Gelernter Bauzeichner und Maurer, Bauleiter und Inhaber eines Planungsbüros. Bayerns Innenstaatssekretär Gerhard Eck (CSU) weiß, wovon er spricht, wenn es ums Bauen geht. Derzeit ist der frühere Bürgermeister auf Baustellentour durch Franken. Einen Stopp legte er in Bad Kissingen ein, es ging um den Radweg entlang der B 286 nach Arnshausen.

Eck, der Abgeordnete Robert Kiesel, Landrat Thomas Bold (alle CSU), Oberbürgermeister Kay Blankenburg
(SPD), Matthias Wacker (Staatliches Bauamt) und Baudirektor Hermann Schober - ein Krisengipfel?
Nein, sagt Eck, eine Information. Die Nachricht: Die Politik will den Geh- und Radweg haben, kann ihn aber nicht so schnell bauen, wie sie das gerne möchte. Denn es sind noch einige Hürden zu nehmen.

Streng geschützte Eidechsen

Die höchste: Da etwa 25 Meter neben der bestehenden Bahnunterführung eine Durchpressung des Bahndamms erfolgen soll, beharrt die Deutsche Bahn AG - "plötzlich", so Eck - auf einem Planfeststellungsverfahren, auch wenn die Politiker das nicht für zwingend erforderlich halten. Das dauere erfahrungsgemäß etwa ein Jahr, so Wacker.

Eck lässt aber keinen Zweifel: "Der Startschuss fällt, wie versprochen, noch 2013." Das wird möglich, da die Planung steht, es bis zur Bahnquerung schon Baurecht gibt und die Stadt die notwendigen Grundstücke erworben hat. Eck nannte die Zusammenarbeit "hervorragend".

Allerdings können die Wegebauer doch noch nicht anrücken. Denn oberhalb eines Supermarkts in der Nähe lebt die streng geschützte Zauneidechse. Für sie sind zunächst Ausgleichsmaßnahmen zu schaffen.

Prähistorisches Bodendenkmal

Außerdem gibt es im Acker ein prähistorisches Bodendenkmal. Bevor die Archäologen in den Semesterferien mit ihren "Sondagen" (Grabungen) - sie dauern ein Vierteljahr - starten können, muss ein Bauunternehmen den Mutterboden abtragen. Zuvor muss noch mit dem Landesamt für Denkmalpflege die Kostenfrage abgeklärt werden.

"Wenn sie dort nichts gefunden haben, können wir anfangen zu bauen", sagt Wacker. Anderenfalls wäre die Stelle zu sichern und der Nachwelt zu erhalten.

Außerdem sind noch einige Bäume zu fällen. Schließlich soll das Projekt ausgeschrieben werden. Die Maßnahme begänne dann in 2014. "Da sind wir guter Dinge", sagt Wacker.

Der Bauabschnitt eins reicht bis kurz vor die Durchpressung. Dann mündet die 2,5 bis drei Meter breite Trasse in einen Feldweg. Dort, auf halber Höhe, wäre zunächst Schluss. Es sei denn, die Bahn hätte ihr Planfeststellungsverfahren beendet. Dann soll, so schnell wie möglich, durchgepresst werden.

Projekt soll unumkehrbar werden

Die Politiker wollen gemeinsam Fakten schaffen, das Projekt, so Blankenburg, soll "unumkehrbar" gemacht werden. Möglicherweise wird gleich Teil zwei - von der Durchpressung bis Arnshausen - angegangen werden. Dafür gibt es zwar derzeit noch kein Baurecht, aber das ist laut Wacker kein Problem. Eck: "Was gebaut ist, ist gebaut."

Blankenburg versprach erneut: "Der Weg wird beleuchtet, das machen die Stadt und die Stadtwerke." Außerdem gebe es dort auch eine Raststätte, lästerte Wacker unter Hinweis auf ein nahes Fast-Food-Restaurant.

Geschichte: Der Geh- und Radweg nach Arnshausen wurde bereits im Eingemeindungsvertrag anno 1972 versprochen. Über Jahre hat sich nichts getan. Seit 2010 gibt es eine Interessengemeinschaft Radweg Arnshausen. Sie machte mit regelmäßigen Demonstrationen Druck. Immerhin steht mittlerweile die Planung, und es gibt bei Politikern verschiedener Parteien den Willen, das Projekt so schnell wie möglich zu verwirklichen; auch um eine Gefahrenstelle, die Bahnunterführung, endlich zu beseitigen. An diesem Engpass haben sich schon viele schwere Unfälle ereignet.

Vorhaben: Das Projekt ist mit 2,1 Millionen Euro veranschlagt, davon entfallen auf die Bahnquerung 900.000 Euro. Geplant ist ein Geh- und Radweg von der Rudolf-Diesel-Straße parallel zur B 286 bis zu den Einzelhandelsgeschäften. Dann soll der Bereich bis zur Bahnstrecke aufgefüllt werden. Die Durchpressung soll etwa 25 Meter rechts der Unterführung erfolgen. Weiter soll es rechts der B 286 in Richtung Arnshausen gehen. Der Abstand zur jetzigen Unterführung ist so groß gewählt worden, um nicht mit einer späteren Trassenführung der B 286 neu zu kollidieren.