In der Kurstadt gibt es fünf Senioreneinrichtungen. Die wenigsten der Bewohner kommen aus Brückenau selbst, die Angehörigen haben lange Anfahrten, um ihre Eltern zu besuchen. Gerade diese Besuche sind es, die den Senioren das Leben bereichern und Herbert Stamm am Herzen liegen.

In der Kurstadt möchte er ein soziales Netzwerk anschieben, das diese Besuchsdienste und den Austausch von Hilfsangeboten beinhaltet. Er selbst leistet Hospizdienste und hat bereits mit 32 Jahren einen Seniorenclub in Burgsinn gegründet, der sich auch nach mehr als 25 Jahren bewährt hat: "Das war es, was ich wollte", betonte Stamm. "Ältere wollen nicht betuttelt werden", sondern im Miteinander ernst genommen und auch gebraucht werden. Doch gerade in Bad Brückenau gebe es ein Defizit an Besuchsdiensten und Hilfen für die älteren Bewohner.

Bereits informiert

Verschiedene Modelle hatte sich Herbert Stamm bereits angesehen. Für erste Informationen hatte er Magdalena Döblinger vom Generationen-Netz des Landkreises Bad Kissingen eingeladen. Das grundlegende Konzept heißt "geben und nehmen". Sowohl Menschen, die Hilfe im Alltag benötigen, als auch Menschen, die ihre Zeit und ihr Können an andere weitergeben wollen, können sich bei Magdalena Döblinger melden.

Sie wird "Angebot und Nachfrage" koordinieren sowie zwischen den Hilfebedürftigen und den Hilfe-Anbietenden vermitteln. Voraussetzung ist die Mitgliedschaft im Verein Generationen-Netz. Jedes Mitglied ist haftpflichtversichert, sowohl als Hilfe Anbietender, als auch als Hilfeempfänger. Für jede erhalte Stunde Hilfe zahlt jedes Mitglied acht Euro, von denen der Helfende sechs Euro erhält. Der Helfende kann den Betrag auch auf einem Treuhandkonto sammeln. Sollte er zu einem anderen Zeitpunkt selbst Hilfe benötigen, kann er diese Summe gegen Hilfeleistungen tauschen.

Es soll durch die Mitgliedschaft keine Verpflichtung, zu helfen, bestehen. Zudem soll sich jeder gemäß seiner Begabungen und Neigungen einbringen können, damit eine Langfristigkeit erreicht werde. Nicht nur die Älteren sollen Hilfe erfahren, auch zwischen den Jüngeren könne ein Hilfe-Austausch stattfinden.

Babysitten gegen Schneeräumen

"Wir können uns jegliche Art der Zusammenarbeit vorstellen", betont Döblinger. Sei es Babysitten gegen Schneeräumen oder Haushaltsführung gegen die Fahrdienste. Manch Anwesender hatte seine Bedenken. Die Nachbarschaftshilfe funktioniere bei ihm doch auch sehr gut, warum solle er sich dann in einem Verein binden. So mancher wolle sich "freier" einbringen können. Magdalena Döblinger und Herbert Stamm stimmten damit überein, dass dies ein Ideal-Zustand wäre.

Doch hätten viele Hilfsbedürftige Schwierigkeiten, Hilfe zu organisieren. Für die eigenen Kinder, die weiter weg wohnten, bestünde zudem die Gefahr, ausgenutzt zu werden.

In diesem Zusammenhang bemerkte Döblinger, dass viele Menschen das Problem hätten, zuzugeben, dass sie Hilfe bräuchten. Ein Austausch von Hilfe und Bedarf finde im Verein Generationen-Netz unter geregelten Bedingungen statt, sei vom Bayerischen Staatsministerium sowie dem Landkreis gefördert und somit langfristig angelegt. Das Problem sei die Werbung. Gerade die älteren Menschen sollten von diesem Angebot erfahren. Dazu wäre laut Herbert Stamm ein Seniorencafé denkbar, bei dem Informationen ausgetauscht und weitergetragen werden können.

Nächstes Treffen Ende Januar

Für Herbert Stamm hat sich die grobe Ideenfindung etwas konkretisiert. Was fast außen vorgeblieben war, sind die Besuchsdienste. Sowohl Stamm als auch Guido Gombarek, Heimleiter von Haus Waldenfels, betonten, dass weiter Ehrenamtliche gesucht werden, die Heimbewohner oder Alleinstehende besuchen. Johanna Schießl, Gemeindereferentin der Pfarreiengemeinschaft St. Georg, gab zu bedenken, dass Menschen, die Besuchsdienste anbieten, selbst eine Begleitung benötigten. Besonders Besuche bei dementen oder sterbenden Menschen müssten fachlich begleitet werden. Damit die Organisation in Sachen Besuchsdienste konkreter wird, hat Stamm ein nächstes Treffen vereinbart. Dieses wird am 31. Januar 16 Uhr, in der Georgi Halle stattfinden.