Nicht ohne Diskussionen lief die jüngste Sitzung des Marktgemeinderates Burkardroth ab. Viele Themen, darunter die Umgestaltung des Waldfensterer Weihers oder der Breitbandausbau beschäftigten das Gremium. Für eine längere Debatte sorgte insbesondere ein Bauantrag eines privaten Investors aus dem Markt Burkardroth.

Dieser möchte in Burkardroth ein Mehrfamilienwohnhaus mit acht Wohnungen am Kirchberg in der Friedensstraße errichten. In der Präsentation des Bürgermeisters Daniel Wehner (CSU) gab es einige Fotomontagen des geplanten Gebäudes zu sehen. Der Komplex soll neben der sanierten alten Schule entstehen - in der ebenfalls Mietwohnungen sind. Eine Vorberatung des Themas gab es bereits in einer nichtöffentlichen Sitzung des Marktgemeinderats. Nichtsdestotrotz waren sich die Gremiumsmitglieder nicht einig. Dazu trugen unter anderem die exponierte Lage des Grundstücks und die Überschreitungen des Bebauungsplan bei.

"Ich stehe zwischen zwei Stühlen, es ist zwar eins meiner Wahlkampfthemen, Wohnraum zu schaffen. Aber auf der anderen Seite haben wir Bebauungspläne mit Vorgaben", beschrieb Wehner die Problematik. Selbst die Bürgermeister seien sich nicht einig gewesen, was von dem Projekt zu halten sei. "Das geplante Haus erfüllt fast keine Vorgaben des Bebauungsplans." Dachform, -neigung, und -eindeckung sowie die Zahl der Vollgeschosse bedürfen einer Befreiung von den Vorgaben des Plans. Hinzu kommen noch Überschreitungen bei den Wandhöhen. Hangseitig sind es knapp vier Meter, während es in Richtung des Tals etwa ein Meter ist. Wehner fragte daher: "Es ist ein weittragendes Ereignis, das wohl für Diskrepanzen sorgt, weil wir so eventuell einen Präzedenzfall schaffen. Wie seht ihr das?"

Geteilte Meinungen im Gremium

"Es ist zwar ein großes Gebäude, aber es passt ins Ensemble. Wir sollten es machen - das ist ja letztlich auch eine Innenentwicklung, die viel Wohnraum schafft", meinte Marion Zehe. Das sah nicht jedes Gremiumsmitglied so. Kathrin Kupka-Hahn bezeichnete das Vorhaben als "überdimensioniert". Und: "An dem Platz gefällt es mir nicht. Der Blick nach Burkardroth führt vom Lauterer Kreisel direkt auf das Gebäude. Es fügt sich hier nicht ein." Andere Räte wünschten sich deshalb einen Stock weniger. Ariel Karwacki und weitere Räte sahen die Gefahr eines Präzedenzfalls. "Ein paar Zentimeter an Überschreitungen sind nicht das Problem. Aber hier sind das andere Maße. Vorgaben aus dem Bebauungsplan sind dafür da, um sich daran zu halten. Jeder zukünftige Investor zeigt dann auf so einen Präzedenzfall."

Christian Metz hielt dagegen, es handele sich um eine optische Aufwertung. Und: "Es braucht eine gewisse Größe für die Wirtschaftlichkeit. Wenn wir jetzt dort nichts machen, bleibt es lange im Bestand liegen. Die Wohnungen wären eine vernünftige Ergänzung." Das sah Eugen Edelmann ähnlich: "Wir haben dann Platz für acht Familien. Wohnraum ist hier knapp. Die Wohnungen gehen weg wie warme Semmeln."

Wehner verwies auf einen Einwand von Gemeinderat Florian Eickhoff. Dieser hatte angemerkt, dass das Gremium leichter einen Entschluss hätte fassen können, wenn das Grundstück nicht in einem Bebauungsplan liegen würde. "So stellt sich uns aber die Frage, wie wir in Zukunft über solche Vorhaben diskutieren: Was darf der nächste?" Marion Zehe brachte die Idee an, solche Ausnahmen nur zu genehmigen, wenn der Neubau sich ins Ensemble einfügt. Einen endgültigen Beschluss, wie zukünftig damit umzugehen ist, fassten die Räte in dieser Sitzung nicht.

Aufgrund der Stimmungslage im Plenum verlas Wehner zunächst den Beschlussvorschlag, nach dem der den Neubau nicht genehmigt wird. Den Vorschlag lehnte das Gremium allerdings mehrheitlich ab. Der Bürgermeister trug daraufhin den Beschlussvorschlag vor, der das Bauprojekt erlaubte. Dem stimmten elf Räte zu, zehn lehnten es ab. Gegen das Vorhaben stimmten unter anderem Wehner, 2. Bürgermeisterin Silvia Metz, Ariel Karwacki, Kathrin Kupka-Hahn, Michael Frank, Tony May und Bernd Müller. Gemeinderat Johannes Schlereth (zufällige Namensgleichheit mit dem Autor) entschied sich wegen der erheblichen Überschreitungen ebenfalls gegen das Vorhaben, auch wenn Wohnraum per se zu begrüßen sei. Zudem gab es auf Anregung von Schlereth die Auflage, dass der Friedhofsparkplatz nicht für die künftigen Bewohner genutzt werden darf.

Teichumbau kommt

Auf der Tagesordnung fand sich auch der Umbau des Waldfensterer Fischteichs zu einer öffentlichen Grünanlage. Seinen Ursprung hat das Projekt im Jahr 2016. Seitdem gab es verschiedenste Verzögerungen. Darunter beispielsweise die angespannte Baukonjunktur und den Tod des Planers. Schlereth verwies darauf, dass unter den Waldfensterern deshalb bereits Unmut herrsche. Landschaftsarchitektin Susanne Siebenlist stellte das Projekt wegen des Personalwechsels im Gemeinderat dem Gremium vor.

Geplant ist, den Teich mit Sitzgelegenheiten und einem Steg naturnah umzugestalten. Für das Wasser im Weiher sollen verschiedene Quellen vor Ort sorgen. Diese sollen auch eine Art Kneippbecken befüllen. Siebenlist verwies darauf, dass die Wasserqualität jedoch nicht ideal sei.

Das brachte bei Schlereth die Frage auf, ob die Kommune mit der Bezeichnung als Kneippbecken nicht eine gewisse Wasserqualität suggeriere, die der Markt Burkardroth einhalten müsse. Diese Frage wurde im Gremium nicht abschließend geklärt. Die Landschaftsarchitektin äußerte sich: "Lassen wir es doch erstmal dabei, wenn das Gesundheitsamt Einwände hat, passen wir es entsprechend an."

Unklar sind bislang die Kosten, die auf die Kommune zukommen. Denn durch die Fischhaltung ist der Grund des Gewässers stark mit Nährstoffen angereichert. Nach einer Beprobung im Juli diesen Jahres stand fest, dass der Schlamm als Sondermüll gilt. Zuvor war das Vorhaben mit etwa 210 000 Euro veranschlagt. Das Amt für ländliche Entwicklung hätte eine maximale Fördersumme von 154 200 Euro für das Projekt bereitgestellt. Die Kosten lassen sich nun aufgrund der Beschaffenheit des Schlamms wohl nicht mehr halten. Schlereth führte an, dass der Aushub möglicherweise vermischbar sei, es handele sich nicht um Schwermetalle. Somit wäre es möglich diesen auszubringen. Siebenlist bot an, sich über das Entsorgen des Schlamms beim Landratsamt näher zu erkundigen.

Wer mäht den Rasen?

Für Diskussionen sorgte auch die Pflege des Areals. Siebenlist verwies darauf, dass das Areal pflegeleicht angelegt werde. Eine Idee aus dem Gremium war es, Jugendliche gegen Bezahlung beispielsweise den Rasen mähen zu lassen oder auf Ehrenamtliche Pflege zu setzen. "20 Prozent des Flurwassers fließt hier in das Areal", merkte Schlereth an. Das Areal müsse deshalb so angelegt sein, dass ein Starkregenereignis keinen großen Schaden im Ort verursache. Siebenlist will das unter anderem über die Bachgestaltung gewährleisten. Das Gremium bewilligte den Bauantrag einstimmig.

Nun sollen im Herbst die Ausschreibung der Gewerke erfolgen, so dass 2021 mit dem Bau begonnen werden soll. "Es ist vieles liegengeblieben. Wir müssen einfach mal einen Haken an jedes angefangene Projekt machen", sagte Wehner.

Außerdem entschloss sich der Markt Burkardroth den Ausbau von Glasfaserkabeln und Mobilfunk zu forcieren, günstige Förderkonditionen existieren bereits. Im ersten Schritt soll eine Bestandsanalyse entstehen, die aufzeigt wo noch Lücken in den Netzen sind. Einstimmigkeit herrschte auch beim Ausnutzen der Übergangsfrist bei der Umsatzbesteuerung der öffentlichen Hand. Diese will der Gesetzgeber neu regeln. Allerdings sei laut Wehner vieles derzeit noch unklar, klärende Schreiben würden fehlen und die Umstellung würde Probleme für die interkommunale Zusammenarbeit mit sich bringen. Wegen der Komplexizität wolle man sich gegebenenfalls externe Hilfe hinzuziehen. Das Gremium stand auch bei der Resolution des Landkreises Bad Kissingens gegen die geplante Stromtrasse P43 hinter dem Rathauschef. "Wir lassen uns von Tennet nicht einschüchtern. Der Landkreis sagt geschlossen nein zu dem Projekt", betonte Wehner.

Zudem gab Wehner einige Vergaben bekannt. Die Feuerwehr Frauenroth bekommt ein Tragkraftspritzenfahrzeug im Wert von knapp 124 000 Euro. Die Verwaltung der Kommune soll Gelder aus dem Sonderförderprogramm für Schüler-Leihgeräte, beispielsweise Tablets, abrufen. Dabei handelt es sich um 22 000 Euro. In Abstimmung mit den Schulen schafft die Kommune dann die Technik an. Außerdem beginnen in der kommenden Woche Bauarbeiten in Frauenroth, um Gefahrenstellen für Radfahrer zu beseitigen. Das kostet laut Wehner rund 11 000 Euro. Das ortsansässige Busunternehmen soll die Beförderung der Schüler übernehmen.