Stille liegt über dem Platz. "Das Heeresmusikkorps Veitshöchheim ist dafür bekannt, dass es auf die Minute pünktlich ist", wispert Nils-Alexander Simon, Medienstabsoffizier vom Ausbildungszentrum der Bundeswehr in Hammelburg. Und tatsächlich, Punkt 18 Uhr erklingt die Musik und das Korps zieht ein. Jetzt herrscht keine Stille mehr. "Grüß Gott!", schreit Roberto Otto über den Platz. "Grüß Gott, Herr Oberstleutnant", brüllt die Truppe zurück. "Leutnant, Leutnant, Leutnant", werfen die Berge den Schall zurück. Stille.

40 zivile Mitarbeiter der Bundeswehr aus ganz Deutschland legten am Donnerstag ihr Gelöbnis ab. Die feierliche Zeremonie ist Teil der allgemeinen soldatischen Ausbildung. Denn nicht nur Soldaten nehmen an gefährlichen Einsätzen im Ausland teil. Auch andere Berufe wie zum Beispiel Bauingenieure, Übersetzer oder Psychologen werden gebraucht.

Als Psychologin im Einsatz

Auch Finni Spieth legt ihr Gelöbnis ab. Als Psychologin wird sie Führungskräfte im Einsatz beraten - und für die Soldaten da sein. Spieth gehört zur Panzerbrigade 12 aus Amberg. Vier Ausbilder der Brigade unterstützen das Team in Wildflecken, das seit diesem Jahr die Ausbildung der zivilen Mitarbeiter übernommen hat. "Wir haben nicht den Anspruch, aus unseren zivilen Mitarbeitern Soldaten zu machen", sagt Hauptmann Andreas Hetzenecker. Es sei aber wichtig, dass sich auch zivile Angestellte im Notfall verteidigen könnten und die militärischen Grundbegriffe beherrschten.

"Wir haben in unserer Garnisionsgemeinde Wildflecken eine fast 80-jährige militärische Tradition", sagt Bürgermeister Gerd Kleinhenz (PWW) und lobt die "Ausbildungsdrehscheibe Hammelburg - Wildflecken", die weit über die Grenze der Rhön hin bekannt sei. Und dann zählt Kleinhenz eine Liste der Länder auf, in denen Gewalt an der Tagesordnung ist. Sie ist entsetzlich lang, diese Liste. "Kriege sind ein Verbrechen an der Menschlichkeit", sagt Kleinhenz.

Nach 38 Jahren noch berührt

Links und rechts des Rednerpults stehen Gewehre sorgsam zu Pyramiden aufgestellt. Kleinhenz spricht von Demokratie und vom Rechtsstaat, er wünscht den Mitarbeitern einen "fordernden und erfüllenden Dienst", vor allem aber "Gesundheit und Unversehrtheit."

Dann treten drei Soldaten mit hellblauen Mützen vor. Das ist die Farbe des Ausbildungszentrums. Sie tragen die Truppenfahne in die Platzmitte. Vier Leute - darunter auch Finni Spieth - treten ebenfalls vor. "Ich gelobe", sagen sie. "Ich gelobe", antwortet die Truppe. Und dann legen sie das Gelöbnis ab, mit dem sie ihre Solidarität mit Deutschland und seinen Grundwerten zum Ausdruck bringen. Hymne. Abmarsch.

Am Rand sitzt Oberstleutnant Josef Taubeneder, der den Bereich Lehre und Ausbildung in Hammelburg verantwortet. "Es rührt mich an, immer noch", sagt Taubeneder, der schon 38 Dienstjahre auf dem Buckel hat. "Das ist ein Ausdruck ihrer Verbundenheit zu unserem Land. Ganz öffentlich und für alle sichtbar." Kinderwagen rollen über den Platz, Familien stehen zusammen, Fotos werden gemacht. Und Finni Spieth? "Es ist besonders, weil ich merke, wie viel Mühe und unheimliche Wertschätzung hier drinsteckt", sagt sie über den Tag, an den sie sich noch lange erinnern wird.