Unter den großen Fichten etwas abseits vom Kreuz suchte der harte Kern der Rhönklubler aus der Saale-Sinn-Region bei der Wanderjahreröffnung Schutz vor dem pfeifenden Wind auf dem Kreuzberg. "Und wenn der Sturm gewaltig sich um die Wipfel fängt...", Regionalwart Thomas Hammelmann hatte die passenden Gedichtzeilen herausgesucht.

Besonders freute sich Hammelmann, den Rhönklub-Präsidenten Jürgen Reinhardt begrüßen zu können. Für die Saale-Sinn-Region sei es guter Brauch, sich traditionsgemäß auf dem Heiligen Berg der Franken zur Wanderjahreröffnung zu treffen.

Normalerweise werde das Jahr mit dem Lied "Ich weiß basaltene Bergeshöhn" eröffnet, doch diesmal musste - dem Sturm und Schneetreiben geschuldet - die gesangliche Einlage ausfallen. "Wir treffen uns alle im Antoniussaal, dort wird gegessen und gesungen", luden Hammelmann und Reinhardt alle Rhönklubler ein.

Auch wenn der Wind pfiff, die Reden wurden am Gipfel gehalten. Der Rhönklub stellt das Jahr 2015 unter das Motto "25 Jahre wiedervereinte Rhön". "Es ist nun schon ein Vierteljahrhundert her, dass wir in unserer Rhön wandern können, wo wir wollen", erinnerte Reinhardt. Oftmals haben Wanderer an der innerdeutschen Grenze gestanden und in den verschlossenen Teil der Rhön geblickt. Der Wunsch, auch in diesem Bereich der Rhön zu wandern, sei immer da gewesen. Und auch von anderer Seite bestand das Verlangen, die Wasserkuppe, die Milseburg und den Kreuzberg zu erwandern, Berge, die besonders jüngeren Menschen in der ehemaligen DDR nur vom Namen, nur von Erzählungen her vertraut waren.

Orte nur vom Hörensagen

"Wie freuten sich Menschen im anderen Teil Deutschlands über eine über die Grenze geschmuggelte Ravenstein Wanderkarte. Hier konnte man sich das Gebirge vorstellen. Hier konnten man die Namen der Wunschberge ablesen. Auch wir im Westen kannten die Thüringische Rhön nur aus Berichten und Erzählungen unserer Vorfahren. Wir kannten die Orte Geisa, Dermbach, Meiningen vom Hörensagen", berichtete der Präsident.

Berge fast unerreichbar

Berge wie der Gläser, Pleß oder Hohe Geba seien fast unerreichbar gewesen. "Auch wir konnten von der Ravensteinkarte lediglich die Namen ablesen. Moskau war für uns eher zu erreichen wie Frankenheim oder Birx." Als im Herbst 1989 die Grenze durchlässiger wurde, ein Grenzübergang nach dem anderen geöffnet wurde, begannen die Rhöner aus Ost und West ihren Wanderwünschen und Wanderzielen nachzugehen. Reinhardt erinnert sich noch gut, dass er den Wunsch hatte, ein altes Steinkreuz oberhalb von Frankenheim zu fotografieren. "Ich wusste ja nicht, ob es das Kreuz noch gibt, oder ob es nur ein Eintrag in einer veralteten Karte war." Als die Grenze im Dezember 1989 bei Birx geöffnet wurde, war er mit dabei. "Ich wanderte durch Birx, ging immer der Straße in Richtung Frankenheim entlang und erreichte das Kreuz. Es war tatsächlich noch vorhanden."

Viele Zweigvereine neu gegründet

Der Umbruch in Deutschland und damit auch in der Rhön hatte für den Rhönklub große Bedeutung. Zahlreiche Zweigvereine wurden in der Rhön neu beziehungsweise wieder gegründet, das Wegenetz vergrößert und Wanderinfrastruktur geschaffen. Wanderwege gab es zwar auch in der ehemaligen DDR, aber da die Thüringische Rhön zu weiten Teilen im Sperrgebiet lag, musste hier auch vieles neu gestaltet werden. Seit Jahren werbe der Rhönklub mit dem Slogan "Drei Länder, ein Rhönklub".

Wetter bremst Verlautbarungen

Normalerweise gehört es zur Wanderjahreröffnung, dass Thomas Hammelmann auf die wichtigsten Termine und Jubiläen im neuen Jahr in der Saale-Sinn-Region hinweist. Doch auch diese Verlautbarungen wurden ein Opfer der Witterung. So blieb ihm nur der Dank an alle, die sich aus dem Haus trauten und den Kreuzberg erklommen haben.