Am vergangenen Dienstag beschloss das bayerische Landeskabinett erste Lockerungen für Gastronomie und Hotellerie. Demnach dürfen Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätze ab 21. Mai, also mit Beginn der Pfingstferien, unter Einhaltung noch zu bestimmender Hygiene-Maßnahmen wieder öffnen, sofern der Inzidenzwert im jeweiligen Landkreis mindestens fünf Tage lang stabil unter 100 bleibt.

Insofern wären die Aussichten für die Hoteliers im Landkreis Bad Kissingen günstig: Binnen weniger Tage sank der Inzidenzwert auf nur noch 114,3 (Stand: 7. Mai). Doch nützt diese kurzfristige Lockerung den heimischen Hotels wirklich, zumal die zu beachtenden Hygiene-Maßnahmen erst in kommender Woche verkündet werden sollen? Gibt es überhaupt Nachfrage für einen Pfingsturlaub in der Region? Wir haben uns bei Tourist-Informationen und Hotels umgehört.

Die beiden Staatsbäder Bad Kissingen und Bad Brückenau sowie die Stadt Hammelburg melden nur eine unbedeutend höhere Nachfrage seit Dienstag. Neben Fragen zu Hotelunterkünften war ein stärkeres Interesse für Ferienwohnungen und Wohnmobilstellplätze erkennbar. Kurzurlaub schon zu Pfingsten spielte kaum eine Rolle. "Die Urlaubswilligen sind bei Buchungen weiterhin sehr zurückhaltend, abwartend und unsicher", teilte auch der regionale Tourismusverband Frankens Saalestück auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Bleibt der Inzidenzwert langfristig stabil unter 100? Welche gastronomischen und touristischen Angebote sind aktuell am Urlaubsort möglich? Welche Hygiene-Vorschriften sind vor Ort zwingend einzuhalten? Muss man sich vor Antritt der Reise und am Urlaubsort testen lassen?

Viele Fragen sind zu klären

"Diese Fragen müssen jetzt geklärt werden, damit es mehr Sicherheit beim Reisen gibt", fordert Verena Dotzel, Leiterin der Hammelburger Tourist-Information.

Hat also die Politik die Rechnung ohne den Wirt gemacht? Denn ohne eine langfristige Perspektive lohnt sich vor allem für größere Hotels eine spontane Wiederöffnung zu Pfingsten schon aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht. Das 500-Zimmer-Hotel Frankenland in Bad Kissingen wird deshalb frühestens am 1. Juli wieder öffnen, das Hotel Sonnenhügel (380 Zimmer) hat sich terminlich überhaupt noch nicht festgelegt. Auch das Parkhotel Cup Vitalis in Bad Kissingen, das seine Kapazität gerade um 60 Prozent auf insgesamt 272 Zimmer erweitert, will frühestens am 29. Juni öffnen. Für alle Großhotels gilt: Eine Öffnung macht betriebswirtschaftlich nur dann Sinn, wenn Gruppenreisen und Tagungen wieder erlaubt sind und auch der Wellnessbereich genutzt werden kann.

"Was nützt es uns, wenn ein paar Zimmer mit Individualgästen belegt sind, wir aber personell den vollen Service vorhalten müssen", fragt auch Jürgen Mönch, Direktor des Hotels Ullrich in Elfershausen. Deshalb sollte sein Hotel eigentlich über Pfingsten geschlossen bleiben. "Jetzt müssen wir wieder neu denken", meint er. "Denn ein geschlossenes Hotel macht auf interessierte Urlauber einen schlechten Eindruck, wenn die Öffnung doch wieder erlaubt ist." Er will sich erst nach Bekanntgabe der Hygiene-Vorschriften verbindlich entscheiden, denn "Gäste-Vormerkungen für Pfingsten haben wir".

Leichter fällt die Entscheidung zur Pfingstöffnung manchem kleineren Privathotel wie der Bad Kissinger Residenz am Rosengarten der Familie Schneider. Aber Chefin Sabine Schneider kritisiert ebenso wie ihre Kollegen: "Wir Hoteliers hängen doch völlig in der Luft - genau so wie unsere Kunden. Was ist im Haus erlaubt, was ist verboten? Welches touristische Angebot wird es zu Pfingsten in der Stadt geben?" Auch ihre Residenz am Rosengarten hat natürlich Vormerkungen für Pfingsten. Alle Kunden will sie in der kommenden Woche mit Email zur Buchung einladen und sie dann zugleich über die aktuellen Corona-Regeln informieren. "Irgendwie muss man es doch probieren", meint sie schulterzuckend, ist sich aber des Risikos bewusst: "Es kann auch nach hinten losgehen, sobald der Inzidenzwert wieder über 100 steigt."

Ihre Kollegen Heinz Stempfle und dessen Sohn Bernd wollen wegen dieser vielen Ungewissheiten ihr Westpark-Hotel "frühestens Mitte Juni" öffnen. "Kein Wellness, kein Beauty, kein Kurorchester", zählt Bernd Stempfle seine Argumente in Stichworten auf. Viele Hotels im Landkreis sehen es ebenso und verzichten deshalb auf die Öffnung schon zu Pfingsten.

"Eine medial wirksame Bekanntmachung des Ministerpräsidenten reicht nicht", kritisiert Heinz Stempfle als Kreisvorsitzender des Dehoga-Branchenverbandes den Kabinettsbeschluss von Dienstag. "Erst muss die Politik ihre Hausaufgaben machen und den Hygiene-Maßnahmenkatalog festlegen, an dem wir Hoteliers uns orientieren sollen und wollen." Denn erst dann können betriebswirtschaftliche und unternehmerische Entscheidungen getroffen werden. Stempfle: "Ein Hotel braucht außerdem mindestens vier Wochen Vorlauf bis zur Wiederöffnung." In manchen Hotels muss sogar neues Personal eingestellt werden, da sich manche altgedienten Mitarbeiter während des mehrmonatigen Lockdowns längst neue Jobs in Kliniken oder anderen Branchen gesucht haben.