Römershag
Erinnerung

Römershager Geschichte am Leben halten

Ein Enkel der Familie Dunkel hat alte Dokumente und Bilder im Nachlass des Vaters gefunden. Er arbeitet die Geschichte der Schneidmühle auf.
Der Enkel von Carola Dunkel aus der Schneidmühle in Römershag, Ulrich Kuther, versucht die Geschichte am Leben zu halten. Der Steg ist heute noch das letzte Überbleibsel der Mühle. Foto: Julia Raab
Der Enkel von Carola Dunkel aus der Schneidmühle in Römershag, Ulrich Kuther, versucht die Geschichte am Leben zu halten. Der Steg ist heute noch das letzte Überbleibsel der Mühle. Foto: Julia Raab
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Ulrich Kuther ist weder in Bad Brückenau geboren, noch lebt er hier in der Region. Dennoch ist er mit dem Ortsteil Römershag eng verflochten. Und das umso mehr, seit sein Vater, Edgar G. Kuther, im Jahre 2014 verstarb. Bei der Durchsicht seines Nachlasses fand der Sohn schriftliche Aufzeichnungen und ortsgeschichtliche Dokumente über Römershag, die er mit großer Sorgfalt sammelte und niederschrieb.

Aus der Müllerfamilie Dunkel entstammt Ulrich Kuthers Großmutter, Carola Dunkel, eine von acht Kindern von Luitpold Dunkel, dem Schneidmühlenbesitzer aus Römershag. Die Geschichte der Familie Dunkel aus Römershag selbst ist bis 1847 sicher zurückzuverfolgen. "Vor dieser Zeit ist die Datenlage allerdings nicht eindeutig", sagt Kuther.

Als kleiner Bub war der heute 54-jährige Theologe noch einige Male in den Ferien auf dem Mühlengrundstück unterwegs gewesen. Genau an der Stelle der Mühle ist heute die Zufahrt zum Schulzentrum mit dem Namen Dr.-Melchior-Adam-Weikard-Straße. Viele Obstbäume standen im großen Garten der Mühle, denn der Obstanbau war ein weiterer Schwerpunkt seines Urgroßvaters und Mühlebesitzers Luitpold Dunkel. Heute deuten lediglich ein trockener Mühlgraben und ein steinerner Steg auf die ehemals bedeutende Mühle hin. "Nach dem Abriss im Jahre 1977 hat man vor allem an das entstehende Schulzentrum gedacht und weniger an den Erhalt der geschichtsträchtigen Mühle", sagt Kuther. Verständlich, meint er, aber wenig weitsichtig, denn die Mühlengeschichte gehöre zum Ort dazu wie die alte Krugfabrik, von der ebenfalls nichts übrig ist.

Schade, denn betrachtet man heute die Durchfahrtsstraße von Römershag, dann scheint die alte Zeit unwiderruflich gelöscht zu sein. Das dürfe nicht passieren, meint Kuther. Denn Verlust ist gleichbedeutend mit Vergessen. Und das war noch nie der richtige Weg. "Ich fände es angemessen, wenn eine Tafel, die über die Geschichte des Ortsteiles mit den alten Wirtschaftszweigen informiert, aufgestellt wird", sagt er. Damit findet er Anklang beim Ortssprecher und dritten Bürgermeister Dieter Seban. "Die Idee finde ich gut, aber wir sind noch in der offenen Planung", sagt Seban zum
Fortschritt der Gespräche.

In der Aufarbeitung des Materials kommt Kuther seinem verstorbenen Vater näher, deshalb hat er es zu seinem Hobby gemacht. "In erster Linie möchte ich das Material zugänglich machen, damit es für die Nachwelt erhalten bleibt", sagt Kuther, der in Darmstadt Geschäftsführer einer Stiftung ist. Nach Veröffentlichung der Aufzeichnungen sollen diese dem Archiv von Bad Brückenau übergeben werden. "Dort sind sie am besten aufgehoben", ist er sich sicher.

Dieter Sternecker vom städtischen Kulturbüro ist von Kuthers historischer Aufarbeitung begeistert. "Die Mühlen waren in Bad Brückenau ein ganz wichtiges Gewerbe", sagt Sternecker. Für die Kernstadt habe Kaspar Gartenhof (1883-1952) wichtige geschichtliche Beiträge bezüglich der Mühlen erarbeitet. "Doch die Römershager Mühlen fehlen dort", sagt der Leiter des Stadtarchivs. Passend, denn Kaspar Gartenhof war für Kuthers Vater zeitweise "eine Art väterlicher Freund, in der Zeit, da er den eigenen Vater wegen Einberufung vermisste", schreibt Ulrich Kuther im Vorwort der Aufzeichnungen. Diese, für den Ort wichtigen Zeitdokumente werden in Zukunft ihren Platz im Stadtarchiv finden.


Schneidmühle in Römershag

Geschichte Von 1847 bis 1974 war die Schneidmühle im Besitz der Familie Dunkel. Die Blütezeit erlebte sie von den 1890er Jahren bis 1935 unter Luitpold Dunkel. Das Hauptgebäude der Schneidmühle war bei der Errichtung im 16. Jahrhundert ausschließlich als Zehntscheune konzipiert. Ab etwa 1650 verlor die Scheune - im Rahmen des Schlossbaus und durch Änderungen innerhalb des Gutshofs - ihre Bedeutung und wurde als Mühle verwendet (Ölmühle, Pochwerk, Papiermühle). Um 1760 bekam sie ihren Namen "Schneidmühle". Der Betrieb wurde 1942 wegen Einberufung von Richert Dunkel stillgelegt.

Internet Die ganze Geschichte der Mühle und der Familie Dunkel kann online
nachgelesen werden: www.schneidmuehle-roemershag.de

Quelle Edgar G. Kuther: Die Schneidmühle in Römershag. Eine Rückbesinnung
im Zeitenlauf und auf die Ahnen der Familie Dunkel.