Es ist still geworden am Ortseingang. Dort, wo vor einigen Wochen noch Tanzwütige ihre Fahrzeuge parkten, Scheinwerfer strahlten, Bässe wummerten, Gläser klirrten, wuchert nun das Unkraut. Denn die Disco Sonic, wie sie zuletzt hieß, ist geschlossen. Pächter Dieter Augustin ist bereits "ausgezogen", hat die Schlüssel an die Eigentümerin übergeben.

Viele hatten es vorausgesagt, dem Betrieb nur eine kleine Überlebenschance eingeräumt. "Die machen doch eh' bald wieder zu", so der weitverbreitete Tenor. Dass die Disco innerhalb von nur fünf Wochen schließt, hat nicht nur die größten Skeptiker überrascht, sondern auch den Pächter und seine Lebensgefährtin Regina Königshoven.

Die beiden Rheinländer wollten sich mit dem Tanzbetrieb im Zahlbacher Gewerbegebiet "Im Mühlengrund" einen Traum erfüllen, hier in der Rhön gemeinsam alt werden. Die Vorfreude und Motivation waren entsprechend groß. Zunächst sah es auch ganz danach aus, als ob das gelingen könnte. Ende Januar begann Dieter Augustin damit, das Gebäude, das schon einige Jahre leer stand, auf Vordermann zu bringen. Mehrere Handwerker waren dort beschäftigt. Parallel dazu wurde das Bistro im Erdgeschoss komplett umgestaltet. Doch den ursprünglich angepeilten Eröffnungstermin am 1. April musste der Gastronom sausen lassen. "Wir hatten erst mal keine Betriebsgenehmigung und mussten die Eröffnung um zwei Wochen verschieben", erklärt er. Schließlich habe es etliche versteckte technische Mängel gegeben, die zunächst behoben werden mussten. Zudem seien seit 2010 die Anlagen laut Versammlungsstätten-Verordnung nicht mehr geprüft worden. Doch der 56-Jährige und seine Lebensgefährtin ließen sich davon nicht entmutigen, starteten am 15. April in ihre erste Disco-Saison.


Pläne für eine Strandbar

"Die Besucherzahlen am Eröffnungswochenende waren super", sagt Regina Königshoven. Auch das neue Konzept mit Bistro, Tanzabenden und Party-Events für alle Generationen schien anzukommen. Das Paar hatte bereits Pläne für eine Strandbar gemacht, in der man nicht nur die lauen Sommerabende, sondern auch Open-Air-Kino und die Fußballspiele der Europameisterschaften beim Public Viewing hätte genießen können. "Uns war klar, dass der Betrieb nicht sofort läuft, dass es dafür Zeit braucht", fügt die 48-Jährige hinzu. Zeit, die das Paar aber nicht bekam. Stattdessen wurde ihm die fristlose Kündigung ausgesprochen.

Die Pacht sei nicht gezahlt worden, erklärt Hans Müller* (Name von der Redaktion geändert), der Ehemann der Eigentümerin auf Nachfrage dieser Zeitung - mündlich, in einem Telefonat, trotz schriftlicher Anfrage. "Das stimmt, wir haben keine Pacht gezahlt", gibt Dieter Augustin offen zu. Denn es sei abgesprochen gewesen, dass das Ehepaar Müller die Investitionen, die er als Pächter tätigt, mit dem Pachtbetrag verrechnet.


Ungünstige Gesetzeslage

Doch die Besitzer hätten später davon nichts mehr wissen wollen, hätten eine solche Vereinbarung abgestritten. "Wir sind jetzt die Dummen, bleiben auf den Kosten sitzen. Wir waren zu vertrauensselig", sagt der Gastronom dazu. Denn beweisen, dass es eine mündliche Vereinbarung mit dem Ehepaar Müller gegeben hat, kann er nicht.
Und nicht nur das. Auch die Gesetzeslage spricht gegen die Vorgehensweise von Dieter Augustin und Regina Königshoven, haben sie inzwischen herausgefunden. Demnach hätten sie als Pächter dem Eigentümer der Disco eine Frist von vier Wochen einräumen müssen, damit dieser jeden Mangel, jeden Defekt beseitigen kann. Erst wenn diese Zeit ohne Reparaturen verstrichen wäre, hätten sie die Arbeiten selbst beauftragen dürfen. "Aber machen Sie das mal, wenn Ihnen eine halbe Stunde vor der Eröffnung der Strom ausfällt. Da holt doch jeder einen Not-Elektriker", sagt Regina Königshoven. Ob Unkenntnis oder Blauäugigkeit, Dieter Augustin sitzt nun auf einem Schuldenberg, hat sogar Privatinsolvenz angemeldet.


Reißleine gezogen

"Ich musste die Reißleine ziehen, damit nicht noch mehr Leute zu Schaden kommen", sagt er. Wie es für den Gastronomen nun weitergeht, ist offen. "Schließlich bin ich keine 30 mehr. Wer nimmt mich denn noch", fügt er sichtlich frustriert hinzu. Auch seine Lebensgefährtin ist ratlos, zudem maßlos enttäuscht. "Unsere Existenz ist kaputt gemacht. Wir wollten eigentlich heiraten", verrät sie. Doch daraus wird nun erst einmal nichts. Selbst, ob die beiden ihre neue Wohnung in Bad Kissingen halten können, ist fraglich.


Zwei Interessenten

Ganz anders sieht die Zukunft für die Disco in Zahlbach aus. Dort könnte der Betrieb schon bald wieder starten. Denn es gebe bereits zwei Interessenten, die den Betrieb pachten wollen, erklärt Hans Müller* auf Nachfrage.