Ob einsam oder mit Familie - "in jeder Beziehung gut beraten" wird man bei Problemen in Ehe-, Familien- und Lebensfragen von der Beratungsstelle der Diözese Würzburg in Bad Kissingen. Fast 320 Klienten wurde dort im vergangenen Jahr in 825 Beratungsstunden geholfen. "Wir decken den gesellschaftlichen Bedarf an Paarberatung und -therapie", fasst Diplom-Psychologin und -Theologin Monika Ringleb als Leiterin der Beratungsstelle bei der Vorstellung ihres Jahresberichts das breite Themenspektrum ihrer Arbeit zusammen.

Zu ihrem Team gehören die Religionspädagogen Sylvia Amthor und Konrad Ziegler. Alle drei haben sich durch mehrjährige Weiterbildungen für diese schwierige Aufgabe qualifiziert.

Die häufigsten Gründe, weshalb die Beratungsstelle im Haus der Caritas (Hartmannstraße 2a) nach vorheriger Terminvereinbarung aufgesucht wird, sind Selbstwertprobleme, kritische Lebensereignisse, allgemeine Probleme im familiären oder sozialen Umfeld, vor allem aber Ängste und Depressionen. Ringleb: "Die meisten Probleme gibt es in der Rushhour des Lebens bei den 30- bis 50-Jährigen."

Anders als man hätte vermuten können, hat der Beratungsbedarf während der Monate der Pandemie und Kontaktbeschränkung nicht zugenommen, "aber die Gewichtung hat sich verschoben", sind sich die drei Berater einig. "Das Gefühl der Hilflosigkeit, die leidige Situation nicht selbst ändern zu können, hat vermehrt zu Ängsten um die Gesundheit oder den Arbeitsplatz und dadurch zu depressiven Reaktionen geführt", nennt Ringleb den Grund. Bei Senioren ist es vor allem die Belastung durch die soziale Isolation gewesen.

Auch durch Homeoffice und Homeschooling standen viele Menschen völlig neuen Problemen gegenüber, oder verdeckt schlummernde kamen jetzt erst zum Ausbruch. "Der Grad der Belastung hat zugenommen", hat Sylvia Amthor in ihren Gesprächen erfahren, und Kollege Konrad Ziegler ergänzt: "Die seelische Not ist größer geworden. Corona war ein Brandbeschleuniger." Denn zum Gespräch über ihre Sorgen fehlten den Betroffenen die gewohnten Ansprechpartner wie der Kreis lieber Freundinnen oder die Kumpel im Verein. Man blieb mit seinen Sorgen zwangsläufig allein oder hatte nur den Lebenspartner zum Gedankenaustausch. Doch genau dann kommt es leicht zu Beziehungsproblemen, erläutert Monika Ringleb. Der eine Partner - oft ist es der Mann - zieht sich zum Selbstschutz in sich zurück und schweigt, während der oder die andere sich nicht verstanden fühlt und ständig versucht, Ersteren durch Gespräche zu erreichen, was bei diesem wiederum Verfolgungsängste auslöst. Es kommt zu ersten Auseinandersetzungen, die sich - von beiden ungewollt - "wie eine Spirale" vertiefen und im harten Streit enden. "Genau dann können wir mit unserer emotionsfokussierten Paartherapie helfen", versichert Teamleiterin Ringleb. "75 Prozent aller Paare, die sich zum Gespräch mit uns entschlossen haben, konnten davon profitieren." Bei speziellen Problemen, die sich nicht durch paartherapeutische Gespräche lösen lassen, sondern einer besonderen Therapie bedürfen, werden die Ratsuchenden an Therapeuten und Spezialisten weiterempfohlen.

Nur bei einem Viertel der Fälle bleibt es bei einer Beratungsstunde. Fast die Hälfte aller Ratsuchenden kommen bis zu fünf Mal in die Hartmannstraße, 20 Prozent sogar bis zu zehn Mal. Doch während der Lockdowns und Kontaktbeschränkungen waren persönliche Gespräche unmöglich, weshalb im vergangenen Jahr ein Viertel der Beratungsgespräche über Telefon oder die Video-Telefonie abgewickelt werden musste.

#"Wenn man seine Gesprächspartner schon kannte, klappte es ganz gut", erinnert sich Ziegler an die zurückliegende Zeit. "Bei neuen Kontakten war es allerdings kompliziert. Die Beratung war anstrengender." Denn am Telefon war es schwieriger, "die aktuelle Befindlichkeit des Gesprächspartners zu erfassen". "Es gab dabei auch mehr Störungen von außen", ergänzt Amthor, wenn zum Beispiel während des Gesprächs das Kind ins Zimmer kommt und etwas von der Mutter will." Telefonate waren für die Berater deshalb "oft unbefriedigend", wie Ziegler zugibt. "Man konnte auch weniger methodisch vorgehen." Die Video-Telefonie hatte zumindest noch den Vorteil, dass man seinen Gesprächspartner sehen und dessen Reaktion auf das eben Gesagte erkennen konnte.

Zum Glück für Ringleb, Amthor und Ziegler sind diese schwierigen Monate jetzt vorbei. Seit Mai gilt in der Hartmannstraße wieder der Normalzustand, wenn auch unter Beachtung nötiger Hygiene-Maßnahmen. "Unsere Beratungsstelle ist offen für jeden", betont deshalb Leiterin Ringleb und meint nicht nur die Möglichkeit der Präsenztreffen, sondern auch die Tatsache, dass ihre Beratungsstelle allen Menschen kostenfrei zur Verfügung steht - unabhängig von Konfession, Nationalität, Weltanschauung, Familienstand oder sexueller Orientierung.

Kontakt: Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen, Hartmannstraße 2a, 97688 Bad Kissingen, Telefon Schweinfurt: 09721/70 25 81 (Montag bis Freitag 8 bis 12 Uhr, Montag bis Donnerstag 14 bis 16 Uhr), Email: info@eheberatung-bad-kissingen.de