Seit über zwei Jahren gibt es den von Elisabeth Müller und Anita Schmitt gegründeten Stammtisch für Neubürger. Monat für Monat trifft man sich in wechselnder Zusammensetzung zur Betriebsbesichtigung in Bad Kissinger Firmen und Institutionen oder lässt sich an angenehmen Ort über allgemein Interessantes in und über die Kurstadt informieren.
Jüngst berichtete Paul Ziegler, der Redaktionsleiter der Saale-Zeitung, über die Medienlandschaft in Stadt und Landkreis. Zwei Tageszeitungen und zwei Anzeigenblätter erscheinen im Landkreis, erfuhren die etwa 40 Zuhörer, überwiegend Senioren wie Maria Gall aus Stuttgart und Wilfried Hesse aus Darmstadt. Beide sind seit 2014 fast regelmäßig dabei. "Ich bin Gründungsmitglied", scherzte deshalb Hesse, der zwar schon seit 2003 zwischen Bad Kissingen und Berlin pendelt, sich jetzt aber erst jetzt endgültig für die Kurstadt entschieden hat.


"Eine schöne Idee"

Auch Maria Gall kommt von Beginn an zu den Stammtischen: "Schöne Idee, schöne Exkursionen." Beider Interesse an ihrer neuen Heimatstadt ist auch nach mehr als zwei Stammtisch-Jahren ungebrochen. Auch diesmal lauschten sie Paul Zieglers Vortrag aufmerksam. Die Saale-Zeitung sei mit einer Druckauflage von 13 000 Exemplaren und einer Reichweite von fast 40 000 Lesern die führende Tageszeitung im Landkreis, erfuhren sie. Mit der Main-Post, die eine Druckauflage von 6 500 Exemplaren hat, arbeite die Saale-Zeitung redaktionell zusammen. Zusätzlich zu beiden Tageszeitungen würden zwei kostenlose Anzeigenblätter - der Bad Kissinger Anzeiger (Saale-Zeitung) und der Markt (Main-Post) - in gleicher Auflage von etwa 46 000 Exemplaren direkt an die Haushalte im Landkreis verteilt. Auch auf die elektronischen Angebote beider Verlage sowie deren Auftritte in sozialen Netzwerken wie Facebook wies Ziegler hin.


Vorschläge und Fragen

In der Diskussion gab es interessante Anregungen, aber auch Kritik. So wurde vorgeschlagen, regelmäßig Routenvorschläge für Radwanderer zu veröffentlichen. Man könne als Tageszeitung leider nicht jedes Interessengebiet abdecken, gab der Redaktionsleiter zu bedenken, empfahl dem Fragesteller aber prompt eine seiner eigenen Lieblingsrouten. Kritik wurde am Zustellwesen der Anzeigenblätter geübt. "Mal kommt's, mal nicht", war da zu hören. Grund seien wechselnde oder fehlende Zusteller, wie eine Neubürgerin bemerkte. "Das gilt im Wesentlichen für die Anzeigenblätter, die durch eine von uns beauftragte Fremdfirma verteilt werden", machte Ziegler deutlich. Bei der Zustellung der Tageszeitung funktioniere das besser, wenn auch nicht immer problemlos, räumte er ein.


Lügenpresse?

Wie zu erwarten, fiel auch in dieser Gesprächsrunde das Wort "Lügenpresse". Als Redaktionsleiter und langjähriger Journalist machte Ziegler den Unterschied einer regionalen Tageszeitung zu manchem Sensationsblatt deutlich. "Viele Leser kennen unsere Redakteure privat und wissen sie einzuschätzen." In der Lokalzeitung werde nur veröffentlicht, was auch sorgfältig recherchiert sei. "Wir kehren nichts unter den Tisch." Diese Arbeitsweise gelte sowohl für Redaktionsmitglieder ebenso wie für freie Mitarbeiter, versicherte Ziegler. Den Unterschied zwischen beiden Mitarbeitergruppen erklärte er damit, dass es sich bei freien Mitarbeitern keineswegs ausschließlich um Rentner handele, wie eine Fragestellerin vermutete, sondern um Journalisten jedes Alters, die allerdings nicht bei der Zeitung fest angestellt, sondern auf Honorarbasis tätig sind.


Fazit der Teilnehmer

"Wieder ein interessanter Abend, so kann es mit dem Neubürger-Stammtisch weitergehen", war Maria Gall mit dem Verlauf des Abends sichtlich zufrieden, auch Wilfried Hesse fand den Vortrag interessant. Ihm gefällt am Neubürger-Stammtisch aber noch etwas anderes: "Man lernt nette Menschen kennen."
Gastgeberin Anita Schmitt wies ihre Gäste abschließend auf das bevorstehende Rakoczy-Fest mit seinem Festumzug am Sonntag (31. Juli) hin und lud zugleich zum nächsten Stammtisch am Donnerstag, 18. August, um 19 Uhr ins Restaurant "Wittelsbacher Turm" ein. Dann wird Oliver Key aus der Arbeit des Eine-Welt-Vereins in Bad Kissingen berichten, ebenso wie über den Fair-Trade-Handel im Allgemeinen.