Sindy Drodowsky aus Bad Kissingen hat wie viele andere berufstätige Eltern ein anstrengendes Jahr hinter sich. Während des Lockdowns im Frühling hat sie ihr Tochter nicht in den Kindergarten geben können, sondern zuhause betreut und parallel im Homeoffice gearbeitet. Bei ihrem Arbeitgeber, einem Kissinger Steuerbüro, ist flexibles Arbeiten möglich - die junge Mutter kann sich zur Not auch abends an den Computer setzen. "Es war sehr herausfordernd. Es war auf alle Fälle ein schwieriges Jahr", sagt sie.

Ihre Überstunden hat Drodowsky aufgebraucht, die letzten Tage Jahresurlaub sind für die Weihnachtsferien verplant. Ihr Mann dient bei der Bundeswehr und wird noch vor den Feiertagen zu einem mehrmonatigen Auslandseinsatz abkommandiert. Dass jetzt der Kindergarten ihrer Tochter angekündigt hat, wegen Corona den Beginn der Ferien vorzuverlegen, bedeutet für Drodowsky neue Probleme. Großeltern, die einspringen könnten, hat die Familie in Bad Kissingen nicht. Bei allem Verständnis für die Lage und die Gründe des Kindergartens: "Ich muss die Notbetreuung in Anspruch nehmen. Da habe ich schon fast ein schlechtes Gewissen", sagt sie.

Einheitliche Vorgaben fehlen

Für die Schulen hat der Freistaat den Ferienbeginn auf den 21. Dezember vorgezogen. Kontakte sollen damit ein paar Tage zusätzlich eingeschränkt, die Festtage damit sicherer werden. Für die Kindergärten und Horte gibt es hingegen keine klare Vorgabe. "Grundsätzlich entscheiden die Träger selbst, an welchen Tagen die Kitas geöffnet sind", schreibt das Familienministerium in einem Infobrief an die Bezirksregierungen, Landkreise und kreisfreien Städte. Es wird betont, dass die Erzieher in diesem Jahr Herausragendes geleistet haben. Sie sollen daher die Möglichkeit haben, ebenfalls ihre Kontakte vor Weihnachten zu reduzieren. Die Einrichtungen können den Ferienstart vorziehen, solange sie an den zusätzlichen freien Tagen eine Notbetreuung anbieten. Vorgaben, welche Eltern Anspruch auf die Notbetreuung haben, macht das Ministerium keine. Zudem wird empfohlen, keine Nachweise von den Eltern zu verlangen.

Die Kindertagesstätten entscheiden über den Ferienbeginn also eigenständig. Die Redaktion hat deshalb bei allen 26 Kommunen im Landkreis nachgefragt, wie die Einrichtungen den vorzeitigen Ferienbeginn handhaben. Die Kinderbetreuung ist zwar eine kommunale Pflichtaufgabe, die meisten Kitas werden aber von kirchlichen Vereinen getragen. Viele Kommunen haben unsere Anfrage daher nicht abschließend für alle Kindergärten in ihrem Gebiet beantwortet. Für 44 Einrichtungen wurde Auskunft gegeben. Dabei zeigt sich: Nicht einmal jede vierte Einrichtung zieht den Ferienbeginn nach vorn. Die Mehrheit (34 von 44) schließt am 23. oder 24. Dezember.

In den Kindertagesstätten sind die Verantwortlichen ebenfalls nicht glücklich mit der Situation. Dass vom Ministerium wenig Vorgaben kommen, wird kritisiert: Die Einrichtungen fühlen sich im Stich gelassen, unpopuläre Entscheidungen würden auf sie abgewälzt.

Aileen Schöppner leitet den St. Elisabeth Kindergarten in Premich, in dem 90 Kinder betreut werden. Anfang November musste die Kita nach einem Coronafall schließen, alle Erzieherinnen und die Hälfte der Kinder wurden in Quarantäne geschickt. Der Träger hat entschieden, die Einrichtung über Weihnachten drei Wochen zu schließen. "Im Sinne der Gesundheit ist es wichtig, Kontakte zu reduzieren. Wir schließen früher und lassen länger zu", sagt Schöppner. Die Eltern zeigten Verständnis, gleichzeitig wollen einige die Notbetreuung in Anspruch nehmen. "Es gibt Eltern, die stoßen an ihre Grenzen. Da müssen wir als Einrichtung auch die Verantwortung übernehmen", sagt die Leiterin.

Die Kleinen Strolche in Winkels gehen ebenfalls früher in die Ferien. "Die Kinder sind sehr stabil, aber das Personal ist angeschlagen", berichtet Leiterin Andrea Böhm. Auch sie sieht die Not der Eltern. Die Notbetreuung helfe aber, um das Ärgste abzufedern. "Da steht bei den Erziehern das soziale Gewissen dahinter", sagt sie.

Eltern nicht noch mehr zumuten

"Wir müssen die berufstätigen Eltern unterstützen", findet Michaela Atzler, von der Katholischen Kirchenstiftung Herz-Jesu. Die Stiftung ist Träger des Kliegl-Schülerhorts sowie des Kliegl-Kindergartens in Bad Kissingen. Nach Lockdown und Quarantäne bedingter Schließung des Kindergartens wolle man den Eltern nicht noch mehr Schließtage zumuten. Der Betrieb laufe aktuell gut, Eltern und Personal würden sich diszipliniert an die geltenden Hygieneregeln halten.

In Nüdlingen entscheidet die Gemeinde zusammen mit dem Träger über die Schließtage. Verlängerte Ferien soll es nicht geben. "Zu viele Eltern haben ihren Jahresurlaub und ihre Überstunden aufbrauchen müssen. Sie brauchen Planungssicherheit", begründet Bürgermeister Harald Hofmann (CSU) den Entschluss. Daniel Wehner (CSU), Bürgermeister in Burkardroth findet es ebenso grundsätzlich wünschenswert, wenn die Kitas möglichst lange offen bleiben. "Wenn die Betreuung wegfällt, wird es für viele berufstätige Eltern schwierig", sagt er. Dennoch sei es richtig, dass die Träger die Situation für sich beurteilen können.

Bad Brückenau betreibt vier städtische Kindergärten. Die Stadt zieht den Ferienbeginn zwar nicht nach vorn, lässt die Kitas aber im Januar länger zu. "Wir wollten den Eltern die vorgezogenen Ferien nicht zumuten. Sie sind zwar sehr kooperativ, mussten aber dieses Jahr vieles einstecken", sagt Michael Worschech, Geschäftsleiter im Bad Brückenauer Rathaus. Dass die Kitas über den Drei-Königstag hinaus geschlossen bleiben, diene der Sicherheit der Einrichtungen. "Wenn an Weihnachten mehr Infektionen auftreten, haben wir hinterher mehr Zeit, um entsprechend zu reagieren".

Ferienbeginn der Kitas im Landkreis Bad Kissingen

Regulär Folgende Kitas beginnen regulär mit den Weihnachtsferien (soweit gemeldet): Die Einrichtungen in Bad Brückenau, Kliegl Kindergarten und Hort in Bad Kissingen, die Kitas in Steinach, Gefäll, Stralsbach, Waldfenster, Elfershausen, Machtilshausen, Euerdorf, Poppenlauer, Maßbach, Oberthulba, Hassenbach, Sulzthal, Weißenbach, Aura, Nüdlingen, Haard, Ramsthal, Wartmannsroth, Schwärzelbach, Oberbach sowie der Hort Wildflecken. In Hammelburg sind es die Kitas in Untererthal, Westheim, Obereschenbach, Gauaschach, Diebach sowie die Kinderkiste und St. Michael in der Kernstadt.

Vorgezogen Folgende Kitas starten früher (soweit gemeldet): Kleine Strolche in Winkels, St. Josef und St. Marien in Hammelburg, Premich, Stangenroth, Langendorf, Geroda, Thulba, Wildflecken und Zeitlofs.