Sie erinnert sich gerne an den ersten Märchenkongress. "Die Stadt war besucht wie bei einem Stadtfest", erzählt Else Prause. Im Jahr 2008 war das, als die Europäische Märchengesellschaft in der Kurstadt tagte. Ein Märchen-Parcours führte damals durch die Stadt und noch heute sind Hänsel und Gretel, Max und Moritz oder der Froschkönig in den alten Gassen zu finden. Mehr als 30 Figuren waren es mal, weiß Prause zu berichten.
Um jede einzelne, die mit der Zeit verschwindet oder unansehnlich wird, tut er ihr leid.


Griff zu Pinsel und Farben

Deshalb hat die betagte Dame nun selbst zu Pinsel und Farbe gegriffen und ein paar der mär chenhaften Figuren wieder aufpoliert. "Der Nachtwächter stammt zwar nicht aus einem Märchen", sagt sie und zeigt den wuchtigen Mann, "aber er ist fest mit der Stadtgeschichte von Bad Brückenau verbunden." Lange hing der Nachtwächter am Haus Förg am Marktplatz. Nun bekommt er einen neuen Platz - und zwar am Sinntor in unmittelbarer Nachbarschaft des Hexenhäuschens.
Auch dort war Prause aktiv. Hänsel und Gretel haben einen frischen Anstrich bekommen, in der Werkstatt selbst warten Rapunzel und Hans im Glück noch auf ihren großen Auftritt. Und wenn Prause dort sitzt und malt, dann denkt sie zurück, wie Stadt und Forum, Geschäftsleute und viele Helfer damals alle an einem Strang gezogen haben. Zum Abschluss des Kongresses im Jahr 2008 zog sogar ein Umzug mit lebendig gewordenen Märchenfiguren durch die Innenstadt. "Auf dem Marktplatz wurden Goldtaler und Rosinenbrötchen verteilt", erzählt Prause. Und dann wird ihre Stimme traurig.


Organisatorin ist guter Dinge

Denn noch einmal kam der Mär chenkongress in die Stadt, das war im Jahr 2013. Die Tagung sei wohl wieder ein Erfolg gewesen, sagt Prause. "Aber wo war die Anteilnahme der Bevölkerung?" Annette Martin, die ehrenamtlich im Präsidium der Europäischen Märchengesellschaft mitarbeitet, hatte beide Male den Kongress in die Kurstadt geholt. Es stimmt, sagt sie, dass das Angebot 2013 mit dem im Jahr 2008 nicht vergleichbar gewesen sei. "Die Leute haben mir gesagt: Die Stadt verliert ein bisschen." Nicht bei der Gastfreundschaft, schränkt Martin sofort ein. Aber den Besuchern sei der Leerstand in der Innenstadt ins Auge gesprungen.
Dennoch ist Annette Martin optimistisch. "Die Leute aus der Märchengesellschaft würden wiederkommen", schätzt sie die Lage ein. Und noch eine gute Nachricht gibt es. Martin könne sich vorstellen, die Organisation noch einmal zu stemmen, allerdings nicht gleich morgen. Das kommt auch gar nicht in Frage, denn für die nächsten beiden Jahre sind die Tagungsorte, so berichtet Martin, bereits so gut wie in trockenen Tüchern.