Als Kurzentschlossene erhielt Renate Feuerstein um 11.15 Uhr noch die Startnummer 702 ausgehändigt, das Ziel von 777 Teilnehmern beim Pink-Lauf in Bad Brückenau verfehlten die Veranstalter nur knapp.
Bei blauem Himmel und etwas zu kaltem Wind - letzterem vertrieben Zumba-Fitness und Aperitifs am Start - herrschte eine gigantische Stimmung im pinken Gewühle auf dem aus allen Nähten platzenden Marktplatz.
Mit Gymnastik, Grußworten und Tanzen überbrückten die Verantwortlichen die Startverzögerung, wollten sie doch möglichst vielen Nachzüglern noch die Teilnahme ermöglichen.

Der diesjährige Ehrengast, die Gründerin und Vorsitzende des Vereins Brustkrebs Deutschland e.V. aus München, Renate Heidinger, meinte zunächst knapp: "Toll! Ich bin sehr beeindruckt!" Später fügte sie dann an: "Ich musste jetzt bei der dritten Auflage doch selbst mal sehen, was die Brückenauer hier auf die Beine stellen. Alle helfen hier zusammen für unsere gemeinsame Sache."

Nicht nur sich selbst ein bisschen fit halten und Spaß dabei haben, sondern damit gleichzeitig aufmerksam auf die häufigste Krebsart bei Frauen machen, ist das Ziel des Veranstalterteams um Tourist Info, Turnverein, Skiclub, Reservisten sowie zahlreichen anderen ehrenamtlich mitwirkenden Gruppen und Helfern seit der ersten Auflage vor drei Jahren. Da starteten noch rund 350 Teilnehmerinnen.

Partystimmung

Gemeinsam mit Landrat Thomas Bold schickte Heidinger das pinke Feld auf die 7700 Meter lange Rundstrecke durch die Kurparks der Stadt und des Staatsbades. Ein nicht endend wollender Bandwurm aus pinken Ladies, teils mit Walkingstöcken "bewaffnet", teils bunt kostümiert, mancher im Kinderwagen, einige auch im Rollstuhl, flott joggend oder gemächlich wandernd: Dieses Bild bot sich entlang der gesamten Strecke, auf der auch immer wieder spontane Musikgruppen positioniert waren. Partystimmung pur stieg vom Siebenerpark bis in den Schlosspark im Staatsbad.

Beim Blick auf die Meldeliste fiel auf, dass der Lauf immer weitere Kreise zieht und immer mehr Spontan-Gruppen zur Teilnahme reizt. So war das Kurstift Brückenau wohl ziemlich leer am Sonntag, denn es stellte mit 31 Starterinnen die größte Gruppe.

Ein ganz besonderer Trainer

Eine besonders erwähnenswerte Gruppe stellte aber das "Team Lauf 10!" aus Hammelburg dar. Um Sportlehrer Jörg Jaedicke, dem es schon immer ein Anliegen ist, Anfänger und Kinder für den Laufsport zu begeistern, hatte sich eine neue Laufgruppe gebildet, die einen ganz besonderen Trainer in ihren Reihen hat. "Geburtsort" der Gruppe, so deren Sprecherin Maria Albrecht-Martin, selbst Lehrerin in Hammelburg, war ein Begegnungsfest im Hammelburger Asylbewerberheim. Hier lernte sie den äthiopischen Asylanten Theodros Shiferaw kennen, der nur einen Wunsch hatte, schnell Deutsch zu lernen.

Theo, wie er von seinen Freunden genannt wird, ist studierter und diplomierter Sportwissenschaftler. Was lag also näher, ihn beim TV-DJK Hammelburg einzubinden. Hier trainiert er eine neue Gruppe junger und alter Laufanfänger. In Anlehnung an das Projekt "Lauf 10" des Bayerischen Rundfunks, ist der Pink-Lauf in Bad Brückenau Abschluss der ersten zehnwöchigen Trainingsphase. "Wir haben es alle 20 geschafft, darauf sind wir und unsere Trainer Theo und Jörg stolz", konstatierte Albrecht-Martin am Schluss. Theo selbst fand es "crazy fun", mit Perücke inmitten all der pinken Ladies zu joggen.

Gemeinschaftsgedanke im Vordergrund

Abseits des Leistungsgedankens, eine Zieluhr lief wohl informativ mit und die Schnellste kam in 39 Minuten bereits im Ziel, stand doch der Gemeinschaftsgedanke im Vordergrund. Dies macht Mut, den Pink-Lauf auch am 3. Oktober 2014, wieder zu veranstalten.