Die Stadt Bad Kissingen sagt zur aktuellen Situation rund um die Eishalle: nichts. "Wir werden derzeit keine Stellungnahme zum Thema Eissporthalle abgeben." So lautet die schriftliche Information aus dem Rathaus. Was nichts daran ändert, dass es durchaus Gesprächsstoff gibt. Nicht nur, weil das Landratsamt den Besitzer unlängst zu Maßnahmen aufgefordert hat, die die Sicherheit der Ammoniak-Anlage betreffen (wir berichteten).

Seit über einem Jahr ist die Eishalle nun geschlossen. Eine scheinbar harmlose Tatsache, die aber Brisanz birgt. Seitdem Andreas Goerke sich als Geschäftsführer der Eissport GmbH verabschiedet hat, scheint es zwischen den Parteien eine Art kommunikatives Vakuum zu geben.

Über 20 Seiten umfasst der der Redaktion vorliegende Kaufvertrag, mit dem im Juli 2017 die Stadt Bad Kissingen die Immobilie samt Zubehör auf einer Fläche von 5500 Quadratmetern an zwei ausländische Investoren veräußerte. Mittlerweile ist der ukrainische Geschäftsmann Alexander Kondrashov der alleinige Besitzer. Geführt werden die Geschäfte über die Bad Kissingen Eissport GmbH.

Beim Punkt "Wiederkaufsrecht" steht im Kaufvertrag unter anderem geschrieben: "Der Erwerber räumt der Stadt Bad Kissingen ein Wiederkaufsrecht an dem heutigen Vertragsbesitz ein. Das Wiederkaufsrecht kann von der Stadt Bad Kissingen ausgeübt werden, wenn der Erwerber die Eissporthalle länger als ein Jahr nicht betreibt. Klargestellt wird, dass sofern der Betrieb der Eissporthalle aufgrund von Umbau- und Instandhaltungsarbeiten beziehungsweise aufgrund von höherer Gewalt ausgesetzt ist, das Wiederkaufsrecht nicht ausgeübt werden kann."

Regelungen bis ins Jahr 2037

Zudem verpflichte sich der Erwerber, den erworbenen Grundbesitz bis zum Ablauf des 31. Dezembers 2037 zu keinen anderen Zwecken als zum Betrieb mindestens einer Eissporthalle samt Gaststätte zu nutzen und zu unterhalten. Durch diese Regelung werden weitere Nutzungen, zum Beispiel der Betrieb eines Hotels beziehungsweise von Läden, nicht ausgeschlossen. Zur "Verteidigung" führt die Kondrashov-Seite ins Feld, dass durch die eigenmächtig ausgeführten Arbeiten in der Halle von Seiten der Kissinger Wölfe ebensolche Umbau- und Instandhaltungsarbeiten nötig seien, die die Schließung rechtfertigen würden. Fachleute müssten zudem prüfen, wer für welche Kosten aufzukommen habe. Das aktuelle Insolvenzverfahren gegen die Kissinger Wölfe (wir berichteten) macht die Situation noch vertrackter.

Schon im Januar diesen Jahres hatte die Stadt Bad Kissingen in einem Schreiben an den Rechtsbeistand von Kondrashov betont, dass man sich Schadensersatzansprüche an den Besitzer wegen nichterbrachter Leistungen offen halte. Dass Kondrashov zumindest im Januar 2020 offensichtlich Pläne hatte, die Immobilie an seine Ehefrau für ein Vielfaches des Kaufpreises zu veräußern, passt ins nebelhafte Bild. Geld wird mit der Eishalle derzeit wohl nur über Anwälte verdient.

Erst in einigen Wochen wird Dirk Vogel (SPD) seine Amtsgeschäfte aufnehmen. Der neue Oberbürgermeister der Stadt Bad Kissingen hatte die Eishalle zu einem seiner Wahlkampf-Themen auserkoren und beantwortet einige Fragen der Saale-Zeitung wie folgt.

Ab wann wird die Eishalle mit Übernahme der Amtsgeschäfte als Kissingens OB auf Ihre Agenda kommen?

Dirk Vogel: Ich habe drei Aufgaben: Die Coronavirus-Erkrankung, das laufende Verwaltungsgeschäft und meine "neuen Akzente". Vom Präsidenten Roosevelt ist das Zitat "First things first" oder "das Wichtigste zuerst" überliefert. Das gilt auch für Bad Kissingen. Wir müssen zunächst einmal die gesundheitlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen der Corona-Krise meistern. Im Moment brauche ich mit keinem Unternehmen oder dem Landkreis zu sprechen und zu fragen, ob sie sich an einer Eishalle beteiligen - zumal die Eishalle auch gar nicht genutzt werden könnte. Jetzt geht es bei vielen Unternehmen um das wirtschaftliche Überleben. Die Haushalte der öffentlichen Hand werden mit sinkenden Einnahmen konfrontiert. Wir müssen in den nächsten Monaten vor allem den wirtschaftlichen Schaden so gut es geht minimieren - damit Bad Kissingen nach der Krise wieder durchstarten kann. Erst dann sind die Voraussetzungen für eine "Bürger-Eishalle" gegeben, die eine gemeinsame Trägerschaft aus Staat, Wirtschaft und Vereinen vorsieht, sofern die rechtliche Voraussetzungen gegeben sind.

Wie ist Ihr Informationsstand bezüglich der Eishalle. Kennen Sie den Kaufvertrag?

Nein, den kenne ich nicht. Eine Einsicht in Verträge erhalte ich selbstverständlich erst nach meinem Amtsantritt im Mai.

Wer sind diesbezüglich künftig Ihre ersten Ansprechpartner?

Das sind neben der Stadtverwaltung die Vereine und Unternehmen der Stadt und der Region. Wie gesagt, wenn wir die Herausforderungen der Coronavirus-Erkrankung (COVID-19) bewältigt haben. Ansonsten ist das Projekt am Ende, bevor es überhaupt richtig begonnen hat.