Was machen die "Wanderratten" im All? Diese Frage stellt sich angesichts der aktuellen Aktion der Jugendgruppe des Biosphärenreservats Rhön am Schwarzen Moor. Um ihrem Namen gerecht zu werden, gehen die "Wanderratten" auf verschiedene Art und Weise wandern - auf kurzen oder langen Strecken, sommers wie winters, auch mal mit Kanus und jedes Jahr wieder planen sie eine Tour mit Langlaufskiern. Genauso regelmäßig fällt diese buchstäblich ins Wasser, denn kaum setzen sie ihren Fuß auf die Hohe Rhön, schmilzt der Schnee.

Also mussten sie sich auch dieses Jahr eine Alternative überlegen und haben beschlossen, sich mit dem Nachthimmel zu beschäftigen. Wie sich herausgestellt hat, genau die richtige Entscheidung, erklärte Michael Dohrmann, der die "Wanderratten" betreut. "Wir wären sonst wohl nie zu solchen Sternenkarten gekommen", erklärte er. Auf dünne Holzplatten haben die Jugendlichen die Himmelskörper durchgepaust und die Sternbilder ins Holz gelötet, Nägel repräsentieren die Gestirne. Natürlich wurden die Karten sofort in Gebrauch genommen, der Planetenlehrpfad am Schwarzen Moor konnte fertiggestellt werden. "Er stellt ein maßstabsgetreues Modell des Sonnensystems dar und ist dabei sogar richtig modern geworden, die Infotexte sind über QR-Code zu erreichen", so Dohrmann.


Es gab schon einen Vorgänger

Dieser Planetenweg hat eine Vorgeschichte. Bereits 2008 haben die "Wanderratten" auf dem Weg vom Parkplatz am Schwarzen Moor zum alten Grenzturm einen Planetenweg angelegt. Dieser war mit Farbe auf die Straße gemalt. Im maßstabsgetreuen Abstand konnte man hier von der Sonne bis zum damals noch als Planet anerkannten Pluto laufen. Dieser Weg, so Dohrmann, habe leider nur kurze Zeit gehalten. "Die Farbe wurde weggeschwemmt, genauso wie der Pluto zwischenzeitlich seinen Planetenstatus verloren hat", so Dohrmann.


Auf den Sternenpark reagiert

Dennoch habe das Thema "Astronomie" seitdem die "Wanderratten" begleitet, nicht zuletzt, weil im August 2014 Teile des Biosphärenreservates Rhön als Sternenpark anerkannt wurden. So war den "Wanderratten" klar, dass sie wieder einen Planetenweg erstellen wollen, aber einen pflegeleichten und mit moderneren Mitteln.
Darum griffen die "Wanderratten" auf die weithin eingeführten QR-Codes zurück. Mittels eines Smartphones und einer kostenfreien QR-Code-App wurden im Internet Seiten angelegt und gestaltet, auf denen die Informationen zu den einzelnen Planeten hinterlegt wurden.


"Raumfahrertagebuch" für Gäste

"Sie haben bewusst auf den Tafeln auf eine reine Vermittlung von Fakten zu den Planeten verzichtet", sagt Dohrmann. "Stattdessen haben wir Infos aus der Mythologie zusammengetragen und eine Fantasy-Geschichte, das ,Raumfahrer-Tagebuch‘, angefügt." Auf jeder Station des Planetenweges hat diese Geschichte ein offenes Ende. "Das ,Raumfahrertagebuch‘ kann von den Besuchern des Planetenweges selber weitergeschrieben werden", so Dohrmann. Die "Wanderratten" hoffen nun natürlich auf eine kreative Nutzung des Tagebuches.

Die technische Umsetzung des Planetenweges wurde von einer berufsbegleitenden Fort- und Weiterbildungsmaßnahme "Qualimobil" unterstützt, die Michael Dohrmann belegt hatte. Diese wurde in Kooperation der Pädagogischen Hochschulen Heidelberg und Ludwigsburg durchgeführt. Es hat zum Inhalt, mobile Lehr- und Lernangebote im Kontext der Umweltbildung/ Bildung für Nachhaltige Entwicklung umzusetzen.