Der evangelische Diakon Maik Richter (35) wurde am vergangenen Sonntag im Rahmen eines Festgottesdienstes in der Bad Kissinger Erlöserkirche von Dekan Oliver Bruckmann in sein neues Amt in Bad Kissingen eingeführt. Nachdem der seelsorgerische Außendienst der Erlösergemeinde in den 18 Monaten der Pandemie zwangsläufig fast zum Erliegen gekommen ist, will Richter in seinem Aufgabenbereich "künftig wieder mehr Präsenz zeigen".

"Eigentlich hatte ich vier Vorgänger im Amt", erinnert Maik Richter an zurückliegende Zeiten. Denn bislang waren die Aufgaben der evangelischen Seelsorger räumlich auf die drei Kirchengebiete Bad Kissingen, Bad Bocklet und Oerlenbach mit jeweiligem Umland aufgeteilt. Nach der kürzlich vorgenommenen Umstrukturierung ist künftig ein Seelsorger für ein bestimmtes Aufgabenprofil im gesamten Gemeindegebiet verantwortlich. Der neue Diakon ist für die Gäste- und Altenheimseelsorge sowie die allgemeine Seniorenarbeit zuständig.

Das Leben kennengelernt

Obwohl Richter mit seinen erst 35 Jahren für seine Gesprächspartner in der Altenheim- und Seniorenarbeit zweifellos ein junger Mann ist, hat er keine Sorge, von den Senioren nicht akzeptiert zu werden. "Ich kann mich in das Leben alter Menschen hineinversetzen, auch wenn ich vieles nicht selbst erlebt habe." Seine Sicherheit beruht auf eigenem Werdegang, der ihn erst auf weitem Umweg zur Seelsorge brachte: "Ich habe das Leben kennengelernt."

Den Metzger-Beruf erlernt

Nach seinem qualifizierendem Hauptschulabschluss in Bad Sulza (Weimarer Land) im Jahr 2003 besuchte der Sohn eines Zimmermanns zunächst ein Jahr lang die Berufsbildende Schule in Apolda mit dem Vorsatz, Elektro-Installateur zu werden. Als er spürte, dass dieser Beruf nicht das Richtige für ihn sein würde, seine Eltern aber auf die Ausbildung in einem "soliden Handwerk" bestanden, Richter allerdings kein "Holzwurm" wie sein Vater war, erlernte er bis Sommer 2007 den Metzger-Beruf in der Weimarer Wurstwaren GmbH (Nohra). "Ich bin dankbar für diese Ausbildung, obwohl oder gerade weil die Fließbandarbeit im großen Schlachthof kein Zuckerschlecken war."

Erst im anschließenden Zivildienst in einer Werkstatt für behinderte Menschen in der Diakonie Neuendettelsau (Landkreis Ansbach) fand Richter den Zugang zur Seelsorge. "Mir gefiel es, mit Menschen zu arbeiten." Auch ein befreundeter Diakon meinte zu ihm: "Du bist mehr Diakon als Metzger." So durchlief Richter über den Weg zum staatlich anerkannten Erzieher, womit er die Hochschulreife erlangte, und anschließendem Bachelor-Studium der Diakonik im Studienzentrum Rummelsberg (Nürnberger Land) und an der Evangelischen Hochschule Nürnberg seine Ausbildung zum Diakon. Richter betont: "Mir gefällt diese Arbeit, weil es eine dankerfüllte Aufgabe ist."

Erst Hof, dann München

Seine erste Anstellung als Diakon bekam er 2014 in der Kirchengemeinde Hof (Oberfranken), wo er auch als Jugendreferent des Dekanats eingesetzt war. Im Januar 2019 wechselte der Diakon mit jeweils hälftiger Anstellung in die Münchner Kirchengemeinden Milbertshofen und Harthof.

Nach zweieinhalb Jahren in München war Maik Richter "offen für alles". Obwohl er die Region nördlich von Schweinfurt nicht kannte und "Bad Kissingen überhaupt nicht auf dem Schirm" hatte, trat er am 1. Juli seinen Dienst in der Erlösergemeinde an. Trotz intensiver zwei Wochen der Einarbeitung konnte er schon die Schönheit der Kurstadt kennenlernen. "Ich darf arbeiten, wo andere Urlaub machen." Hier sei doch alles viel ruhiger als in München. Besonders gefällt ihm "die schöne, gepflegte Umgebung: Ein Fest für die Augen."

Notwendigkeit, manches neu aufzubauen

Aufgrund der neuen Aufgabenstruktur in der Kirchengemeinde und nicht zuletzt wegen des 18-monatigen Stillstands durch die Pandemie sieht Richter die Notwendigkeit, in seinem breiten Aufgabengebiet manches neu aufzubauen. Die geselligen Treffs in der Seniorenarbeit haben nicht mehr stattfinden können. "Auch die Gästeseelsorge muss wieder intensiviert werden", zumal die speziell dafür vorgesehenen Stunden der Landeskirche nachgewiesen werden müssen, um die gesonderten Finanzmittel zu bekommen.

Ein fertiges Konzept für seine künftige Arbeit hat Richter noch nicht. "Ich will mir Zeit nehmen, um zu beobachten und zu lernen. Erst dann kann ich besondere oder neue Akzente setzen." Positiv sieht der neue Diakon die Zusammenarbeit mit seinen katholischen Kollegen: "Ich spüre die große Bereitschaft zur Ökumene", was sich allein schon im gemeinsamen Internet-Auftritt für die Gästeseelsorge zeigt.