Seit Dezember sucht der Trägerverein St. Johannis in Garitz einen neuen Vorstand. Bereits zwei Mal sind Neuwahlen gescheitert. Bisher hat sich niemand gefunden, der bereit wäre, ehrenamtlich den Verein und damit die geschäftsführende Verantwortung über die beiden Kindergärten St. Elisabeth und Am See zu übernehmen. Wie geht es weiter? "Fragen Sie mich etwas leichteres", antwortet der bisherige Vorsitzende Horst Schneider.


Ganz so ratlos, ist er aber nicht. Im Gegenteil: Im St. Johannisverein ist ein Entschluss gereift. "Wir wollen einen Geschäftsführer einsetzen", sagt Schneider. Eine Person, die die Aufgaben des Trägervereins hauptberuflich erledigt. "Sonst findet man niemand. Die Arbeit ist ehrenamtlich einfach zu viel." Schneider weiß, wovon er redet. Der 70-Jährige war mehr als die Hälfte seines Lebens als Vorstandsmitglied tätig. Zuletzt hat er in beiden Kindergärten die Verantwortung getragen für 20 Mitarbeiter, mehr als 130 Kinder und ein Budget von rund einer Million Euro. Das entspricht einem kleinen mittelständischen Unternehmen. Jetzt hat er genug.

Schneider beklagt insbesondere den hohen bürokratischen Aufwand, der durch die kindbezogene Förderung nach dem Bayerischen Kinderbildungs- und Betreuungsgesetz entsteht. Jede Kita erhält für die Kinder, die in ihr betreut werden, Fördergelder. Die Gelder werden je nach Buchungsdauer und pädagogischem Bedarf für jedes Kind einzeln berechnet.

Michael Deckert ist der Fachbereichsleiter Kindertageseinrichtungen beim Caritasverband Unterfranken. Er kann die Beschwerden nachvollziehen. "Es ist unbestreitbar, dass die kindbezogene Förderung eine bürokratische Herausforderung darstellt", sagt er. Es sei daher ein zentrales Bemühen der Caritas, dass die Bürokratie gerade im Bereich der kindbezogenen Förderung zurückgefahren und besser durchführbar gemacht werde.

Auf ehrenamtliche Träger setzen

Deckert betont, dass das Trägerwesen in der Diözese Würzburg traditionell gewachsen ist und mit großem Erfolg funktioniert. "Dies ist dem ausgezeichneten ehrenamtlichen Engagement von Menschen zu verdanken", die ihre Heimat "kinder- und familienfreundlich gestalten wollen". Es sei sinnvoll, das ehrenamtliche Trägerwesen beizubehalten. Die Caritas sehe es als wichtige Aufgabe, die Träger zu unterstützen.

Von Träger zu Träger ist der Entlastungsbedarf unterschiedlich. Die Caritas versuche, je nach den örtlichen Verhältnissen Lösungen zu finden. Eine Möglichkeit kann laut Deckert sein, Verwaltungskräfte einzustellen, die den Trägern bei der Arbeit helfen. Ein Patentrezept für alle Kindergärten ist das jedoch nicht. "Was für Garitz gut ist, muss in Reiterswiesen noch lange nicht gut sein", sagt Deckert.

In Garitz wären die meisten Beteiligten mit der Lösung zufrieden. Zwar werden die Monatsbeiträge voraussichtlich um fünf bis zehn Euro steigen, wenn eine Fachkraft eingestellt wird. Das scheint aber kein großes Problem zu sein. "Die Eltern sind eher bereit etwas zu bezahlen, als die Arbeit zu übernehmen", sagt Schneider.


Welche Aufgaben haben ehrenamtliche Kindergartenträger?

Zahlen Die Caritas Unterfranken ist in der Region der größte freie Kindergartenträger. Landkreisweit ist sie in 20 Gemeinden mit Trägervereinen aktiv. In Bad Kissingen besuchen mehr als 500 Kinder zehn katholische Kindergärten.

Aufgaben Die ehrenamtlichen Träger sind unter anderem verantwortlich für die Finanzverwaltung (z.B. Einzug der Elternbeiträge, Beantragung von Zuschüssen), das Personalwesen (z.B. Führen der Urlaubslisten, Stellenausschreibungen und Vorstellungsgespräche), den Bauunterhalt (z.B. Bauaufsicht bei größeren Maßnahmen), die Außenvertreteung (z.B. Verhandlungen mit Kostenträgern, Teilnahme an Konferenzen) und die Bedarfsplanung. Der Caritasverband übernimmt beispielsweise die Gehaltsabrechnung und bietet diverse Fachberatungen an (arbeits- und versicherungsrechtlich, wirtschaftlich, pädagogisch-organisatorisch). Die Leistungen werden aus Kirchensteuermitteln finanziert.