Das Publikum starrt fasziniert zum Himmel; mit rasanter Geschwindigkeit und verwegenen Flugmanövern zeigt dort ein Flugzeug in Kleinformat auf, was ein geschickter Pilot an der Fernsteuerung so alles mit ihm in der Luft anstellen kann. Dann wieder zieht ein mächtigerer, gelber Doppeldecker mit sonorem Sternmotoren-Gebrumm weite Schleifen, fliegt tief über das Flugfeld, startet nochmals durch, kehrt im weiten Bogen zurück und setzt, trotz böiger
Windstöße, sicher auf dem Rollfeld auf.
Und dann kam er, der Müllmann. Im standesgemäßen Anzug mit Warnweste zog er seine Mülltonne hinter sich her, sammelte hier und da etwas auf, öffnete den Deckel seiner schwarzen Tonne - die schoss plötzlich in die Luft und flog davon. Eine fliegende Mülltonne?!
Großflugtag war auf dem Gelände der Modellfluggruppe "Condor" Schweinfurt, in dem Wiesengrund zwischen Rannungen und Pfersdorf. Zwei Tage lang und sogar in der hereinbrechenden Nacht, zeigten hier begeisterte und erfahrene Modellflug-Piloten, was sie und ihre vielfältigen Fluggeräte können.
"Es war eigentlich eine Schnapsidee, im wahrsten Sinne des Wortes...", erzählt Thomas Tigges aus Lautertal in Hessen, der "Müllmann", Tüftler, Erbauer und Flieger der Mülltonne. "Vor drei Jahren saßen wir hier in froher Runde beisammen, unterhielten uns über die damalige Attraktion, nämlich einen fliegenden Rasenmäher und überlegten, was man denn noch alles zum Fliegen bringen könnte. Da fiel mein Blick auf eine herumstehende Mülltonne...!"
Was folgte waren mehr als fünfzig Stunden Planung, Bau, Programmierung, die endgültige Ausführung in Originalgröße einer 120-Liter Mülltonne, mit einem Gewicht von etwa eineinhalb Kilo. Zwischen einem halben und einem PS etwa bringt die Motorleistung, angetrieben von einem Akku mit 12,6 Volt und 2400 Milliampere. "Und sieh da, meine Mülltonne fliegt; ich und viele Zuschauer haben Spaß daran und sind begeistert!"

6,40 Meter Spannweite

Von kleinsten Modellen bis hin zu einem wahren Giganten mit 6,40 Meter Spannweite und trotzdem nur knappen 24 Kilo Gewicht, gab es alles zu bestaunen, am Boden und in der Luft. Da blieb der Nachbau des legendären "Fieseler Storchs" scheinbar in der Luft stehen, wendige Hubschraubermodelle sausten und wirbelten durch die Luft, historische Militärflugzeuge zeigten originale Flugbilder, verwegene Eigenbauten schraubten sich steil in den Himmel - es ging richtig rund in der Luft über dem Fluggelände.
Und auch auf dem Boden konnten die aufgereihten Flugmodelle bewundert und bestaunt werden. "Etwa siebzig Modellflug-Piloten aus ganz Deutschland sind mit mehr als hundert unterschiedlichen Modellen wieder zu uns gekommen und gönnen sich und den vielen Besuchern ein abwechslungsreiches Flug-Wochenende!", sagte Sigurd Wiesinger, Vorsitzender des MFG "Condor". Modellfliegen macht sehr viel Spaß, fasziniere Jung und Alt und kann ganz schön ins Geld gehen, meint Wiesinger. So gebe es Modelle ab hundert Euro aufwärts. Man könne aber auch 25 000 Euro dafür hinblättern.
"Viele Modelle sind gnadenlos übermotorisiert, so dass damit ganz andere und verwegenere Flugmanöver als mit den originalen Vorbildern geflogen werden können!"
Und so flogen, surrten oder glitten die unterschiedlichsten Fluggeräte durch die Luft, warfen den Kindern Bonbons ab und zeigten, was sich in der Luft so alles tummeln kann.