Im Jahr 2013 atmeten alle Baumfreunde auf: Der Bauausschuss des Stadtrates beschloss, die meisten Bäume in der Fußgängerzone zu erhalten. Diese Beschlüsse gelten zwar auch nach der gestrigen Sitzung des Gremiums noch, dürften aber in der nächsten Stadtratssitzung gekippt werden, denn: Ein Gutachten, das eigentlich vor allem die so genannte Bauverträglichkeit mit der Sanierung der Fußgängerzone prüfen sollte, kam zu einem ziemlich eindeutigen
Ergebnis: Die Erhaltung der beiden Platanen vor dem Landratsamt, des Götterbaumes am Alten Rathaus und der Linde auf dem Marktplatz käme nicht nur deutlich teurer als eine Ersatzpflanzung, sondern würde die Bäume auch so schädigen, dass der Gutachter keine langfristige Garantie fürs Überleben der Bäume abgibt.


Warten auf Antrag der Fraktionen

"Wir haben die Beschlusslage, alle vier Bäume zu erhalten", stellte Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) in der Sitzung mehrfach klar. Wer daran etwas ändern wolle, müsse einen Antrag für die nächste Sitzung stellen. Bis dahin werde die Verwaltung vorerst nichts unternehmen, sagte Blankenburg im Hinblick auf das ziemlich eindeutige Meinungsbild im Gremium: "Die Erhaltung kommt für die Stadt zwar nicht so teuer wie befürchtet, aber für die Anlieger wäre es deutlich mehr", fasste etwa DBK-Stadtrat Alexander Koller die Beratung zusammen. "Wir können nicht riskieren, dass wir die Fußgängerzone dann in einigen Jahren wieder aufreißen", ergänzte SPD-Stadtrat Bernd Czelustek.


Gutachten umfasst 160 Seiten

Baum-Sachverständiger Jakob Abraham stellte die Ergebnisse des 160-seitigen Gutachtens vor: Fünf Bäume wurden untersucht. Die gute Nachricht: Die Platane auf dem Grundstück des Landratsamtes soll auf alle Fälle erhalten werden, auch wenn Abraham dort in spätestens 15 Jahren Schäden befürchtet.
Für die vier Bäume auf städtischem Grund dagegen senkte der Sachverständige den Daumen. Zum einen wegen der Kosten: Die Erhaltung der Platanen samt Sicherung vor, während und nach den Bauarbeiten koste jeweils mindestens 55 000 Euro, in einem Fall müsste für 10 000 Euro noch eine Gasleitung im Wurzelbereich verlegt werden. Insgesamt würde der Erhalt aller vier Bäume inklusive Nebenkosten rund 320 000 Euro kosten. Ein Verpflanzen oder Versetzen läge sogar bei 780 000 Euro.
Große Schäden an den Bäumen fanden die Gutachter nicht, eine Impulstomographie ergab keine faulen Stellen im Stamm. Allerdings seien die Platanen bereits angeschlagen, weil der Wurzelraum zu klein sei. Der Götterbaum gilt sogar als invasive Baumart, von der ganz abgeraten wird. Und: "Bei den Arbeiten wird so stark in den Wurzelraum eingegriffen, dass ein Erhalt der Bäume nur mit sehr großem Aufwand möglich ist." Schließlich werde die Fußgängerzone durchgehend einen Meter tief ausgegraben.
Abraham schlug stattdessen vor, neben der Platane auf dem Grundstück des Landkreises eine neue Platane zu setzen, etwa in der Mitte der beiden bestehenden Bäume. Sinnvoll sei ein mindestens neun Meter hoher Baum mit acht Meter großer Krone und eine sechs auf sechs Meter große Baumscheibe. Die Linde soll durch eine neue Linde ersetzt werden, der Götterbaum durch eine andere, vom Landschaftsarchitekten zu bestimmende Baumart. Samt Pflege und Nebenkosten würde das alles höchstens 110 000 Euro kosten, also gut 200 000 Euro weniger als der Erhalt. Auf die Anlieger würden statt 108 000 nur 31 000 Euro umgelegt, die Kosten der Stadt betragen nach Abzug der Förderung 52 000 Euro beim Erhalt und 15 000 Euro bei einer Ersatzpflanzung.