Mit einer neuen Masche verunsichern seit mehreren Tagen Betrüger auch Menschen in Bad Kissingen: In Briefkästen liegen gefälschte Haftbefehle, versehen mit der Aufforderung, mehrere Tausend Euro zu zahlen. Wer nicht zahlt, landet im Gefängnis, heißt es in dem Schreiben.

Der Schrieb kommt sehr amtlich daher: "Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main", verfasst ist er im Beamten-Sprech wie "nicht für frist- und formwahrende Schreiben", daneben scheinen Akten- und Geschäftszeichen dem Ganzen einen seriösen Anstrich zu geben.

Eine "Ersatzfreiheitsstrafe" wird dort angekündigt, in einem Fall in Bad Kissingen geht es um eine "offene Geldstrafe" in Höhe von 1860 Euro. Und wenn das Geld nicht gezahlt werde, dann muss sich der Angeschriebene "in der Justizvollzugsanstalt Frankfurt, Obere Kreuzäckerstraße 8 in 60435 Frankfurt a.M. stellen".
Einen solchen Brief erhielt eine Frau aus Bad Kissingen, die sich daraufhin einen Anwalt nahm. Rechtsanwalt Joachim Zehnter aus Bad Kissingen: "Wer mit dem Gericht noch nichts zu tun hatte, der kann durchaus auf den Brief hereinfallen, denn er ist gut gemacht." Zehnter konnte die Dame schnell beruhigen, er erkannte den Betrugsversuch gleich.


Rechtschreibfehler

Joachim Zehnter: "Aus meiner Sicht ist das Schreiben durchaus als Fake erkennbar, wenn man weiß, worauf man achten muss. So ist das Dienstsiegel und die Unterschrift schlecht aufgedruckt. Auch beim Wort Rechtssprechung hapert's - das schreibt man nämlich mit einem S."

Für Stefan Haschke, Leiter der Polizeiinspektion Bad Kissingen, ist dieser Fall der erste in Bad Kissingen. Von der Masche allerdings hat er schon gehört, schließlich haben seine Kollegen in Würzburg vom Präsidium davor bereits gewarnt.

Merkwürdig ist allerdings, dass sich auf den aktuell bundesweit verschickten Schriftstücken keine Kontoverbindung befindet. Das Polizeipräsidium in Unterfranken in einer Pressemittelung: "Die genauen Hintergründe, insbesondere welche Zielen die Täter mit den Briefen verfolgen, sind momentan Gegenstand der polizeilichen Ermittlungen, die unter anderem die Würzburger Polizei führt. Entgegen der Erwartung finden sich in den Schriftstücken keine Überweisungsdaten", heißt es aus dem Präsidium in Würzburg. Im Würzburger Fall führte die angegebene Telefonnummer zu einem Faxgerät.

Das Präsidium: "Obwohl es noch keinen Vermögensschaden gab, warnt die unterfränkische Polizei vor den Schriftstücken. Es ist nicht ausgeschlossen, dass es sich bei der angegebenen Telefonnummer um eine kostenpflichtige Nummer handelt oder die Daten der Angeschriebenen für spätere Straftaten ausgespäht werden sollen."

Sollten Sie auch ein solches Schreiben erhalten, dann rät die Polizei Unterfranken: "Seien Sie misstrauisch und prüfen Sie zuerst die Telefonnummer." In den bislang bekannt gewordenen Fällen handelt es sich nicht um die Telefonnummer der Staatsanwaltschaft. Prüfen Sie das Schreiben auf Fehler in der Rechtschreibung oder Grammatik sowie auf unvollständige Sätze. Amtliche Schreiben weisen meist keine derartigen Fehler auf.

Rufen Sie nicht die im Schreiben angegebene Telefonnummer zurück, sondern recherchieren Sie über das Internet oder die Auskunft die Telefonnummer der anschreibenden Behörde. Und: Nehmen Sie Kontakt zur Polizei auf und zeigen Sie den Vorfall an.