Debresay Etin (17) und Membrahtom Gebrehiwet (16) haben deutsche Arbeitsluft geschnuppert. Die beiden Jugendlichen aus Eritrea leben seit Dezember in der übergangsmäßigen Unterkunft für unbegleitete minderjährige Asylbewerber am Volkersberg und haben ein mehrwöchiges Praktikum bei dem Holzbauunternehmen Hanse Haus in Oberleichtersbach absolviert. Sie haben in der Zimmerei bei der Produktion von Dachelementen mitgearbeitet. Berufswunsch in Deutschland? "Sie wollen nach der Schule mit Holz arbeiten", übersetzt eine Dolmetscherin. Schreiner, Zimmerer, Holzmechaniker - Was genau, ist egal.

Die zehn Asylbewerber, die am Volkersberg betreut werden, sind Ende Februar alle bei unterschiedlichen örtlichen Betrieben als Praktikanten untergekommen. "Sie haben sich für alles interessiert, was ein bisschen technisch ist", sagt Betreuer Stefan Heil. Einer kam beispielsweise bei einer Installationsfirma in Volkers unter, ein anderer versuchte sich als Landmaschinenmechaniker bei der Baywa, der nächste schnupperte in eine Kfz-Werkstatt hinein.

Wissbegierige Praktikanten

Arbeitsbeginn war für die meisten um 7 Uhr. Also war früh aufstehen angesagt, spätestens um 5.30 Uhr klingelte der Wecker, berichtet Ralf Sauer, stellvertretender Geschäftsführer vom Haus Volkersberg. "Das war kein Problem. Die waren so etwas von motiviert und waren meistens noch früher wach", sagt er. "Es war jetzt einfach Zeit, rauszugehen. Das sind Jungs, die haben alle etwas vor. Die wollen nicht rumliegen und Däumchen drehen." Die Jugendlichen wurden von den Betreuern per Kleinbus zu den Praktikumsplätzen gefahren und abgeholt.

Sauer ist mit der Aktion zufrieden, beide Seiten hätten profitiert. "Wir hatten durchwegs guten Kontakt mit den Betrieben", sagt er. Jan Beerman, Leiter der Marketingabteilung bei Hanse Haus, bestätigt, dass die Jugendlichen einen guten Eindruck hinterlassen haben. "Wir haben sehr gute Erfahrungen gemacht. Sie haben sich gut eingebracht, waren engagiert und wissbegierig", schildert er. Zwar sei die Sprachbarriere hoch aber nicht unüberwindbar gewesen. Technische Erklärungen wurden in der Werkstatt oft über Zeichnungen vermittelt. Bei Hanse Haus könne man sich vorstellen, wieder Asylbewerber als Praktikanten zu beschäftigen.

Bürokratische Hürden

Es war einiges an bürokratischer Vorarbeit nötig, um die Praktika zu ermöglichen. Der Amtsvormund der Jugendlichen, Thomas Schröter, musste vorab das Okay der Ausländerbehörde einholen sowie Unfall- und Haftpflichtversicherungen abschließen. Praktikumsverträge mussten erstellt, übersetzt und unterschrieben werden. Dafür gibt es Lob von der Politik. "Es freut mich, dass die bürokratischen Hindernisse abgebaut werden", meint Bad Brückenaus Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU).

Sie verweist auf allgemeine Probleme die Betriebe haben, Nachwuchskräfte und auch Praktikanten zu finden. Die Asylbewerber seien "ein Potenzial, das man nutzen muss". "Wir sind immer auf der Suche nach guten Leuten", meint Beermann. Eine Ausbildung bei Hanse Haus sei für Asylbewerber denkbar, insofern sie die Anforderungen im Hinblick auf Schulbildung und Sprachkenntnisse erfüllen. "Dann spielt es keine Rolle, ob Bewerber aus der Rhön oder Afrika stammen."