Mit fast 10 000 Hektar wird ein knappes Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche im Landkreis Bad Kissingen bereits nach biologischen Richtlinien bewirtschaftet. Mit diesem über dem Landesdurchschnitt liegenden Ergebnis haben die 187 Ökobetriebe bereits jetzt das vom bayerischen Landwirtschaftsministerium erst für das Jahr 2030 vorgegebene Ziel von 30 Prozent fast erfüllt. Allein im vergangenen Jahr hatten sich weitere neun Landwirte entschlossen, ihre insgesamt 320 Hektar künftig ökologisch zu bewirtschaften.

Diesen parallel zum allseits wachsenden Umweltbewusstsein spürbaren und zudem vom Freistaat durch sein Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) geförderten Trend zu extensiver Landwirtschaft im Landkreis Bad Kissingen will das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF, Bad Neustadt) jetzt mit einer PR-Kampagne der Bevölkerung bewusst machen und für den Kauf und Verzehr heimischer Produkte werben. Große Tafeln am Feldrand werden in den kommenden Wochen die Spaziergänger auf die dort sichtbaren Blühwiesen oder Ökobetriebe aufmerksam machen.

Zum Nachdenken anregen

Damit sollen die Verbraucher zum Nachdenken gebracht werden, ob sie mit Billigprodukten ausländische Wirtschaftssysteme unterstützen oder lieber mit hochwertigen Produkten aus heimischem Anbau die hiesige Landwirtschaft fördern und zugleich die heimische Natur schützen wollen. "Die extensive Bewirtschaftung von Acker- und Grünland bis hin zur Bio-Zertifizierung als deren höchste Form fördert nicht nur Naturschutz und Artenvielfalt, sondern sichert dem Landwirt höhere Einnahmen und dem Verbraucher gesunde Produkte", stellte Peter Will, AELF-Abteilungsleiter Beratung und Bildung, beim Pressegespräch auf dem Hof von Sebastian und Verena Schneider in Wollbach (Burkardroth) fest.

Schon Senior Karl Schneider war wie viele seiner hiesigen Kollegen immer ein Befürworter extensiver Landwirtschaft gewesen. Seine Acker- und Grünlandflächen - die größte Fläche misst nur zehn Hektar - waren ohnehin nur Futterquelle für die Milchkühe. Eine intensive, also industrielle Landwirtschaft wäre im Landkreis auch kaum möglich. "Um billig produzieren zu können, braucht man möglichst Ackergrößen von hundert Hektar, wie man sie in Ostdeutschland noch findet", nannte Peter Will als Grund. "Landwirte in der Rhön sind also gut beraten, extensiv zu bewirtschaften, da sie mit ihren kleinen Ackerflächen ohnehin nicht zu den niedrigsten Kosten produzieren können."

Mehr Geld durch Bio-Siegel

Nach Übernahme des Betriebs ging Sohn Sebastian einen Schritt weiter und ließ den heute zu zwei Dritteln aus Grünland und zu einem Drittel aus Ackerland bestehenden Betrieb als Bio-Hof zertifizieren. Mit Bio-Milch und Bio-Rindfleisch nutzt er gezielt eine wirtschaftlich lukrativere Nische im hart umkämpften Lebensmittelmarkt, denn nur das Bio-Zertifikat rechtfertigt höhere Verkaufspreise.

Sein Nachbar und Nebenerwerbslandwirt Benno Metz, den man eher als hauptberuflichen Kreisbrandrat kennt, folgte diesem Beispiel und ließ zwei Jahre später seine auf nur 19 Hektar verteilten Grünland- (90 Prozent) und Ackerflächen (10 Prozent) ebenfalls zertifizieren. Auch sein Land nutzt Metz nur als Futterquelle für die Pferdezucht. "Es muss aber nicht immer gleich Bio sein", betonte AELF-Berater Will ausdrücklich. "Jeder Landwirt im Landkreis kann seinen Hof umweltfreundlich bewirtschaften und damit nicht nur etwas Gutes für die Natur, sondern auch für sich selbst tun."

Über 150 Betriebe machen mit

Nach Statistik des Landesamtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten setzen über 150 der 1 100 landwirtschaftlichen Betriebe im Landkreis auf ihren Grünlandflächen keinen Mineraldünger und chemischen Pflanzenschutz ein, mähen später und seltener, schaffen dadurch artenreichere Bestände und bieten Insekten zusätzliche Nahrungsquellen. Jeder dritte Betrieb (367) gibt mit Blühflächen und Wildsaaten den Insekten Nahrung und Lebensraum. Mehr als ein Viertel aller Bauern (346) hat sich freiwillig dem Erhalt von Streuobstbäumen verpflichtet, um Vögeln und Insekten Nahrungsquelle und Nachzuchtmöglichkeit zu bieten. Schließlich sorgt jeder zehnte Landwirt für mehr Kulturvielfalt durch Fruchtfolgen mit mindestens fünf Hauptfruchtarten.

Nachteile werden ausgeglichen

Natürlich sind diese Maßnahmen für die Landwirte mit Nachteilen verbunden. Deshalb werden Mindererträge bei extensiver Bewirtschaftung - Schneiders Milchkühe geben 5 000 Liter pro Jahr und liegen damit weit unter dem Landesdurchschnitt - oder sogar entgangene Erträge nach Anlage von Blühwiesen oder der Qualitätsverlust beim Heu wegen vertraglich bedingter verspäteter Mahd durch staatliche Fördergelder ausgeglichen. Die Höhe dieser Entschädigung wird jeweils von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) festgelegt. Um ein Zuviel des Guten aber zu vermeiden, ist die Größe der Blühfläche bei Betrieben bis 19 Hektar auf bis zu drei Hektar festgelegt, bei größeren Betrieben auf maximal sechs Hektar begrenzt.

"Wir wollen die umweltfreundliche Landwirtschaft in die Mitte der Gesellschaft bringen", formulierte Peter Will vom AELF als Ziel der sommerlichen PR-Kampagne, "und wir wollen den Dialog zwischen Erzeuger und Verbraucher vorantreiben". Die Verbraucher sollen sich bewusst werden, wo und was sie einkaufen. "Mit dem Kauf gesunder Produkte aus heimischem Anbau tun sie nicht nur für sich selbst etwas Gutes, sondern sie schützen zugleich unsere Natur und die Artenvielfalt."