Die Bundeswehrreform und ihre Auswirkungen auf den Standort Hammelburg waren ein zentrales Thema bei dem Empfang im Bocksbeutelkeller im Anschluss an das Adventskonzert in der Stadtpfarrkirche (siehe unten). Oberst Michael Uhrig, stellvertretender Kommandeur und Leiter des Schulstabs der Infanterieschule Hammelburg, erklärte, die Schule werde im Zuge der Neuausrichtung ab Anfang 2015 umstrukturiert. "Das Kerngeschäft auf dem Lagerberg bleibt unverändert die Ausbildung und Vorbereitung der Soldaten und Soldatinnen auf das Bestehen im Einsatz", unterstrich Uhrig.

Im Vorgriff auf 2015 wird es laut dem stellvertretenden Schulkommandeur aber schon im nächsten Jahr einige Veränderungen geben. Aus dem oberbayerischen Altenstadt werden die Offizier- und Unteroffizierausbildung der Fallschirmjägertruppe nach Hammelburg verlagert. Hintergrund ist die geplante Auflösung der Luftlande- und Lufttransportschule in Altenstadt.
Auch die Einzelkämpfer kehren von hier nach rund 30 Jahren wieder auf den Lagerberg zurück. Sie nehmen im zweiten Halbjahr ihren Ausbildungsbetrieb auf. Um wie viele Soldaten es hierbei insgesamt geht, konnte der stellvertretende Schulkommandeur allerdings noch nicht sagen.

"Zudem wird es eine weitere Offizieranwärterkompanie mit 240 Männern und Frauen geben", informierte der Oberst. Diese Kompanie soll zum 1. Juli nächsten Jahres eingerichtet werden. Eine Folge wird sein, dass es zumindest 2013 auf dem Lagerberg so viele Soldaten wie schon lange nicht mehr geben wird. Der Tag der Infanterie wird weiterhin in Hammelburg stattfinden. Hierbei soll insbesondere auch die bereits begonnene gezielte Nachwuchswerbung weiter verstärkt werden. "Hier hoffen wir auf die Unterstützung der Schulen", betonte Michael Uhrig.

"Noch nicht einzuschätzen"

Auch Bürgermeister Ernst Stross (SPD) ging auf den Umbau der Bundeswehr ein. Im vergangenen Jahr hatte das Verteidigungsministerium angekündigt, dass am Standort Hammelburg von 2280 Dienstposten 980 gestrichen werden sollen. Dabei ging es zuvorderst um die Auflösung der drei Kompanien des Jägerregiments 1 sowie der Rekrutenkompanie.

Darüber hinaus gibt es aber bei den Details, insbesondere dem Zeitplan, noch viele Fragezeichen. So gestand der Stadtchef denn auch ein, dass "wir vor Ort die Veränderungen in der ganzen Dimension noch nicht so recht einschätzen können."

Trotz Aufwertung von Infanterieschule und Vereinte-Nationen-Ausbildungszentrum im Gesamtkontext der Bundeswehr schreite der Abzug von Mitarbeitern im militärischen wie zivilen Bereich Stück für Stück voran. Das bedeute für die Stadt und die gesamte Region Einschnitte im wirtschaftlichen und im gesellschaftlichen Leben. "Konversion vermindert Kaufkraft und schwächt ein komplexes System", betonte der Bürgermeister.
Um die Auswirkungen besser abschätzen zu können und Möglichkeiten für einen Ausgleich zu erfassen, finanziert das Bayerische Wirtschaftsministerium zwei so genannte Konversionsmanager. Sie werden ab Januar 2013 im Landratsamt schwerpunktmäßig für die im Landkreis am stärksten betroffenen Kommunen Hammelburg und Wildflecken tätig sein.

"Mit der weiteren Unterstützung durch Landrat Thomas Bold und die Regierung von Unterfranken werden wir ausloten, wo eine zusätzliche Förderung für anvisierte Projekte und Stärkung für unseren Nahraum möglich wird", kündigte Stross an. Ziel sei der Ausgleich von aktuellen und kommenden Belastungen.