Der Biber entpuppt sich als Tausendsassa, wenn man den Referenten, die die Biberplattform direkt am Weg in Richtung Wernarzer Hütte offiziell mit eröffneten, zuhört. Nach insgesamt 15 Jahren hat der Bund Naturschutz (BN) in der Auenlandschaft im Staatsbad durch Renaturierung und Flächenerwerb die Lebensgrundlage für den Biber geschaffen.
Mit der Überschreitung der hessisch-bayerischen Grenze stand ein Biber 1992 am Anfang einer ungeahnten Entwicklung an Artenreichtum. Nach der Zerstörung des Biberdamms hatte der BN diesen für die vier Biberkolonien eiligst wieder aufgebaut.
Martina Hoffmann vom Bayerischen Naturschutzfonds war im Vorfeld "gespannt" und vor Ort "begeistert". Nicht jedem gefalle die Existenz und das Wirken des Bibers, doch: "Man muss das ganze Bild kennen, um zu verstehen." Gerade im Staatsbad finde man den "Urbayern" in seinem natürlichen Lebensraum vor. Ein "kleines Naturparadies" habe er sich dort erschaffen und gelte als "Symboltier" für eine neu geschaffene Tier- und Pflanzenwelt. Darüber hinaus wurde seit 1988 ein "aktives Konfliktmanagement" mit dem bayerischen Bibermanagement und Biberberatern betrieben. Mit dem Freigehege im Wildpark Klaushof und der Biberplattform im Staatsbad könne man in der Öffentlichkeit das Verständnis und die Akzeptanz für den Biber erhöhen. Der Bayerische Naturschutzfonds beteiligte sich zu 90 Prozent, beide Projekte förderte er mit circa 560 000 Euro.
Stellvertretende Landrätin Monika Horcher (Bündnis 90/ Die Grünen) sei "froh, einen kleinen Beitrag geleistet zu haben". Der Landkreis übernahm zusammen mit dem BN und den Freunden des Wildpark Klaushof e.V. die restlichen 10 Prozent der Projektkosten. Horcher nannte es einen "wichtigen Erfolg", dass der Biber in der Auenlandschaft eine Bleibe gefunden habe und dort mit seiner Lebensraumgestaltung zur Biodiversität beitrage. Ohne es zu wissen, verfolge er auch wasserwirtschaftliche Ziele, wie die Reinigung des Wassers und dessen großflächige Verteilung, was dem Hochwasserschutz diene. Man müsse sich dessen bewusst sein, "dass der Nutzen stets größer als der Schaden ist", betonte Horcher.


Die Schönheit der Sinnauen

Der Biber gestalte den "Lebensraum Wasser positiv", hob Birgit Imhoff vom Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen hervor. Für einen guten ökologischen Wasserzustand sei es nötig, dass das "Wasser sich seinen Verlauf selbst suchen kann". Imhoff zeigte sich "beeindruckt von der Vielfältigkeit und Schönheit der Sinnauenlandschaft".
Mit der Biberplattform sei ein Zugang geschaffen worden, den Biber zu erleben und die Verbundenheit mit der Natur zu spüren. So manchen Mitbürger störe der Biber, aber "im Staatsbad darf er sein, dort hat er seinen Platz gefunden", so Imhoff.
Laut BN-Landesbeauftragten Richard Mergner müsse man vom "Öko-Baumeister" Biber lernen. Hochwasserschutz sowie ein "lebendiges Miteinander" sei durch den "Migranten" möglich. Durch die Biberplattform sei die Willkommenskultur und gute Kooperation mit den Landnutzern erfolgreich sichtbar geworden. Selbst für den BN sei es überraschend gewesen, zu sehen, dass im Lebensraum Biber der Artenreichtum um ein Vielfaches höher sei als ohne den Biber.
Bayern-, deutschland- und europaweit sei es einzigartig, dass das wilde Biberleben in der Kulturlandschaft erlebt werden könne. Der BN sei nur durch ehrenamtlich geleistete Arbeit beteiligt gewesen, alle Fördergelder gingen direkt an Planungsbüro, Baufirmen und Händler. Somit habe der Biber auch "regionale Wirtschaftsförderung betrieben", so Mergner.


Erlebnis Wildnis

Kurdirektorin Andrea Schallenkammer lebt "in direkter Nachbarschaft zum Biber". Die Plattform "passt zu uns, wir unterstützen es". Im Staatsbad finde man nun sowohl gepflegte Blumenbeete als auch "Erlebnis Wildnis". Die gelebte Ökologie sei bei Einheimischen und Besuchern schon jetzt sehr beliebt.
Am Anfang vor zwei Jahren standen jedoch die Gewässergütekartierung sowie der Flächenerwerb. Beides wurde durch die Kurt-Lange-Stiftung in Würzburg, vertreten durch Kurator Jürgen Kirchner, sichergestellt. Durch die "Anschubfinanzierung" wurde "etwas Besonderes" geleistet.
Franz Zang, erster Vorsitzender des BN, zollte "ganz persönlichen Dank" an das Sinnallianz-Team. Der Spaß sei gewährleistet, "weil man den Erfolg sieht". Neben der Enthüllung einer von Gerwin Kellermann geschaffenen Biberskulptur pflanzten die BN-Mitglieder - passend zum BN-Logo - noch eine Linde.