Von südamerikanischen Rhythmen über russische Volksweisen bis hin zum klassischen Sujet. Ein breites Spektrum wurde da geboten, als der Folklorechor Nüdlingen/ Bad Kissingen jetzt sein Sommerkonzert gab. Im Kursaal in Bad Bocklet nahmen die Sängerinnen und Sänger die Zuhörer dabei mit auf eine musikalische Reise um die ganze Welt.
Beeindruckend war, dass der Chor die Lieder in der Originalsprache sang - und das sogar meist auswendig. Gar nicht so leicht, besonders dann, wenn - wie erkennbar - bei allen eine große Textsicherheit festzustellen war. Die Besucher honorierten das. Zwischen den einzelnen Passagen las Waltraut Hassa, die auch in die einzelnen Stücke einführte, immer wieder witzige Gedichte und kurze Geschichten vor, was den Abend auflockerte.

Farbe ins Grau bringen

Den Beginn machte man mit dem "Audite! Silete" (übersetzt "Hört und schweigt") von Michael Praetorius, dem berühmten Komponisten, der mit seiner Musik auf der Schwelle von der Renaissance zum Barock stand. "Die Musik soll Farbe ins Grau des Alltags bringen und Nahrung für die Seele sein", kommentierte das Waltraut Hasse. Und dem war wirklich so. Die Musik lud zum Träumen ein, aber auch zum Mitwippen.
Sehr konzentriert waren die Sänger beim Liederzyklus "Halleluja Israel", der Texte aus der Bibel erhielt und auf hebräisch gesungen wurde. Dabei waren die Kanon-Passagen für das Ohr sehr reizvoll, beeindruckend war aber auch, dass viele Sänger ganz ohne Textblatt auskamen. Mit ihrem vollen Gesang erfüllten sie den Kursaal und bekamen für den Vortrag viel Applaus.
Das Stück "In Tracht", ein fränkisches Volkslied, brachte die Zuhörer zurück in heimische Gefilde. Ganz im Dialekt wurde das Stück gesungen, die leichte und lustige Weise lockerte den Abend auf. Weiter ging es temperamentvoll, südamerikanisch, so kam das "Balai" daher, eine brasilianische Weise, die Lebensfreude pur versprühte. Neben der großen Textsicherheit des Chores fiel dabei auf, wie schnell er musikalisch die Stimmung wechseln konnte, jedes Stück wurde ganz individuell interpretiert, eine nicht einfach zu meisternde Hürde.

Wehmut und Hoffnung

Ein unvergesslicher Klassiker wurde mit dem Lied "Moskauer Nächte" gegeben. Es ist wohl einer der populärsten russischen Estrada-Schlager, der im Jahr 1955 komponiert wurde. Voller Wehmut, aber auch viel Hoffnung drückt das Stück aus und gibt einen tiefen Einblick in die russische Seele. Dabei kam dem Chor zugute, dass sein Dirigent Dmitry Romanetskiy selbst aus Russland stammt und so das Stück sehr genau den Sängern zu vermitteln weiß. Auch dieses Lied wurde natürlich stilecht auf russisch gesungen, was das Ganze sehr authentisch wirken ließ.

Fröhlich und swingend

Mit einem Gospel sang man sich auf den nächsten Kontinent, nach Nordamerika. Dabei durfte neben anderen Liedern natürlich das allbekannte "Nobody knows" nicht fehlen, das sehr getragen und langsam daherkam und mit viel Gefühl gesungen wurde. Beim "Come and go", einer fröhlichen und swingenden Gospel-Weise, brillierte Waltraut Hassa als Solistin, vom Chor andächtig unterstützt.

Sehr lautmalerisch

Lustig war der "Zottelmarsch" nach einem Arrangement von Lorenz Maierhofer, was sich sehr interessant anhörte. Die Singstimmen ahmten dabei die typischen Instrumente einer Blaskapelle nach, was für ein Schmunzln bei den Zuhörern sorgte und den Sängern sichtlich Freude bereitete.
Klassisch wurde es mit dem "Jägerchor" aus der Oper "Der Freischütz" von Carl Maria von Weber. Zu Herzen ging das "Weit weit weg" von Hubert von Goisern und beeindruckend war das russische Lied "Kalinka", bei dem Natalia Romanetskiy mit ihrer klassisch geschulten Stimme im Solopart überzeugte. Die Zuhörer klatschten begeistert mit. Die "Ode an die Freude" läutete das Finale ein. Es fiel auf, wie genau der Chor den Text prononcierte, was zu einem wirklich schönen Gesamteindruck beitrug.

Sehr überzeugend vorgetragen

Das Konzert des Folklorechors konnte auf ganzer Linie überzeugen. Das bewies auch der tosende Applaus und die "Zugabe"-Rufe am Ende der Vorstellung. Eine kleinen Zugabe gewährten die Sänger, und so endete die musikalische Reise um die Welt. Kurzweilig.