Ärger und Unverständnis sind groß. Am Wochenende zerstörten Unbekannte den Sauerbrunnen in Kothen. Die schön gestaltete Anlage unterhalb des Pilsterfelsens ist kaum wiederzuerkennen. Der fast mannshohe Sandstein liegt am Boden. Ein Deko-Stück wurde entwendet. Außerdem fanden die Mitarbeiter des Bauhofes "entsetzt ein Chaos aus zerbrochenen Alkoholika-Flaschen und weiteren Unrat", heißt es im Polizeibericht.

"Es ist traurig, dass es Menschen gibt, die keinen Respekt vor dem Eigentum anderer haben", sagt Bürgermeisterin Katja Habersack (parteilos). Gerade der Sauerbrunnen habe für viele Bürger eine emotionale Bedeutung. Die Gemeinde hat Anzeige bei der Polizei gestellt. "Es gibt Hinweise, dass eventuell am Samstagabend Jugendliche dort gefeiert haben und etwas damit zu tun haben könnten", ruft die Bürgermeisterin mögliche Zeugen auf, sich zu melden.

Ärger auf Facebook

Im Internet schießen derweil Spekulationen über einen politischen Hintergrund der Tat ins Kraut. Auf der Seite "Rhön - historisch und aktuell" auf Facebook ziehen Nutzer Parallelen zu umgestürzten Denkmälern in den USA oder den Krawallen in der Stuttgarter Innenstadt am Wochenende. Das Foto vom umgestürzten Sandstein erinnerte manche wohl an ein Kriegerdenkmal. Mehrfach stellen Kommentatoren richtig, dass es sich um einen Brunnen und nicht um ein Denkmal handelt.

"Ich kann einen politischen Hintergrund sicher ausschließen", sagt Brückenaus Polizei-Chef Herbert Markert. Die Polizei gehe bei den Ermittlungen bereits einem konkreten Verdacht nach. Dennoch werden Zeugen gebeten, sich zu melden, Tel.: 09741/ 6060. Konkret geht es um die Zeit von Freitagmittag bis Sonntag, 8.30 Uhr.

Wasser wird bis heute getrunken

"Der Ärger ist sehr groß, über alle Generationen hinweg", schildert 3. Bürgermeisterin Lena Böhm (FW Ko-Mo-Sp), die selbst in Kothen lebt. Ältere Bürger seien entrüstet und auch besorgt. Denn obwohl der Sauerbrunnen nicht offiziell als Quelle ausgezeichnet ist, trinken viele hier das Wasser seit Kindertagen. "Es ist so traurig. [...] Aus diesem Brunnen habe ich schon als Kind vor mehr als 40 Jahren getrunken", schreibt Frank Vogel auf Facebook.

Er ist bestimmt nicht der einzige Bürger, der die Zerstörung beklagt. Jüngere, so berichtet Böhm, ärgerten sich, wie mit dem Kulturgut in Kothen umgegangen wird. Sie hält aber auch einen politischen Hintergrund für unwahrscheinlich. Sie geht eher von einer Mutprobe, die aus dem Ruder gelaufen sein könnte, aus. "Es ist schade, dass die Leute, die das gemacht haben, nicht dazu stehen und sich melden", sagt sie. Bürgermeisterin Habersack berichtet, dass am Samstagabend Jugendliche am Brunnen wohl gefeiert hätten. Die Anlage liegt etwas außerhalb des Ortes, so dass die Täter relativ ungestört gewesen sein dürften.