Wenige Wochen nach seinem Sieg in der U23 über 86 Kilometer beim "Tecnica Maxi Race" im französischen Annecy machte sich Alexander Eckert erneut auf den Weg in die französischen Alpen, um in Val d'Isère sich der Herausforderung des "Ice-Trail Tarentaise" zu stellen, der zugleich als "Ultra Skyrunning"-Europameisterschaft ausgetragen wurde. Zwar waren im Vergleich zum Rennen in Annecy "nur" 65 Kilometer zurückzulegen, doch diesmal ging es über einen Gletscher, und mehrere 3000er waren zu überwinden. Insgesamt hatten die Läufer 5000 Höhenmeter zu bewältigen.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Alexander Eckert holte sich erneut den Sieg in der U23. Doch es war ein hart erkämpfter Titel, ein im wahrsten Sinne des Wortes mit Blut errungener Sieg. "Es war das Härteste, was ich bisher in meinem Leben gemacht habe", sagte er kurz nach dem Zieleinlauf, nachdem er im Medicalcenter all seine Wunden hatte versorgen lassen.

Doch von vorn: Der Start in der Ortsmitte von Val d'Isere fand nachts um 4 Uhr statt. Mit Stirnlampen machten sich 640 Teilnehmer auf den Weg. Das Rennen begann für Alexander Eckert, der im Elitefeld startete, sehr gut. Unter den Top 5 reihte er sich ein. Die erste Herausforderung war La Grande Motte, mit 3653 Meter Höhe. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Läufer bereits 17,5 Kilometer zurückgelegt. Die Spur auf dem Gletscher war frisch gelegt worden, über Nacht hatte es gefroren, dadurch war das Eis steinhart. "Ich bin gestürzt, habe mich aber wieder gefangen. Doch kaum stand ich, rutschten die Füße erneut weg und ich fand keinen Halt mehr. Ich stürzte und rutschte den Gletscher hinunter. Alle Stellungen habe ich durchgemacht, auf dem Bauch, auf dem Rücken, Kopf zuerst, Füße zuerst." Die Abwärtspartie endete erst nach mehreren 100 Metern. "Ich war extrem schnell, konnte nicht anhalten.

"Ich hatte Todesangst"

Stockspitzen seitlich reinrammen, um langsamer zu werden, half auch nicht. Das Gelände war steil und unwegsam. "So steil, wie wir es in der Rhön nirgendwo haben. Eigentlich ging es senkrecht runter." Alexander Eckert hatte Glück. Auch wenn diese "Rutschpartie" ihm einen gehörigen Schrecken eingejagt hat, wobei das noch viel zu milde ausgedrückt ist. "Ich hatte Todesangst", gestand er.

Der direkte Weg führte ihn zur Bergwachtstation, um sich medizinisch versorgen zu lassen. "Meine Verletzungen waren nicht so schlimm, um nicht weiter laufen zu können." Nachdem ihm an Arm und Händen ein paar einfache Verbände angelegt worden waren, ging es weiter. "Ich dachte mir: Ich bin hier, um das zu beenden, also bin ich weiter. Zehn Minuten später dachte ich, ich bin ein Idiot weiterzulaufen. Mein T-Shirt war rot vom Blut." Doch mitten im Gelände wollte Alexander Eckert nicht aufgeben, also lief er weiter und immer weiter. "Es war immer lustig zu sehen, wie die Leute mich angestarrt haben, dass ich in diesem Zustand noch laufe. Ich war blutig und ausgehungert." Der Schock über die Rutschpartie hatte ihn vergessen lassen regelmäßig zu essen und zu trinken. "Ich hab jede Minute daran gedacht aufzuhören. Ich hatte keine Motivation, keine Energie mehr. Mit einer Bergbahn hätte ich hinter ins Tal fahren können, doch ich wollte nicht aufgeben."

Plötzlich war das Wasser alle

Nun tauchte ein weiteres Problem auf: "Ich war bei Kilometer 40 von 65, die nächste Verpflegung war erst bei Kilometer 50 und ich hatte kein Wasser mehr." Aber die Motivation war zurückgekehrt: "Ich wusste, das war die einzige Chance auf einen Sieg in der U23, außerdem wollte ich sagen können, dass ich den Ice-Trail Tarentaise zu Ende gelaufen bin." Wasser aus einem Bergfluss musste es auch tun.
Mit neuer Energie und Motivation ging es weiter von 2700 Meter auf 3400 Meter.

Zum Ende des Rennens kamen die Krämpfe. "Meine letzten beiden Magnesiumtabletten hatte ich verloren. Zum Glück hat mir ein Kanadier zwei Salztabletten gegeben." Weiter gings. Val d'Isère war schon in Sicht. Es ging nur noch bergab ins Ziel, auf dem geradesten Weg. "Es tat bergab in den Beinen höllisch weh. Ohne die Salztabletten wäre eine weitere Rutschpartie die einzige Möglichkeit gewesen, ins Ziel zu kommen." Allerdings wäre das keine wirkliche Option gewesen, so über Stock und Stein.

Erst mal nur daliegen

"Irgendwann war ich dann im Ziel, hab mich auf das einzige Stück Wiese gelegt und bin erst mal nur gelegen. Dann wurde mein Name aufgerufen, weil ich tatsächlich die U23 Kategorie bei den Europäischen Ultra Skyrunning Meisterschaften gewonnen habe." In der Gesamtwertung belegte Alexander Eckert schließlich nach 10:12:18 Stunden den 39. Platz. Wirklich zufrieden war er mit dieser Platzierung nicht. "Eigentlich hatte ich mir mehr erwartet, in Zeit und Platzierung, doch angesichts der Umstände, die durch den Sturz zustande kamen, bin ich trotzdem zufrieden."