von unserem Mitarbeiter Thomas Dill

Bad Brückenau — Turbulent, komisch, possenhaft,.... die Umschreibungen für das jüngste Theaterstück der Gruppe Kompassion "Othello darf nicht patzen" des amerikanischen Dramatikers und Regisseurs Ken Ludwig können nicht vielfältiger sein, wie die Wirrungen und Verwechslungen der Handlung.
Wie in den amerikanischen Sitcoms üblich, jagte ein Running Gag den Nächsten, dennoch blieb dem aufmerksamen Zuschauer beim vielen Lachen Zeit etwas hinter die Textzeilen zu blicken.

Vor den Spiegel gestellt

So wurde nicht nur das Showbusiness insgesamt mit all seinen Auswüchsen, Starallüren, Fanfanatismus persifliert, auch die zwischenmenschlichen Beziehungen der einzelnen Protagonisten stellten den Zuschauer, wie bei Kompassion schon die Regel, vor einen Spiegel.
Da war der mächtige Direktor, brillant intrigant von Nils Hönerlage dargestellt, der aus jeder Situation mit allen Mitteln Profit schlägt, dann sein Adlatus und Faktotum Max. Jörg Hilsdorf zog alle Register, um den verklemmten, katzbuckelnden Angestellten, der so gerne selbst ein Star wäre, einfühlsam und doch emotional zu spielen.
Auf den Leib geschnitten auch die Rolle des radebrechenden, kurzatmigen weil zu gut lebenden, italienischen Startenors Tito Merelli. Stefan Jäger brachte diesen singenden Lebemann, der von weiblichen Fans schier erdrückt wurde, absolut authentisch. Eine Höchstleistung, als er eine ganze Szene lang als vermeintlich Toter, starr liegend das Geschehen um sich herum ertrug.
Höhepunkt des Stücks sicher die Szenen, als Hilsdorf und Jäger, beide als Othellos gewandet, durch dieTüren und über die Bühne geisterten.
Carolin Gutmann als zierliches Hascherl und Tochter des Direktors, Angelika Heinz als beleidigte Ehefrau des Tenors, Diala Dathe als beifallheischende Sopranistin und Julia Müller als hektische Theatermanagerin besetzten die Frauenrollen treffsicher und überzeugend.
Als I-tüpfelchen der Darsteller noch der übereifrige, aufdringliche, immer im unpassenden Moment auftauchende Hotelpage, dem Florian Probeck geschickt einen überzogen femininen Charakter gab.
Dem Ambiente eines Projekttheaters gerecht wird auch der Aufführungsort, die Aula des Gymnasiums, an dem alle der Darsteller einst Abitur machten. Wohl eher ungewollt und der Kürze der Zeit geschuldet, das mit zahlreichen Türen effektiv und gut für viele Überraschungsmomente, improvisierte Bühnenbild, bei dem die gut 120 Zuschauer dicht gedrängt bis zum Bühnenrand saßen.

Zwei Probrobewochenenden

Zwei Probenwochenenden, reichten den Darstellern aus, um das sehr text- und dialogintensive Stücke gewohnt perfekt, aber doch spontan und mit Leidenschaft zur Aufführung zu bringen, leider bleibt eine Wiederaufführung verwehrt, da bereits am nächsten Tag sich die Truppe wieder über ganz Deutschland verteilt seinem Alltagsgeschehen widmet.
Wie Dirk Hönerlage, Motor und Regisseur des Stücks bei der Begrüßung zwar vorsichtig meinte: "Eventuelle Pannen interpretieren sie als Zuschauer bitte als im Stück so vorgesehen". Doch von der Technik bis zum Stück selbst, trotz des rasanten Spieltempos gab es keinerlei Pannen, nur immer wieder Szenenapplaus. Und wenn es schon um Oper geht, dann musste auch gesungen werden!
So genierten sich weder Hilsdorf noch Jäger im Wechsel playback und live einzelne Opernarien aus Othello zu singen, was für zusätzliche Lacher sorgte. Die Fangemeinde von Kompassion darf heute schon gespannt sein, was in einem Jahr von den Darstellern so auf die Bühnenbretter gezaubert wird.

Name Kompassion, der Name soll zum einen Verbindung sein zur Theatergruppe Kompass des Gymnasiums, sind doch alle Akteure ehemalige Spieler dieser Truppe. Der Name steht wohl aber auch für Passion, denn wie sonst ist zu begründen, dass sich die Akteure extra aus ganz Deutschland treffend, zum jährlichen Theaterspiel treffen.

Kommunikation Der Name steht aber wohl auch für Kommunikation, denn vor allem wollen sich die Schauspieler miteinander treffen, mit ihren Freunden, früheren Lehrern und Mitschülern feiern und reden. Alle drei Intentionen wurden in der Aula trefflich erfüllt, die Techniker der aktuellen Schauspielgruppe sorgten für das richtige Licht, die Bühne ging kommunikativ quer durch die Aula, nicht mitspielende "Kompassionisten" bewirteten und danach gab es noch intensive Gespräche in der Aula.

Verjüngung Bei einem Treffen ehemaliger Mitspieler und dort spontan zelebriertem Inputtheater wurde die Idee geboren und mit dem ersten Stück 2006 im Gewölbekeller des Kellerbaus in die tat umgesetzt und seitdem an jährlich wechselnden Orten fortgeführt. Der Stamm der Schauspieler wechselt und verjüngt sich . bdt