Bischofsheim hat nicht nur historisch und kulturell viel zu bieten, sondern auch kulinarisch. Das brachte Stadtführer Frank Dickas und Cornelia Paul, die neue Leiterin des Tourismus- und Stadtmarketings der Stadt Bischofsheim, auf die Idee, eine kulinarische Stadtführung anzubieten.

Dieses neue Angebot kam sehr gut an. Die ersten Führungen waren schnell ausgebucht, denn Frank Dickas versteht es, für Geschichte und Genuss mit Humor garniert, zu begeistern.

Standesamtliche Trauungen im Turm

Los geht die Tour am Zentturm vor dem Rentamt im Herzen Bischofsheims. Hier erfahren die Teilnehmer gleich, dass Bischofsheim wohl eine der ältesten Siedlungen im Brendtal ist. Im 8. Jahrhundert vom Heiligen Bonifatius gegründet, diente sie als Raststation auf seinen Reisen. Das Wahrzeichen und Fotomotiv Bischofsheims ist der Zentturm, dessen unteren beiden Stockwerke der Kirche und die oberen der Stadt gehören. Gebaut wurde der Turm aus den Steinen der Osterburg. Die Wohnung des Türmers befand sich im oberen Bereich, wird heute aber nicht mehr als Wohnraum genutzt, sondern ist Ort für standesamtliche Trauungen.

Der letzte Türmer ist den älteren Bischofsheimern noch bekannt. Der Turmjohann und seine Frau Anna, zwei Vertriebene aus Schlesien, lebten in den 1960er Jahren im Stadtturm. In früherer Zeit war es Aufgabe des Türmers, die Bewohner vor Feinden und Feuerbrunst zu warnen. In Bischofsheim musste er aber auch Musiker sein, um bei weltlichen und kirchlichen Anlässen und beim Fasching aufzuspielen. Von 10 Uhr abends bis 4 Uhr morgens hatte er jede Stunde anzuzeigen. "Warum, ist unklar, denn da konnte ja niemand schlafen", wundert sich Dickas.

Getreidemaß und Pranger

Gleich neben dem Zentturm ist das Rentamt, das in früherer Zeit als Amtsgericht und "Finanzamt" diente. Das Gefängnis liegt keine 200 Meter entfernt, nur der Galgen wurde außerhalb von Bischofsheims Stadtmauern in Richtung Frankenheim aufgestellt. Der "Nerbelstein" auf dem Marktplatz diente nicht nur als Getreidemaß, sondern auch als Pranger. Nach soviel Geschichte und Baukultur, denn die Treppe im Rentamt gilt als bauliches Kunstwerk, war es höchste Zeit für die erste kulinarische Einheit. Es gab verschiedene Weine und Rhöner Zwiebelsploatz, den Hannelore Dickas selbst gebacken und frisch aus dem Ofen holte. Eine willkommene Rast und Gelegenheit, um Fragen zu stellen und sich auszutauschen.

Weiter geht's mit Bischofsheim religiöser Vielfalt. Besichtigt werden die katholische Stadtpfarrkirche St. Georg, die als Rhön-Dom weithin bekannt ist und als eine der besterhaltenen Echter-Kirchen gilt. Nach der Reformation war Bischofsheims Bevölkerung für kurze Zeit evangelisch, das konnte Fürstbischof Julius Echter nicht zulassen. In der Gegenreformation sorgte er dafür, dass die Bevölkerung sich wieder katholisch nennen durfte, und baute von  1607 bis 1610 die Stadtpfarrkirche, eine dreischiffige Basilika, die in den 1960 Jahren erweitert wurde.

Orthodoxe Kirche mit wunderschönen Ikonen

Nach einem Gang über den Marktplatz, vorbei an den alten Marktbrunnen, die an Bischofsheims Eisenhammer erinnern, mit einem Abstecher zur ehemaligen Unterkunft des schwedischen Feldherren Tilly, geht es zur orthodoxen Kirche mit ihren wunderschönen Ikonen. Entlang der Stadtmauer führt der Weg zur Bäckerei Degetsmühle und zum zweiten kulinarischen Stopp mit Bier der regionalen Pax-Brauerei und Holzofenbrot von Bäckermeister Manfred Enders. Vom Gerberzwinger gehts in den Färberzwinger vorbei an der frisch renovierten Braunsmühle zurück zum Rentamt.

Hier begrüßte Florian Seifert aus Unterweißenbrunn die Teilnehmer und lud zu einer "Streuobstprobe in flüssiger Form" ein. Verschiedene von ihm kreierte Schnäpse kredenzte er zum Abschluss der kulinarischen Stadtführung.

Termine

Weitere Termine für eine kulinarische Stadtführung durch Bischofsheim sind Ende August und im September vorgesehen. Anmeldung und weitere Informationen gibt es bei der Touristinformation Bischofsheim, Tel.: 09772/910 150.