Leicht gebeugt steht Manuela Möller da. Ihre Wangen sind leicht gerötet, der Blick ist voll konzentriert. Den Taktstock in ihren Händen bewegt sie nur ganz leicht, so als ob er gar nicht dazu gehört. Entsprechend spielen die Musiker sanfte Töne. Doch dann werden die Bewegungen der Dirigentin intensiver, ihr Taktstock wandert auf und ab, hin und her. Die Musik wird dadurch lauter und stärker, bis sie auf einmal ganz plötzlich endet.
"Ein Ton war noch krumm", erklärt die Kapellmeisterin den Abbruch und macht sich auf die Suche nach dem "Übeltäter".
Sie vermutet ihn im tiefen Blech, das heute aus Tuba, Euphonium, Flügelhorn und Posaune besteht. Instrument für Instrument muss die Passage mit dem krummen Ton spielen, wird von Manuela Möller neu eingewiesen. "Ein bisschen mehr Flügelhorn und die Posaunen bitte kurz spielen", erklärt sie, bläst die Backen auf und zeigt, wie sie sich das vorstellt. Ein kurzes Klopfen mit dem Taktstock, dann beginnt das Orchester erneut zu musizieren. Wieder ist die Dirigentin voll konzentriert dabei, so als ob sie jedem Ton, jeder Note nachspürt. Das kommt nicht von Ungefähr.
Manuela Möller ist Musikerin aus Leidenschaft und seit Kurzem die neue musikalische Leiterin der Bläservereinigung Burkardroth. "Seit fünf, sechs Wochen proben wir zusammen", sagt sie. Das Ergebnis kann sich durchaus hören lassen. "Es sind alles sehr gute Musiker", lobt die 26-Jährige das Orchester, das aus rund 45 aktiven Mitgliedern besteht.
Bis September dieses Jahres war Thomas Reuß der musikalische Leiter der Bläservereinigung. Doch dann trennten sich die Wege. Ein neuer Dirigent wurde gesucht. "Ich wollte etwas Neues machen, suchte zudem die Herausforderung, mit einem so großen Orchester zu arbeiten", erklärt Manuela Möller, weshalb sie sich in Burkardroth bewarb.
Seit einem Jahr ist die Wildfleckenerin als freiberufliche Instrumentalpädagogin für Blechblasinstrumente tätig, unterrichtet Jung und Alt, spielt bei den Georgi-Bläsern in Bad Brückenau mit und arbeitet in mehreren Vereinen im Umkreis. Ihre musikalische Laufbahn beginnt sie im Alter von neun Jahren, zunächst mit einem Flügelhorn. Später sattelt sie auf Trompete um, "weil man Flügelhorn nicht studieren kann". 2010 legt Manuela Möller ihre Prüfungen zur Staatlich anerkannten Ensembleleiterin an der Berufsfachschule in Bad Königshofen ab. 2014 beendet sie erfolgreich ihr Trompeten-Studium in Nürnberg. Somit verfügt sie über genügend Rüstzeug für die Bläser in Burkardroth.


Die Chemie stimmt

"Und die Chemie zwischen uns stimmt auch", sagt Uwe Dittrich, der den Verein seit zwei Jahren leitet. Er möchte, dass das Orchester wieder zu einem Team zusammenwächst. Die neue Dirigentin sei ein erster Schritt in die richtige Richtung. Das zeige sich auch an der Motivation seiner Musiker. "Die Proben sind wieder sehr gut besucht. Es wird viel gelacht, trotz des intensiven Arbeitens."
Letzteres ist momentan absolut notwendig. Denn auf die Musiker und ihre neue Dirigentin wartet eine echte Herausforderung: Bereits am Sonntag findet das traditionelle Adventskonzert der Burkardrother Bläser und Sänger in der Pfarrkirche statt. "Dabei wollen wir sie als unsere neue Dirigentin offiziell vorstellen", so Dittrich.


Der Spaß am Hobby zählt

Manuela Möller sieht dem Termin und der damit verbundenen Herausforderung relativ entspannt entgegen. Schließlich weiß sie, was ihre Musiker können. "Außerdem sollen sie Spaß daran haben, zu musizieren. Schließlich ist es ein Hobby", sagt sie. Doch dann wird weiter geprobt, geht es konzentriert zur Sache. Das nächste Weihnachtslied ist dran.
Diesmal unterbricht die Kapellmeisterin die Musiker nicht, lässt bis zum Ende durchspielen. Ihr Gesicht ist entspannt, ein Lächeln huscht darüber. "Ja, das ist gut, sehr gut", sagt sie, als die letzte Note verklungen ist. Auch die Musiker freuen sich. Dann packen sie ihre Instrumente zusammen, denn die Probe ist vorbei. "Schön war's. Danke", sagt die Dirigentin und verabschiedet sich. Ihre Wangen sind noch immer gerötet. Aber diesmal auch ein wenig aus Freude.