Wegen häuslicher Gewalt musste sich ein 50-Jähriger vor dem Bad Kissinger Amtsgericht verantworten. Nach einer Verständigung zwischen Richterin, Staatsanwalt und Verteidiger mit nachfolgendem Geständnis des Angeklagten wurde dieser zu einer Freiheitsstrafe von elf Monaten und einer Bewährungsauflage von 1200 Euro verurteilt.

Zunächst versuchte der Angeklagte die gegen ihn vom Staatsanwalt erhobenen Vorwürfe der gefährlichen sowie der vorsätzlichen Körperverletzung in Tateinheit mit Beleidigung herunterzuspielen. Zwar bestätigte er, Ende vergangenen Jahres seine Partnerin nach dem Abendessen der Kinder wegen mangelnder Fürsorge zur Rede gestellt zu haben, auch dass er im nachfolgenden Streit mit einer Plastikschale und einer Fernbedienung nach ihr geworfen habe. Doch habe er nicht direkt auf sie gezielt.

Auch die Schläge gegen ihren Kopf und Oberkörper hätten sie nicht verletzt, behauptete er vor Gericht, zumal die Geschädigte seine Schläge mit ihren Armen abgewehrt habe. Die vorgegebenen Verletzungen habe sie sich vielmehr Wochen zuvor bei einem Fahrradunfall zugezogen. Auch ihren Sohn habe er nicht mit einem Plastikbaustein treffen wollen, sondern ziellos nach ihm geworfen, als dieser sich in den Streit des Paares einmischte.

Die Geschädigte bestätigte vor Gericht den Tathergang. Doch seien die Verletzungen tatsächlich Folge der Faustschläge gewesen. Allerdings habe sie im Nachhinein keine nachhaltigen Schmerzen gehabt und sei auch nicht in ärztlicher Behandlung gewesen. Der Streit sei wieder einmal eskaliert, da der Angeklagte alkoholisiert gewesen sei. "Immer wenn er getrunken hat, ist er aggressiv. Sonst ist er ein ganz anderer Mensch."

Um nicht das Kind als Zeugen vernehmen zu müssen, schlug die Richterin dem Staatsanwalt vor, nach der Aussage der Mutter auf diesen Anklagepunkt zu verzichten, was er aber ablehnte: "Ich tue mich schwer bei Körperverletzung." Es folgte ein längeres Fachgespräch unter den drei Juristen über infrage kommende Paragraphen des Strafgesetzbuches. "Ich sehe kein Strafmaß über einem Jahr", meinte die Richterin. "Ich sehe das anders", widersprach der Staatsanwalt prompt. "Wenn wir uns hier nicht einigen, kommt das Ganze in drei Monaten wieder vor Gericht, dann aber mit Gutachter und Zeugenaussage des Kindes", gab der Verteidiger dem Staatsanwalt zu bedenken.

Geständnis vorausgesetzt

Da eine Rücksprache mit seinem Vorgesetzten in Schweinfurt nicht gelang und der Staatsanwalt "nicht ohne Rücksprache auf diesen Punkt der Anklage verzichten" wollte, ließ er sich nur bei einem Geständnis und einem Strafmaß über einem Jahr darauf ein, auf die Zeugenaussage des Kindes zu verzichten. "Zehn bis 14 Monate zur Bewährung. Das kann ich mir vorstellen." Damit war auch der Verteidiger einverstanden. "Das setzt aber ein Geständnis voraus", erinnerte ihn die Richterin, worauf sich der Verteidiger mit seinem Mandanten zur Beratung zurückzog.

Zurück im Gerichtssaal verkündete der Verteidiger dessen Einverständnis, so dass auf die Aussage des Kindes verzichtet werden konnte. Nach dem Geständnis des Angeklagten und der Aussage der Geschädigten sah der Staatsanwalt den Sachverhalt bestätigt. Die Hämatome der Frau seien eindeutig "Folgen innerhäuslicher Gewalt" gewesen. Der Angeklagte sei zudem einschlägig vorbestraft. "14 Monate halte ich für angemessen." Als Bewährungsauflage beantragte er 2000 Euro.

Auch für den Verteidiger war der Sachverhalt bestätigt, doch sah er mildernde Umstände aufgrund der damaligen "alkoholischen Enthemmung" seines Mandanten. Ein Jahr Freiheitsstrafe sei ausreichend und eine Bewährungsauflage von 1000 Euro solle der Kultur zugute kommen. "Die brauchen es am Nötigsten." Nach 90-minütiger Verhandlung sprach die Richterin das Urteil: Elf Monate Freiheitsstrafe zur Bewährung auf drei Jahre. Als Auflage hat der Angeklagte 1200 Euro in Monatsraten von 35 Euro an die Staatskasse zu zahlen.