Wer bauen möchte, der braucht vor allem im Zentrum des Marktes Burkardroth einen langen Atem. Oder einfach nur Glück, wie der Bauherr des Hauses auf dem Foto, dass zufällig ein Grundstück aus privater Hand verkauft wird. Rund 200 unbebaute, aber erschlossene Bauplätze gibt es derzeit in der Großgemeinde, nur 21 davon in gemeindlichem Besitz. Fünf davon befinden sich in Zahlbach. Die restlichen 178 freien Baugrundstücke gehören Privatleuten. Allein 27 davon befinden sich in Burkardroth, jeweils 14 weitere in Wollbach und in Zahlbach. Somit gibt es im Zentrum der Großgemeinde mit 50 bebaubaren und erschlossenen Grundstücken theoretisch ausreichend Bauland, praktisch aber nicht.


Kaum einer will verkaufen

Kaum ein Eigentümer möchte seinen Bauplatz verkaufen. Von den 178 bereits genannten Privatgrundstücken stehen nur 33 zum Verkauf. Einige halten die Flächen für Kinder oder Enkel vor, andere sehen sie als Geldanlage. Parallel dazu wollen junge Familien und Paare bauen, sind deshalb auf der Suche nach einem Grundstück. "Es besteht somit ein großer Druck. Regelmäßig werde ich deswegen angerufen", sagte Bürgermeister Waldemar Bug (ödp) in der jüngsten Gemeinderatssitzung.
In den vergangenen Monaten habe man sich deshalb im Rathaus gekümmert und drei potenzielle Baugebiete im Zentrum der Großgemeinde eruiert. "Allerdings scheiterten sämtliche Verhandlungen daran, dass einzelne Eigentümer ihr Land nicht an uns verkaufen möchten", erklärte Bug. So bestehe das Baugebiet "Brennofen" in Wollbach aktuell aus 39 Grundstücken. Die Fläche sei schon sehr lange Bauerwartungsland und deshalb aus dem Flurbereinigungsverfahren Wollbachs herausgenommen worden.


Alternative Flächen gesucht

Neun dieser 39 Grundstücke gehören dem Markt. 20 Eigentümer wären verkaufsbereit, zwei weitere knüpfen Bedingungen an einen Verkauf. "Acht Grundstücksbesitzer lehnen den Verkauf an uns ab", so Bug. Somit kommt ein Baugebiet dort nicht infrage. Deshalb habe man im Rathaus versucht, als Alternative bebaubare Flächen in Burkardroth zu finden. Laut Flächennutzungsplan könne oberhalb der Straße Weizäcker ein weiteres, kleines Wohngebiet entstehen. Das mögliche Areal besteht derzeit aus 16 Einzelgrundstücken, eines davon gehört dem Markt. Elf Grundstückseigentümer der restlichen 15 wären verkaufsbereit, einer knüpft Bedingungen an einen möglichen Verkauf und drei weitere Besitzer lehnen diesen aber ab. Somit war auch diese Fläche vom Tisch, berichtete der Rathauschef. Schließlich versuchte die Verwaltung an der Straße Strenge Tür, gegenüber vom Pflegeheim Rhönblick, Bauland zu bekommen. Doch von den vier Grundstückseigentümern waren nur zwei verkaufsbereit. "Somit würde uns keines der drei potenziellen Baugebiete zu 100 Prozent gehören", fügte er hinzu. Dies sei jedoch Voraussetzung, dass die Gemeinde ein Baugebiet erschließt. Mit dem 100-prozentigem Eigentum soll verhindert werden, dass einzelne Bauflächen, wie beispielsweise am Burkardrother Kirchberg, nicht bebaut werden.
Als mögliche Alternative für Bauwillige sieht der Bürgermeister den Erwerb eines leerstehenden Anwesens, was über das Förderprogramm "Revitalisierung der Innenorte" der Allianz Kissinger Bogen finanziell unterstützt wird. 36 Vorhaben wurden seit 2015 bereits im gesamten Markt beantragt, elf davon seien bereits abgeschlossen und ausbezahlt.


"Situation ist unbefriedigend"

Wer aber dennoch neu bauen will, muss eventuell nach Stangenroth oder Premich ausweichen. In diesen beiden Ortsteilen werden im kommenden Jahr voraussichtlich die Erschließungsarbeiten für die Erweiterung der bestehenden Baugebiete starten. Im Areal "Obere Dick" Stangenroth entstehen so zwölf neue Bauplätze, im Premicher "Bocksäcker" sogar 17. "Die Situation im Zentrum ist unbefriedigend", sagte Bug und stellte die Frage: "Wie kommen wir an die zahlreichen unbebauten Flächen ran?". Schließlich stecke darin enormes Potenzial. Reihe man sämtliche freien, erschlossenen Bauplätze des Marktes aneinander, so entsteht eine Straße mit einer Länge von zweieinhalb, drei Kilometern.
Ein Problem, dass nicht nur der Markt Burkardroth hat, sondern auch die anderen Allianzkommunen. Das wurde auf der gemeinsamen Gemeinderatssitzung Mitte Dezember deutlich. Deshalb, und wegen der aktuellen Leerstände, sprachen sich die vier Bürgermeister ganz klar dafür aus, keine weiteren Baugebiete in ihren Kommunen neu zu entwickeln. "Es muss die Botschaft hinausgehen, dass der Baulanderwerb nicht mehr so weitergeht", sagte Gotthard Schlereth, das Ortsoberhaupt von Oberthulba. Besonders im Hinblick auf das aktuelle Energiekonzept müsse man auch beachten, dass der Flächenverbrauch einen höheren Energieverbrauch nach sich ziehe.
Zudem appellierte er an die Grundstücksbesitzer, ihre Bauplätze nicht mehr als Geldanlage zu betrachten. Denn die Kommunen erwägen, eine weitere Steuer einzuführen. "Diese Grundsteuer C soll für bebaubare und nicht genutzte Grundstücke erhoben werden", so Schlereth. Entsprechende Anfragen liefen bereits. "Aber die Politik tut sich damit schwer", fügte Schlereth hinzu. Deshalb schlug er vor, auf Allianzebene das Programm für die Innerortssanierung weiterzuentwickeln.

Info Im Markt Burkardroth gibt es aktuell 200 unbebaute, erschlossene Bauplätze. 21 davon sind gemeindliche Grundstücke - acht in Gefäll, fünf in Zahlbach, drei in Stralsbach, zwei in Katzenbach sowie je einen in Oehrberg, Stangenroth und Premich. Parallel dazu stehen 124 Wohngebäude in der Großgemeinde leer. Zusammen bieten diese freien Flächen und Leerstände Wohnraum für rund 1000 Menschen.