Auch, wenn der Solist sich -zumindest scheinbar - anfänglich ein wenig an die Situation gewöhnen musste. Aber letztlich ist Michael Wollny es gewohnt, alleine auf der Bühne zu sitzen. Und auch, wenn der eine oder andere vielleicht gerade der Mischung Klavier plus Saxophon wegen gekommen war: Vergeblich hatte er sich nicht auf den Weg in den Rossini-Saal gemacht. Umsonst schon, denn die Staatsbad GmbH bot den Besuchern als "Ersatz" für das Versäumte kostenlose Karten für das Philipp-Fankhauser-Konzert oder Jazz after 8 mit Raphael Wressing an.

Doch am Mittwoch schon tröstete Wollnys Spiel über einen eventuellen Verlust hinweg. Eine knapp 40-minütige Improvisation ("Ich nenne sie: ,Bad Kissingen, 3. Januar 2013‘.") war Beginn und zugleich ein musikalisch und pianistisch wechselvoller Hauptteil des Abends.

Vielsprachig war das, was Wollny dem Klavier entlockte. Mal vernahm man Anklänge an Debussy, mal schaute Beethoven um die Ecke, mal erinnerte man sich im wunderbar eindringlichen An- und Abschwellen eines ewig wiederholten Klanggebildes an Arvo Pärt, der freilich in Wirklichkeit nie so schreiben würde.


Unerwartete Farben

Wollny benutzt gerne das, was eine der beiden Hände macht, dazu, einen Themen- und Stimmungswechsel zu vollziehen: Ein Ostinato im Bass, von dem sich langsam eine Melodie der Rechten Hand weg entwickeln, oder Figuren im Diskant, deren Eigenleben die Linke Hand zu inspirieren scheinen.

Und immer wieder brachte, nach einer Phase der Vorbereitung, Kratzen auf den Saiten, Schlagen an den gusseisernen Rahmen, das Anzupfen von Saiten unerwartete Farben ins Spiel. Mal war es ein Klopfen, mal ein cembaloartiger Klang, mal ein Windspiel, das man hörte oder zu hören glaubte.

Doch auch konventionelle Methoden nutzte der Spieler, um überraschende Klänge zu erzeugen: Wie das hölzerne Ticken von Claves tönte das Anschlagen der höchsten Tasten im Sekundabstand. Eine Mischung aus Improvisationskonzert und Musikperformance im ganz dunklen Saal.

Das Publikum applaudierte, nach eigenwilligen Bearbeitungen fremder Titel (Björk, "Joga" und Pulp "This is Hardcore") und der Eigenkomposition "Hexentanz", begeistert. Eine gute Entscheidung also, in den Rossini-Saal gekommen zu sein. Von Publikum und Pianisten.