Da ist Streit vorprogrammiert, auch wenn die Sache noch lange nicht spruchreif ist. Entlang der Saale sollen bis 2021 möglichst durchgehende Uferstreifen entstehen, die sich selbst überlassen sein werden. Dort sollen seltene Pflanzen und Tiere eine Heimstatt haben. Das Wasserwirtschaftsamt will dazu auch im Raum Bad Kissingen ein extra Flurbereinigungsverfahren durchführen.


"Damit sehen wir die besten Möglichkeiten, vor Ort Lösungen mit den Beteiligten zu finden, die für alle Seiten akzeptabel sind", sagte Bauoberrat Frank Pilhofer. Mit der geplanten Bewirtschaftung des Uferstreifens sei der Verlust an landwirtschaftlicher Fläche so gering wie möglich gehalten. Diese Flächen sollen von den Bauern extensiv genutzt werden können.

Die Landwirte laufen Sturm und haben 2005 eine Interessengemeinschaft (IG) Saale-Auen gegründet. Sie hat 2200 Protestunterschriften gesammelt. Einer der IG-Sprecher ist Norbert Götz aus Aschach. Nicht nur er befürchtet Auswirkungen bis hin zur Existenzgefährdung.

Dabei hat man eigentlich überhaupt nichts gegen eine verbesserte Ökologie, und die beiden Lösungsvorschläge liegen gar nicht so weit auseinander.

Das Wasserwirtschaftsamt hat rund 450 Hektar Saale-Auen aufgekauft und strebt mit dem Flurbereinigungsverfahren Eigentum direkt an der Saale an. Man will deren ökologischen Zustand verbessern. Dazu würden 15 Meter breite Streifen am Fluss "komplett aus der Nutzung genommen", sagte Pilhofer. Der Gehölzstreifen direkt am Wasser würde nicht mehr gemäht und bliebe sich überlassen. Dort soll "eine eigendynamische Entwicklung in beschränktem Umfang" zugelassen werden.

Allerdings, so Pilhofer, gebe es noch keine konkreten Pläne für Bad Kissingen. Damit ist unklar, wie die Saale in den Parkanlagen gestaltet werden soll und was aus den Dampferle wird.

Hier setzt die Kritik ein. Einige befürchten, dass sich eine Art Dschungel entwickeln wird und es keinen freien Blick mehr gebe auf die Landschaft. Norbert Götz sagte, die Saale befinde sich bereits in einem guten Zustand, "bei uns gibt es keinen Nährstoffeintrag" durch Dünger. Die Bauern unterstützten alles, was der Wasserqualität diene.

Sie befürchteten jedoch durch Schutzstreifen nicht nur negative Auswirkungen auf Kur und Fremdenverkehr, sondern große wirtschaftliche Probleme: Bei einem Flächenverlust von 400 Hektar seien rein rechnerisch zehn Familienbetriebe mit jeweils 80 Milchkühen in der Existenz bedroht. Denn bestes Futter in Ufernähe gehe verloren. Die Landwirte seien aber bereit, Flächen zur Verfügung zu stellen, die für eine Bewirtschaftung nicht interessant sind.

Das will das Wasserwirtschaftsamt: Rechts und links an der Saale sollen 15 Meter breite Streifen entstehen. Sieben bis zehn Meter davon sollen extensiv genutzt werden. Dort könnten auch die bestehenden Wege verlaufen. Für Gehölze und Sträucher wäre dann jeweils fünf bis acht Meter direkt am Fluss Platz.

Das wollen die Landwirte: Rechts und links der Saale wollen sie fünf Meter breite Streifen zur Verfügung stellen für Baumbewuchs zur Uferbefestigung. Dazu kämen zwei vier Meter breite Graswege und jeweils sechs Meter breite Streifen, die extensiv (ohne Dünger) bewirtschaftet würden - quasi als Puffer gegen einen Nährstoffeintrag.