Feuerwehrleute und 850 Jugendliche. "Momentan haben wir noch ein hohes Niveau. Aber der Trend bei den Mitgliederzahlen zeigt nach unten."

Ein Patentrezept zur Mitgliederwerbung gebe es jedoch nicht. "Das Problem wurde aber auch auf Landesebene erkannt", sagt Metz. 2011 startete der Landesfeuerwehrverband Bayern (LFV) eine auf zwei Jahre angelegte Imageoffensive zur Nachwuchs- und Mitgliedergewinnung. Bayernweit zeigt die Kampagne bereits erste Wirkung. "Teilweise konnte der Trend schon gestoppt werden", freut sich der Kreisbrandrat.

Wenige Feuerwehrfrauen

Die Kampagne ist allerdings allgemein gehalten und richtet sich an Jugendliche wie Erwachsene. Frauen und Mädchen werden nicht gesondert berücksichtigt. Benno Metz würde allerdings spezielle Werbung für Frauen begrüßen. "Da rennen Sie bei mir offene Türen ein. Da haben wir noch Ressourcen." Sprich, verhältnismäßig wenig weibliche Mitglieder.

In Bad Bocklet beispielsweise gibt es nur eine Aktive. Dabei könnten Frauen, besonders wenn sie nicht Vollzeit arbeiten, die dünne Personaldecke an Wochentagen verstärken. Gründe, sich bei der Feuerwehr zu engagieren, gibt es jedenfalls für Kommandant Christian Horn genug: "Ich bleibe dabei, solange es Kameraden gibt, auf die ich mich verlassen kann."

Wann übt die Freiwillige Feuerwehr Bad Bocklet?

Die aktive Mannschaft trifft sich heute zur ersten Übung 2013 am Feuerwehrhaus in der Frankenstraße. Die erste Jugendübung findet am Montag, 8. April, statt. Beginn ist jeweils um 19 Uhr.

Bei den Jugendübungen werden überwiegen Fahrzeug- und Gerätekunde und Teile der Grundausbildung vermittelt. Die Erwachsenen trainieren verstärkt Innenangriffe, Verletztenrettung und Wasserentnahme aus der Saale.

Alles rund um die Freiwillige Feuerwehr Bad Bocklet gibt es im Internet unter www.ffw-badbocklet.de und unter www.facebook.com/FFWBadBocklet.