Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung, kurz EUTB. Puh, das klingt erst einmal sperrig. Aber nicht abschrecken lassen, denn hinter der Bezeichnung steckt ein interessantes Angebot. Menschen mit einer Behinderung oder einer längerfristigen, körperlichen oder psychischen Erkrankung erhalten bei der EUTB Unterstützung bei unterschiedlichen Fragen und Problemen.

Marlene Rost arbeitet bei der EUTB Schweinfurt, an der Gesellschaft zur Förderung beruflicher und sozialer Integration (gfi) Schweinfurt, und ist dort unter anderem auch für Bad Brückenau zuständig. Im Gespräch mit der Redaktion gibt sie Einblicke in die Arbeit der Teilhabeberatung. Es ist ein Angebot, auf dessen Hilfe jeder einmal angewiesen sein kann. Denn "nur drei Prozent der Behinderungen sind angeboren", erklärt Rost. "Die meisten entstehen im Laufe des Lebens, und vor allem im Alter."

An wen genau richtet sich das Angebot der Teilhabeberatung?

Marlene Rost: Wir beraten Menschen, die eine Behinderung haben oder zum Beispiel längerfristig oder auch chronisch erkrankt sind. Dieser Zusatz ist wichtig, denn spricht man von einer Behinderung, wird oft nur an Menschen gedacht, die zum Beispiel auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Der Begriff geht aber eigentlich viel weiter und umfasst Menschen, deren Leben in ihrer Umwelt beziehungsweise der Gesellschaft in irgendeiner Form eingeschränkt ist. Unser Angebot richtet sich also daher auch an Menschen, die etwa an einer schweren Diabetes erkrankt sind oder zum Beispiel in Folge eines Schlaganfalls eingeschränkt sind. Gleichzeitig richtet sich unser Beratungsangebot nicht nur an die Betroffenen selbst, sondern auch an Angehörige, Freunde oder Kollegen sowie an Fachstellen und Vereine.

Welche Themenfelder deckt das Beratungsangebot ab?

Die Anfragen an uns sind thematisch sehr breit gestreut und bedienen eine dementsprechend große Bandbreite. So beraten wir Menschen in verschiedensten Lebenslagen, zum Beispiel Ratsuchende, die sich beruflich umorientieren müssen oder wiedereinsteigen, etwa nach einer Krebserkrankung. Wie sieht das nach dem Krankengeldbezug aus? Was ist eine Wiedereingliederung? Aber auch Menschen, die eine alternative Wohnform suchen, oder Ratsuchende, die Hilfe bei Anträgen brauchen, beraten wir.

Gibt es Probleme oder Anliegen, die besonders häufig an Sie als Beraterin herangetragen werden?

Ein Thema, zu dem wir oft um Rat gefragt werden, ist zum Beispiel das Beantragen eines Schwerbehindertenausweises. Hier besteht bei den Ratsuchenden oft Unsicherheit, was etwa die Vor- und Nachteile betrifft. Auch Verschlechterungsanträge, also, wenn sich der Gesundheitszustand verschlechtert oder noch eine Erkrankung hinzukommt, spielen eine Rolle. Vielfach steht auch das Thema Wiedereingliederung auf unserer Agenda und damit verbunden das Finden geeigneter Arbeitsformen für die Betroffenen.

Was ist das Ziel Ihrer Arbeit?

Wir wollen den Betroffenen Hilfe zur Selbsthilfe bieten. Unsere Beratung soll den Menschen, die zu uns kommen, ermöglichen, selbstständig Entscheidungen zu treffen. Wir unterstützen, wo es nötig ist. Das kann auch einmal ein Telefonat mit der zuständigen Behörde sein, aber in erster Linie sind wir eine Beratungsstelle. Gleichzeitig haben wir eine Art Lotsenfunktion und verweisen an Experten und Fachstellen, wenn es diese zu einem Thema bereits gibt. Unterschiedliche Behörden und Leistungsträger etwa werden von den Ratsuchenden häufig als ein Riesendschungel wahrgenommen. Wir sind mit unserer Beratung eine Art Wegweiser.

Wie schaffen Sie es selbst, da den Überblick zu bewahren?

Wir sind ja zu viert in der Beratungsstelle und meine Kolleginnen und ich bringen alle schon einiges an Erfahrung mit. Ich selbst bin Diplom-Sozialpädagogin und habe lange in der beruflichen Rehabilitation gearbeitet und später Unternehmen in Sachen Inklusion beraten. Natürlich tauchen in der täglichen Arbeit ganz viele neue Themen auf. Die Beratungsfälle sind ja immer individuell verschieden. Da muss man sich dann einfach auf die Suche nach Lösungen für die jeweiligen Probleme machen. Unsere Beratungsstelle betreut die Landkreise Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld, Haßberge und Schweinfurt. Aber deutschlandweit gibt es rund 500 EUTBs. Wir arbeiten übergreifend zusammen und jeder hat seine Spezialgebiete. Wir können uns also auch untereinander um Rat fragen. Hier möchte ich noch ergänzen, dass wir innerhalb der EUTB auch die Peer-Beratung fördern, also, dass sich Betroffene mit ähnlichem Erfahrungshintergrund untereinander helfen.

Die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) ist ein kostenloses Angebot. Kostenträger ist das Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Die EUTB berät Menschen mit einer Behinderung oder längerfristigen Erkrankung. Seit mittlerweile drei Jahren gibt es das Beratungsangebot. "Die Beratung hilft jedem Einzelnen. Wir achten auf Ihre Wünsche. Wir sagen nichts weiter und wir nehmen Sie ernst", informiert die EUTB in einem Flyer in leichter Sprache. Weitere Informationen gibt es im Internet unter: www.teilhabeberatung-schweinfurt.de; E-Mail: info@teilhabeberatung-schweinfurt.de; Telefon: 09771 6126 207