Der synodale Neujahrsempfang in den Christlichen Gästehäusern zählt zu den Impulsgebern für das neue Jahr. Gäste aus Kirche, Wirtschaft, Politik, Militär, Schule, aus Ämtern und Behörden konnten Fritz Schroth und Dekan Michael Wehrwein begrüßen.

Referent war Kirchenrat Rüdiger Glufke, der persönliche Referent des Landesbischofs und Ratvorsitzendem der EKD, Heinrich Bedford-Strohm. "Als Christ im Spannungsfeld zwischen Industrie, Musik und Kirchenleitung", so lautete das Thema des Empfangs. Sehr persönlich gestaltete Glufke seinen Vortrag, in dem er ganz unterschiedlichen Fragestellungen nachging, die er unter die Überschrift "Gnade und Fügung" stellte. "Bei anderen Menschen Gaben entdecken und entwickeln, zur Ehre des Reiches Gottes", dies sei eine Aufgabe, die nicht nur notwendig sei, um mehr und neue Pfarrer für die Gemeinden zu gewinnen, sondern sei genauso in Industrie und Handwerk von Bedeutung, um entsprechende Fachkräfte zu finden. Begabung und Freude seien zwei Dinge, die Hand in Hand gehen müssen.

Umdenken bei den Eltern

Die Gedanken des Kirchenrats wurden von den Teilnehmern aufgegriffen und weitergeführt. Walter Heußlein, Vizepräsident der Handwerkskammer für Unterfranken, sprach von Nachwuchssorgen im Handwerk und der Notwendigkeit eines Umdenkens bei den Eltern, die ihren Nachwuchs in akademische Berufe drängen. Dem konnte Glufke nur zustimmen, die Gesellschaft müsse aufhören, Berufe zu werten. "Es kann nicht sein, dass jemand mit Hochschulstudium und mit Dr.-Titel mehr angesehen ist, als ein Handwerksmeister." Im weiteren Austausch ging es um die Rolle der Kirche in der Gesellschaft, und es wurde die Forderung nach mehr kirchlicher Einmischung in gesellschaftliche und politische Themen laut. Von kirchlicher Seite müsse nicht nur geredet, sondern auch gehandelt werden, forderte Michael Diestel, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands, Kreisverband Rhön-Grabfeld.

Wirkliche Vorbilder

"Die Kirche muss raus", befand auch Walter Gutmann, Wildfleckens ehemaliger Bürgermeister. "Die Kirche darf nicht warten, dass die Schäfchen kommen und sich dann auch noch beschweren, wenn keine kommen. Raus gehen, zu den Menschen gehen, und nicht warten, dass die Menschen von selbst kommen." Auch Landtagspräsident a.D. Johann Böhm sah zu wenig kirchliche Präsenz bei wichtigen Themen. Zudem monierte er, dass wirkliche Vorbilder in den Medien und der Gesellschaft nicht mehr zählen. Wer sich beispielsweise ehrenamtlich im Krankenhaus engagiere, erfahre keine Aufmerksamkeit. Wer aber ausgefallenes tue, dem sei das mediale und gesellschaftliche Interesse sicher. Den Ruf nach der Kirche beantwortete Böhm mit dem Hinweis auf die Möglichkeiten jedes einzelnen. "Wir können als Christen selbst aktiv werden." Die Diskussion greife genau ein Problem auf, mit dem Rüdiger Glufke immer wieder konfrontiert werde.