Gut ein Jahr nach der Grundsatz-Entscheidung steht nun auch der Name fest: Dr. Thomas Keil, neuer Professor am Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU), leitet nun das Institut für Kurortmedizin und Gesundheitsförderung (IKOM) in Bad Kissingen. Das IKOM ist Teil des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), das im Zuge der bayernweiten Behördenverlagerung bis zum Jahr 2021 hundert Stellen in Bad Kissingen schafft.

Dr. Thomas Keil war außerplanmäßiger Professor an der Charité in Berlin. "Ich bin gerne Wissenschaftler und möchte auch das neue Landesinstitut in Bad Kissingen wissenschaftlich ausrichten", sagt er zur neuen Aufgabe, und: "Dabei ist mir wichtig, dass wir mit qualitativ hochwertigen Studien die Wirksamkeit präventiver und gesundheitsfördernder Konzepte sowie therapeutischer Interventionen untersuchen."

"Mit der Besetzung dieser Professur wurde eine Brücke zwischen der Medizinischen Fakultät der JMU und dem LGL geschaffen und die Zusammenarbeit dadurch weiter intensiviert", heißt es in einer Mitteilung des LGL. "Ich freue mich, dass wir für die Brückenprofessur mit Herrn Professor Keil einen ausgewiesenen Experten für Prävention und Gesundheitsförderung gewinnen konnten", kommentiert Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) die Entscheidung. "Bad Kissingen kommt damit dem Ziel, Hochschulstandort zu werden, ein kleines Schrittchen näher", ergänzt der Bad Kissinger SPD-Oberbürgermeister Kay Blankenburg. Das IKOM sei innerhalb der neuen Behörde die eigentliche "Perle", weil es um die Kern-Kompetenz Bad Kissingens gehe.

Parallel zum Aufbau der Organisation geht es auch baulich voran: Ein Teil des Neumann-Flügels, in dem später die Labore untergebracht werden sollen. Neumann-Flügel und Kurhausbad werden aktuell für insgesamt 45 Millionen Euro zum Behördenstandort umgebaut. Die ersten Mitarbeiter der neuen LGL-Außenstelle sind vorerst im ehemaligen Telekom-Gebäude in der Münchner Straße untergebracht. Der Umzug und damit auch die Erweiterung auf die angekündigten 100 Stellen ist für Anfang 2021 geplant.

Die LGL und die Uni Würzburg hatten 2017 einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Dr. Keil werde "die Verbindung von Praxis und Wissenschaft am Kurort Bad Kissingen vorantreiben", ist sich Gesundheitsministerin Huml sicher, und: "Ziel des Instituts ist es, evidenzbasierte und zielgruppenspezifische Konzepte im Bereich Gesundheitsförderung und Prävention zu entwickeln, um die bayerischen Kurorte und Heilbäder bei der Weiterentwicklung ihres medizinischen Angebots zu unterstützen."

Auch LGL-Präsident Dr. Andreas Zapf freut sich: "Mit Professor Keil konnte ein Wissenschaftler mit herausragenden Referenzen und breiter Expertise in der Präventions- und Versorgungsforschung gewonnen werden." Damit würden Prävention und Gesundheitsförderung nicht nur in Forschung und Lehre, sondern auch im Öffentlichen Gesundheitsdienst Bayerns weiter gestärkt. Uni-Präsident Prof. Dr. Alfred Forchel spricht von einer Erweiterung im medizinischen Bereich durch die Kooperation mit dem LGL in Bad Kissingen.

"Durch die neueingerichtete Professur in Kooperation mit dem LGL wird eine wissenschaftliche Plattform zur Entwicklung von Präventionstrategien und deren direkten Transfer in die Praxis geschaffen", kommentiert außerdem Dekan Prof. Dr. Matthias Frosch die Kooperation. Er hofft zudem auf "neue Impulse für die Ausbildung der Medizinstudierenden im immer wichtiger werdenden Bereich Prävention und Gesundheitsförderung".

Zu Thomas Keils Schwerpunkten in der Präventionsforschung zählen chronische Krankheiten, insbesondere Asthma und Allergien im Kindes- und Jugendalter, im Rahmen der Versorgungsforschung widmet er sich unter anderem verstärkt psycho-sozial belasteten Eltern von Säuglingen und Kleinkindern sowie Untersuchungen zur Inanspruchnahme von Notfallambulanzen.

Der Mediziner leitete mehrere internationale Forschungsprojekte, unter anderem ist er laut LGL Projektleiter in den EU-Projekten "MeDALL" (Mechanisms of the Development of Allergies) und im "iFAAM" (Integrated Approaches to Food Allergen and Allergy Risk Management). Zudem arbeitet Keil als Gutachter zahlreicher wissenschaftlicher Zeitschriften und gehört der International Epidemiological Association (IEA) an.

Thomas Keil soll laut LGL federführend ambulante Angebote der Gesundheitsförderung und Prävention im ambulanten Sektor ausarbeiten, ein Schwerpunkt seien dabei bayerische Kurorte. Darüber hinaus werde er Konzepte zur Begleitforschung bestehender Förderprogramme entwickeln und Kooperationen mit weiteren Einrichtungen aus den Bereichen Gesundheitsförderung, Prävention und ambulanter Versorgung in Bayern vertiefen und vorantreiben. Als Inhaber einer Professur am Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie wird er laut LGL Prävention und Gesundheitsförderung in Forschung und Lehre vertreten und hierbei eng mit Einrichtungen der Universität und des Universitätsklinikums Würzburg zusammenarbeiten. "Somit wird der Schwerpunkt der klinisch-epidemiologischen und Versorgungsforschung am Standort Würzburg weiter gestärkt unter besonderer Berücksichtigung der Herausforderung der Versorgung chronisch Erkrankter in einer ländlich geprägten Region", heißt es vom LGL.