Seit fast einem Jahr betreibt der Ortsverband der DLRG Bad Kissingen eine Teststrecke vor der KissSalis Therme. An vier Tagen in der Woche bieten die Mitglieder der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft ehrenamtlich eine Möglichkeit, sich auf Covid-19 testen zu lassen. Damit wird einerseits die Verbreitung des Virus verringert und andererseits in Lebensrettung investiert.

Eingepackt in Schutzanzug, Handschuhe, Face-Shield und Maske nimmt Christiane Bruns behutsam einen Nasenabstrich des vor ihr sitzenden Kollegen. Es ist Samstagabend kurz vor 18 Uhr, die Schicht geht gleich los, eine kleine Schlange Wartender hat sich vor dem DLRG-Container bereits gebildet.

Bei Dunkelheit und regnerischem Wetter stehen Christiane und ihre Kollegen freiwillig in der Kälte und nehmen Proben aus vielen Nasen. "Klar könnte ich es mir jetzt auch zu Hause gemütlich machen. Aber es ist doch wichtig, dass es auch am Wochenende Möglichkeiten zum Testen gibt", erklärt sie pragmatisch. Die 47-Jährige arbeitet tagsüber halbtags als Krankenschwester, hat noch einen Nebenjob und einen Haushalt mit zwei Kindern zu versorgen. Trotzdem findet sie fast jede Woche Zeit, um an der Teststrecke ehrenamtlich auszuhelfen.

"Wir sind schon sehr froh, dass so viele Mitglieder bereit sind, in ihrer Freizeit ehrenamtlich zu helfen", sagt Christoph Kleinhenz, der die Teststrecke für den Verein koordiniert, "denn die Nachfrage ist groß." Auf 30 Mitglieder kann er bei seinen Planungen zurückgreifen. Pro Schicht, die drei Stunden dauert, braucht er ungefähr fünf Leute: "Wenn es aber sehr viele Anmeldungen gibt, wie zum Beispiel am letzten Sonntag in den Weihnachtsferien, rücken wir auch schon mal mit der doppelten Mannschaft an. So müssen wir niemanden wegschicken." Neben der täglichen Organisation, wer wann Dienst macht und seinem Vollzeitjob im IT-Bereich sitzt der 34-Jährige zwei- bis dreimal in der Woche in der Teststrecke.

Erste Tests am Drive-In-Schalter

Im Dezember 2020 hat die DLRG nach einem Aufruf des Gesundheitsministeriums angefangen, im Tattersall das Landratsamt bei den Schnelltests zu unterstützen. Weil es danach immer mehr Anfragen gab, hat sich der Verein dazu entschlossen, eine eigene Teststrecke aufzubauen. Die Suche nach einem geeigneten Standort gestaltete sich zunächst schwierig. Bis die Stadtwerke GmbH den Platz vor der KissSalis-Therme ins Spiel brachte. Der Energieversorger und die Therme stellen nun die Infrastruktur und sind froh, durch die Arbeit des Vereins ihren Besuchern eine Testmöglichkeit vor der Haustür bieten zu können. "Dort haben wir erstmal aus einem Einsatzbus heraus die Tests gemacht", erzählt Markus Brandl, 1. Vorsitzender des DLRG-Ortsverbandes, "aber der hat mit der Zeit nicht ausgereicht. So haben wir einen alten Container umgebaut und mit Boden, Licht und Heizung ausgestattet." So entstand die erste digitale Teststrecke in Bad Kissingen mit Drive-In-Schalter und online Anmeldung und Ergebnisübermittlung - das sogar in zwei Sprachen.

"Die Mitglieder, die hier testen, müssen eine Sanitätsausbildung haben. Außerdem wurden sie vorher und werden regelmäßig von Ärzten geschult", erklärt Brandl. Viele der Engagierten arbeiten bereits im medizinischen Bereich, sei es als Krankenschwester wie Christiane Bruns oder im Rettungsdienst. "Und nach einem vollen Arbeitstag finden sie noch Zeit, abends drei Stunden hier zu stehen und zu testen - das ist schon außergewöhnlich. Deswegen können wir stolz auf unsere Mitglieder sein", findet der Vorsitzende.

Natürlich habe die DLRG Einnahmen durch ihren Einsatz an der Teststrecke, so Brandl, "genauso wie alle anderen Anbieter auch." Da die Helfer ehrenamtlich ohne jegliche Aufwandsentschädigung arbeiten, kommen die acht Euro pro Test komplett dem Verein zugute: "Das wird dann direkt wieder investiert, zum Beispiel in die Ausbildung der Mitglieder, in die Jugend oder in Rettungsgeräte. Vielleicht machen wir allenfalls mal ein Helferfest als Dankeschön, aber ansonsten kommt es wieder der Allgemeinheit zugute. Der Nächste, der Lebensretter anfordert, profitiert von unserer Arbeit an der Teststrecke", betont Brandl.

Viele, die sich testen lassen wollen oder müssen, wissen dieses Engagement zu schätzen: "Ein Arbeiter, der dreimal die Woche herkommt, könnte sonst nicht seine Mutter im Altenheim besuchen, weil er erst nach 19 Uhr nach Kissingen zurückkommt. Da haben alle anderen Testmöglichkeiten bereits zu", erzählt Christoph Kleinhenz. "Natürlich gibt es auch Leute, die stänkern oder sich beschweren, weil ihnen der Test zu lange dauert, aber wir haben einfach bestimmte Vorgaben zu erfüllen", sagt Christiane Bruns mit einem Achselzucken. "Doch die große Mehrheit ist freundlich und dankbar - einmal im Sommer haben wir zum Feierabend sogar ein Eis vorbei gebracht bekommen. Das war ein nettes Dankeschön!"

Möglichkeiten, einen Corona-Schnelltest im Landkreis Bad Kissingen durchführen zu lassen, finden sich unter: https://www.landkreis-badkissingen.de/buerger--politik/aktuelle-meldungen/informationen-zum-corona-virus/12102.Corona-Tests.html