Mit allen Sinnen und Bewegungen des ganzen Körpers erlebten die Kinder aus sechs Klassen der Sinnberg-Grundschule am Mittwoch in der Bad Kissinger Wandelhalle ein Sonderkonzert der Bad Kissinger Staatsbad Philharmonie unter Leitung von Burghard Toelke. Schon eine Woche zuvor hatten die ersten sechs Klassen der Grundschule dieses speziell für Kinder aufbereitete Konzert hören dürfen, das von Musiklehrerin Michaela Weißenberger und Staatsbad-Posaunist Roman Riedel, beide auch Musikpädagogen an der städtischen Musikschule, gemeinsam organisiert worden war.

Musik mit allen Sinnen erfahren

"Das körperliche Mitmachen ist für diese Altersgruppe wichtig, um Musik mit allen Sinnen erfahren zu können", nannte Michaela Weißenberger als einen Grund für diese ungewöhnliche Veranstaltung in der Wandelhalle. Weißenberger ist im Rahmen des Projekts "WIM - Wir musizieren" an der Sinnberg-Schule tätig, das dort bereits 2009 eingeführt wurde und vom Nordbayerischen Musikbund gefördert wird. "Mit dem heutigen Konzert wollen wir den Kindern einen Zugang zur klassischen Musik ermöglichen", ergänzten Schulleiterin Anja Weigand-Hartmann und ihre Konrektorin Marietta Menz im Pressegespräch. "Nicht jede Familie kann sich ein Konzert leisten." Außerdem könne so das eine oder andere Kind vielleicht motiviert werden, ein Instrument zu erlernen.

Auf dem Programm der Grundschulkinder stand "Die Moldau", die knapp viertelstündige sinfonische Dichtung des tschechischen Komponisten Friedrich Smetana (1824-1884). Nur wenige Takte der bekanntesten Themen wechselten in schnellem Tempo mit der kindgerechten Moderation Roman Riedels. Anfangs noch mit seinem Karpfen Kasimir unter dem Arm leitete er von der Fränkischen Saale über zur Moldau, erzählte kurzweilig deren Verlauf von der Quelle bis zur Mündung: "Das klare Wasser des Bächleins hüpft über die Steine den Berg hinunter und wird zu einem kleinen Bach." Vorbei an den Hügeln und Burgen Tschechiens fließt die Moldau, erzählte der Posaunist den Kindern weiter, vorbei an den Häusern und Kirchen Prags, wo das Werk des damals schon vollständig tauben Komponisten im Jahr 1875 uraufgeführt wurde.

In diesem schnellen Wechsel zwischen Takten und Texten, zwischen denen Riedel in seiner Doppelrolle kaum Zeit blieb, das Mikro wegzulegen und seine Posaune zu ergreifen, wurde den Kindern deutlich, dass nicht nur ein Buch, sondern auch Musik eine spannende Geschichte erzählen kann.

In der Schule hatten sie vorher mit Musikpädagogin Weißenberger eine Choreographie einstudiert, deren Bewegungen zur jeweiligen Notenfolge der leicht plätschernden Quelle, zur Bauernhochzeit mit Polka-Tanz oder mit weit ausholenden Schwimmbewegungen zum breiten Fluss bis zur Mündung in die Elbe passten. Riedel: "Auf dem glitzernden Wasser bewegen sich die Schatten der Wolken und die Schatten der Bäume. Sie tanzen leise auf den Wellen - Nymphenreigen, Wassernixen und Elfen."

Nach dieser halbstündigen kindgerechten Einführung in die Musik Smetanas gehörte es sich, dass die Musiker der Staatsbad Philharmonie als Höhepunkt des Kinderkonzerts "Die Moldau", das wohl bekannteste Werk des Komponisten, in voller Länge durchspielten. Danach stellte Weißenberger die Musiker mit ihrem Instrument persönlich vor. Die Kinder dankten es ihnen mit begeistertem Beifall.

"Wir stehen mit dieser Art Sonderkonzert allen Schulen zur Verfügung", sagte Roman Riedel in seiner noch jungen Funktion als Education-Beauftragter der Staatsbad Philharmonie im Pressegespräch. Deshalb war zusätzlich zur Sinnberg-Schule auch eine Klasse der Henneberg-Grundschule in die Wandelhalle gekommen. Riedel: "Wir müssen uns für die Jugend öffnen." Diese Sparte werde ein neues Standbein der Orchester-Arbeit.