Der strittige Naturpark Rhön stand gar nicht auf der Tagesordnung. Doch sorgte er zum Abschluss der Bad Brückenauer Bürgerversammlung für den meisten Gesprächsstoff. Zuvor hatte Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) über die wichtigsten Ergebnisse des Jahres 2016 und aktuelle Vorhaben informiert.
Nur etwa 40 Einwohner waren der Einladung zur Bürgerversammlung in der Georgi-Kurhalle gefolgt. Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks berichtete, "was wir 2016 alles so auf die Reihe gebracht haben". Einer ihrer wichtigsten Punkte war dabei das Gutachten von Professor Christoph Gutenbrunner, Chefarzt für Rehabilitationsmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover, über die Heilkraft und Wertigkeit der örtlichen Heilquellen.
"Wir wussten schon immer, dass wir zwei gute Heilquellen haben", fasste Meyerdierks das Ergebnis der Untersuchung zusammen. "Aber sie sind weit besser, als wir jemals vermutet haben." Jetzt gelte es, dieses Wissen zu nutzen, in Therapien umzusetzen und zu vermarkten.
Während es in den Vorjahren immer freie Kindergartenplätze gegeben habe, "haben wir neuerdings Wartelisten". Investitionen in Kindergärten und deren Ausbau seien erforderlich. Das Stadtratsgremium hatte mehrheitlich einer "moderaten Anhebung der Gebühren" zugestimmt. "Glauben Sie mir: Kein Stadtrat macht dies gern." Meyerdierks begründete diese Maßnahme mit dem Konsolidierungskonzept zum Erhalt von Stabilisierungshilfe: "Wir bekommen höhere Investitionszuschüsse, müssen aber andererseits durch Steigerung von Einnahmen auch unseren guten Willen beweisen."
In den kommenden Jahren wird die Stadt vor großen Investitionen und Sanierungsmaßnahmen stehen. Beispielhaft nannte sie die Sanierung der Georgi-Kurhalle und deren Umfeld. Deshalb werde sich die aktuelle Pro-Kopf-Verschuldung von 380 Euro durch dafür notwendige Kreditaufnahmen wieder erhöhen. Aktuell spürbar ist die aufwendige Sanierung der Kissinger Straße. Ein Abschluss dieser Arbeiten schon bis Ende 2017 "ist wohl nur ein Traum", bestätigte auch Michael Garhamer, der sich als neuer Geschäftsführer der Stadtwerke vorstellte. Lange Staus vor der Baustellenampel zu Hauptverkehrszeiten versuchen etliche Ortskenner ordnungswidrig mit der Fahrt durch die Altstadt abzukürzen. "Die Polizei kontrolliert jetzt verstärkt in der Fußgängerzone", warnte die Bürgermeisterin. Anschließend soll es am Hammelburger Berg (B 27) losgehen, weitere Straßen werden folgen. "Bis alles erledigt ist, bin ich längst in Rente."
Gute Aussichten versprach sich Meyerdierks von der Auflassung der Sinntal-Bahnstrecke. "Alle vier Kommunen Zeitlofs, Riedenberg, Wildflecken und Bad Brückenau ziehen hier an einem Strang." Die Bahnstrecke werde durchgängig asphaltiert. Die Grundstücksflächen von Parkplatz, Wohnmobilstellplatz und Bahnhof könnten demnächst neu verplant werden.
In der Diskussionsrunde forderte Neubürgerin Anita Ortgies alle Brückenauer auf, selbst etwas für die Dreckbeseitigung in der Stadt zu tun. Freiwillige sollten eine Art Patenschaft für kleine Straßenabschnitte übernehmen und diese eigenhändig säubern. "Wenn einer anfängt, machen vielleicht andere mit", hoffte sie. Die Bürgermeisterin war begeistert: "Für solches Engagement gibt es sogar eine Ehrenamtsvergütung."
Arnold Kiefer forderte die Bürgermeisterin auf, sich unbedingt für den Nationalpark Rhön einzusetzen: "Er wäre ein phänomenaler Beitrag zur Wirtschaftsförderung und zur Anwerbung von Investoren im Bereich Gesundheit." Wolfram Vorndran, Geschäftsführer der Vorndran Holzwerke in Oberleichtersbach, warnte vor einer Aufgabe holzwirtschaftlich genutzter Waldflächen. Allein in der Gemarkung Bad Brückenau rechnet er mit etwa 300 Arbeitsplätzen, die verloren gehen könnten.
Meyerdierks habe als Bürgermeisterin der Kurstadt auch an die vielen hundert Arbeitsplätze in Kliniken, Hotels und Tourismus zu denken: "Ich habe mich deshalb in einer ersten Gesprächsrunde mit Umweltministerin Ulrike Scharf für den Nationalpark ausgesprochen." Dritter Bürgermeister Dieter Seban (CSU) nahm den Druck aus der Diskussion: "Momentan wissen wir noch gar nicht, an welche Flächen man denkt und welche Gemeinden überhaupt betroffen sein werden."