Den Hahn aufdrehen, duschen, baden oder beim Kochen - im Alltag braucht es Wasser. Das kühle Nass beschäftigt den Markt Burkardroth seit längerem. Insbesondere die Wasserleitungen geben Anlass zu Diskussionen und Kritik von manchem Einwohner. Zu diesem Thema liegen der Redaktion mehrere Leserbriefe vor. Durchschnittlich bis zu 25 Prozent Wasser fließen laut der Verwaltung weg. Um die Verluste zu verringern, schaffte die Kommune ein Gerät zur Leckagensuche an und stellte zusätzliches Personal ein.

Dabei verhandelte die Kommune mit der Rhön-Maintal-Gruppe (RMG). Die beiden Parteien sprachen unter anderem darüber, ob die RMG das gesamte Leitungsnetz des Marktes übernehmen würde. Die Kommune wird bereits zum Großteil von dem Zweckverband versorgt. Lediglich die ortsinternen Netze sind zumeist in kommunaler Hand. Aber: "Nach weiterer Prüfung nahm die RMG jedoch wieder Abstand von der Übernahmebereitschaft, da die Verlustquote beim Markt im Vergleich zum Verbandsgebiet der RMG viel zu hoch ist", heißt es von Heiko Schuhmann, dem Burkardrother Kämmerer.

Löchrige Leitungen und stetige Verluste

Walter Weinig, Geschäftsleiter der RMG, bestätigt das Ansinnen des Marktes: "Es gab eine Anfrage, ob wir gegebenenfalls verschiedene Einrichtungen übernehmen, die Anfrage haben wir abgelehnt." Weinig nennt einen Grund: "Wenn wir im Norden erweitern würden, müssten wir mit einer Betriebsstelle nachrutschen." Laut Schuhmann lasse sich "vor allem" der "löchrige Netzzustand" als Ursache für die abgelehnte Anfrage sehen. Die Verluste seien "schleichend" und nur schwer aufzuspüren. Laut dem Kämmerer würden sich diese erst in der Jahresablesung beziffern lassen. Anders als bei Rohrbrüchen gebe es bei vielen kleinen Leckagen keine Warnmeldung aufgrund der Mehreinspeisung. Diese geht nach der Reparatur des großen Rohrbruchs wieder zurück.

Komplexe Fehlersuche

Der Markt kontrolliere zudem die monatlichen Einspeisewerte. "Bei einer stetig leicht ansteigenden Kurve sind jedoch entsprechend wirksame Handlungsansätze nicht gerade einfach zu bestimmen", betont Schuhmann. Wie hoch die Verluste sind, sei schwierig in absoluten Zahlen auszudrücken. "Dafür bräuchten wir die so genannten Nachtwerte. Das sind Messungen von 2 bis 3 Uhr." Zu diesen Zeiten ist der Wasserverbrauch gering, so dass sich Verlustwerte ermitteln lassen. Diese Werte waren an den Wasser-Übergabestationen der RMG in der Vergangenheit laut Schuhmann jedoch nicht verfügbar.

Was es bislang gibt, sind Prozentsätze. Im Ortsteil Stralsbach liegt der Wert für das Jahr 2019 bei 37,9 Prozent. Wasserverluste sind das jedoch nicht alles. In die Prozentwerte fließen nämlich verschiedene Faktoren mit ein: Darunter beispielsweise das von den Feuerwehren entnommene Wasser zum Üben oder aber das Wasser zur Leitungsspülung.

Außerdem finden sich negative Prozentwerte - zum Beispiel für das Jahr 2018 in Frauenroth. Schuhmann: "Das dürfte eigentlich nicht sein." Es könne bedeuten, dass der Markt mehr Wasser verkauft, als er zugeliefert bekommen hat. Wie es zu diesen Zahlen kommt, kläre die Kommune derzeit mit der RMG. Schuhmann hat dazu eine Vermutung: "Es könnte an den Zählereinrichtungen liegen."

Von den Wasserverlusten erfuhr Silvia Metz (CSU) - damals noch Gemeinderätin, mittlerweile 2. Bürgermeisterin, im vergangenen Sommer. Bernd Müller, ebenfalls Mitglied im Gremium, betonte gegenüber dieser Redaktion, dass die Wasserverluste im vergangenen Jahr im Gemeinderat thematisiert worden seien. Die Mengenangabe hinsichtlich des Wassers, die über die Jahre hinweg fortgeflossen ist, habe das Gremium allerdings nicht erfahren. Florian Eickhoff, ebenfalls Gemeinderat, bestätigt, dass über das Thema gesprochen wurde.

Die Situation ist der Kommune seit mehreren Jahren bekannt. Laut der Verwaltung seien die Gemeinderäte laufend, "unter anderem bei Gebührenberechnungen oder auch im Rahmen der Haushaltsberatungen" informiert worden. Thema waren die Verluste zudem bei den Diskussionen zur "personellen Ausrichtung und Ausstattung der Wasserversorgung". Schuhmann sagt: "In Katzenbach suchen wir schon seit 2015 mehr oder minder erfolglos nach weiteren Schadstellen. Zwischenzeitlich sind dann vor allem auch Waldfenster und Stralsbach seit 2017 beziehungsweise 2018 dazugekommen. "

Um Leckagen aufzuspüren hat der Markt sich mittlerweile ein Suchgerät angeschafft. Entwickelt hat es der Oberleichtersbacher Wasserwart Gerhard Helfrich. Bei dem Gerät handele es sich noch um einen Prototypen, der weiter verbessert werde - so der Erfinder. Einen Preis darf Heiko Schuhmann nicht nennen: "Hier haben wir unter der Vorgabe der Verschwiegenheit einen äußerst niedrigen Markteinführungs- beziehungsweise "Gerätetestpreis" bekommen." 2. Bürgermeisterin Silvia Metz betont: "Wir sind dran."