Laura Bickel ist von den vielen Eindrücken geradezu überwältigt. "Ich bin erfüllt von phantastischen, aber auch ernüchternden Eindrücken und einmaligen Erfahrungen", berichtet die 18-Jährige.

Ihre erste Station in Indien war das Waisenhaus der "Holy Cross Sisters" in Delhi. Dort kümmerte sie sich um die Kinder, aber auch einige Ausflüge zu Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt standen auf dem Programm. Zu Beginn hat sie der Anblick des Chaos auf den Straßen mit all den streunenden Tieren, skurrilen Transportmitteln und Menschenmassen überfordert. "Der nie enden wollende Lärm und die Gratwanderung von Geruchsexplosionen zwischen abscheulich und angenehm haben mich schockiert", gesteht die Abiturientin.

Schließlich gab sie aber auf, die Gegensätze Indiens verstehen zu wollen. "Nun gebe ich mich einfach ohne Erwartung dem Tag hin. Typisch indisch", schreibt sie.
Ihre zweite Station war Hazaribagh, mit 150 000 Einwohnern für indische Verhältnisse eher eine Kleinstadt. Auch hier pulsiert ohne Pause das Leben. Hazaribagh ist die Stadt der Gärten, die Blumen entfalten einen großen Reichtum an Farbe und Duft. "Aber auch hier sind der Gestank und die bittere Armut des Nordens in Bildung und Besitz präsent", hat die junge Frau festgestellt.

Großer Eifer und Wille der Schüler

In der St. Robert's School der "Holy Cross Sisters" unterrichtete Laura Bickel verschiedene Klassen der Unterstufe in Englisch. Die Stunden durfte sie nach ihren Vorstellungen gestalten. So bot sie den Kindern etwas Abwechslung zu ihrem üblichen Unterrichtsstoff und sang, malte und spielte mit ihnen.

"Besonders aufgefallen ist mir der Eifer und der Wille der Schüler zu lernen. Schon die Kleinsten erzählten mir von ihrem Ziel und Wunsch, an einer Universität Europas studieren zu dürfen", berichtet die 18-Jährige. Stolz standen die Kinder auch in ihrer Schuluniform in Reih und Glied beim morgendlichen "Appell".

Die Deutsche fällt in Indien auf. Auf der Straße zieht sie Blicke auf sich, in der Schule wird sie nach einem Autogramm gefragt, an den Verkaufsständen werden überteuerte Preise verlangt. "Indien zeigt mir täglich meine europäische Abstammung und begrüßt mich mit großem Interesse und Neugier", schreibt Laura Bickel. Daher fällt es ihr sehr leicht, sich in die verschiedenen Konvente der "Holy Cross Sisters" zu integrieren und in die Schwestergemeinschaft einzuleben.

Seit knapp zwei Wochen arbeitet sie mit den vier Schwestern der St. Michael's School zusammen. Das ist eine Einrichtung für 150 gehörlose und stumme Kinder, die in Fächern wie Englisch, Hindi, Mathe, Sozial und Naturwissenschaften unterrichtet werden. Zusammen mit den 75 Hostelkindern und einigen Schwestern wohnt Laura in sehr einfachen Verhältnissen. Beim Waschen, Kochen und Putzen lernt sie Alltag und Lebensweise kennen.

Gebärdensprache lernen

"Es ist sehr beeindruckend, mit welch einer Hingabe und Liebe sich die Schwestern geduldig ihren Schützlingen widmen und mich als Neuling in die stille Gemeinschaft integrieren", schildert die junge Frau. Doch trotz der lautlosen Kommunikation ist an Ruhe nicht zu denken. Neben Spielen, Malen und Handarbeit lehren die Kinder Laura neugierig und aufgeweckt die Gebärdensprache. "Und es klappt wunderbar", freut sich die Abiturientin.

Nach der Gehörlosenschule wird sie für zwei Wochen in einem Hospital für Aids-Kranke in Hazaribagh arbeiten. Im Dezember kehrt sie zurück ins Waisenhaus der Schwestern in Delhi. Laura Bickel möchte so viele Projekte der "Holy Cross Sisters" wie möglich kennen lernen. "Bei den vielfältigen Einrichtungen der Schwestern in ganz Indien bin ich mir sicher, dass ich oft meinen Rucksack packen darf", freut sie sich auf die neuen Herausforderungen.

Laura Bickel berichtet über ihre Erlebnisse in Indien fortlaufend auch in einem Blog im Internet. Unter www.vivaindia.blogspot.de sind zahlreiche Texte und Bilder von ihr zu finden.