Schon seit zwei Jahren klafft eine große Lücke im Bad Kissinger Gradierbau an der Unteren Saline. Zeitlich unbestimmte Informationen aus dem Staatlichen Bauamt hatten Einwohner und Gäste auf die Wiederherstellung des Wahrzeichens zur diesjährigen Saison hoffen lassen. Doch nach aktueller Information der Fachabteilung steht der Lückenschluss noch in weiter Ferne.

Turnusmäßig findet alljährlich eine amtliche Begehung des Gradierbaus mit Prüfung nach offizieller "Richtlinie für die Überwachung der Verkehrssicherheit von baulichen Anlagen des Bundes" (RÜV) statt. Dabei werden die Bauwerke präventiv auf Schwächen der Stand- und Verkehrssicherheit kontrolliert, wobei Gebäude, Bauteile und Baukonstruktionen nach festgelegten Kriterien und Anhaltspunkten zur Identifizierung möglicher Risiken überprüft werden. Bei der Begehung im Jahr 2019 wurden am Gradierbau derartige Mängel festgestellt, weshalb der mittig gelegene Teil ausgebaut werden musste. "Unter dem Einfluss der Sole verlieren die verzinkten Stahlverbindungen nach und nach an Substanz", teilte das Bauamt auf Nachfrage dieser Redaktion als Grund mit. "Der ausgebaute Bereich dient nun der genauen Einsichtnahme."

Sanierungskonzept wird erarbeitet

Aktuell erarbeitet das Bauamt auf Basis der daraus folgenden Ergebnisse ein Sanierungskonzept für das gesamte Gradierwerk. Dies wird zur Folge haben, dass demnächst sämtliche Stahlverbindungen ausgetauscht werden müssen. Bevor der Gradierbau allerdings vollständig wiederhergestellt werden kann, müssen "im Sinne der Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit mögliche Ausführungsvarianten geprüft und bewertet werden", wie Nina Löhner, Pressesprecherin des staatlichen Bauamts, informiert. Das weitere Vorgehen wird von den noch ausstehenden Ergebnissen einer Machbarkeitsstudie abhängig gemacht. Ein Termin für die Fertigstellung des Bauwerks ist deshalb noch nicht in Sicht.

Umlauf erst bei niedriger Inzidenz geöffnet

Ungeachtet der großen Lücke hat die Staatsbad GmbH als dessen Betreiber das Gradierwerk bereits seit Ostern wieder in Betrieb genommen, bestätigt deren Pressesprecherin Ines Hartmann. Nur nützt dies momentan keinem Spaziergänger und Erholungssuchenden, da der Umlauf wegen der aktuell geltenden Corona-Maßnahmen zwecks Kontaktvermeidung gesperrt ist. Sobald sich der Inzidenzwert allerdings wieder in niedrigem Bereich stabilisiert, wird der Umlauf - nach vorheriger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt - im Einbahnstraßen-System wieder geöffnet, verspricht die Staatsbad GmbH.

Geschichte des Gradierbaus

Im Jahr 1764 wurden unterhalb des Klosters Hausen zwei Gradierwerke zur Salzgewinnung gebaut, die mit ihrer Länge von jeweils 2,2 Kilometern bis zur Unteren Saline reichten. Die Aufhebung des Salzmonopols führte hundert Jahre später im Mai 1867 zum Abriss des größeren, nördlichen Teils. Nur ein Restbauwerk verblieb an der Unteren Saline. Als dann 1968 die Salzgewinnung an der Unteren Saline völlig eingestellt wurde, wurde dieser Rest-Gradierbau ausschließlich als Freiluft-Inhalationsstätte genutzt. In den Jahren 1993/1994 musste auch dieser verbliebene Restbestand wegen Baufälligkeit vollständig abgerissen werden. Während dessen nördlicher Teil noch 1994 durch einen 1,7 Millionen Mark teuren Neubau ersetzt wurde, blieben vom südlichen Teil nur noch die alten Fundamente übrig.